Kultur und Wein

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Ausstellungsansicht Daniel Richter – Lonely Old Slogans Foto: © Belvedere, Wien, 2017

DANIEL RICHTER Arbeiten aus drei Schaffensperioden

Daniel Richter, Army of Traitors, 2011 Privatsammlung, © Bildrecht, Wien, 2017

Lonely Old Slogans oder der gemalte Kommentar auf die politische, soziale und mediale Realität

Daniel Richter schafft es, mit seinen Bildern ein Unruheherd sowohl im gesellschaftlichen wie auch im künstlerischen Umfeld zu sein. Begonnen hat er mit dem Malen in einer Zeit, als diese Art der Kunst als Vergangenheit erlebt wurde. Was sollte man in den 1990ern noch malen, um nicht nur Wanddekorationen, sondern Kunst zu schaffen. Es war scheinbar alles durchgespielt, vom Gegenständlichen bis zu einer auf einzelne Striche reduzierten Abstrakten. Richter, so heißt es zur Ausstellung, war sich dieser Kontroversen sehr wohl bewusst und trat ihnen offensiv entgegen. Seine Mittel waren expressive Farben, Formen und malerische Methoden. Er scheute nicht zurück vor dichten ornamentalen Gemälden und schaffte es mit dieser Offenheit für seine Art des Ausdrucks zu gehöriger Popularität, nicht zuletzt durch die Entwürfe für die Cover des Hamburger Plattenlabels Buback, das ihm mittlerweile selbst gehört. Seine Werke aus den 1990er-Jahren sind abstrakt und eine ständige Auseinandersetzung mit den formalen Problemen der Malerei.

Daniel Richter, Halber Akt, 2013 Privatsammlung, Deutschland, © Ulrich Gheezzi / © Bildr., Wien 2017

Ab der Jahrtausendwende bekannte sich Richter zur Gegenständlichkeit. In seine großformatig gemalten Erzählungen deuten die Bildtitel, the Lonely Old Slogans, den Inhalt nur an, ihn zur Geschichte fertig zu denken überlässt er dem Betrachter.

In dieser seiner zweiten Schaffensperiode setzt auch die Ausstellung im 21er Haus ein. Diese figurativen und narrativen Bilder, die einer gesellschaftlichen Wirklichkeit entgegengesetzt sind, bilden den Kern der Schau DANIEL RICHTER – Lonely Old Slogans (bis 5. Juni 2017). In seinen jüngeren Arbeiten. also in seiner dritten Schaffensperiode, wird Richter wieder abstrakt. Er hat eine neue Bildsprache entwickelt und reizt in fast choreografischer Form die Möglichkeiten der Malerei aus.

Daniel Richter, Werden die Roten die Schwarzen schlagen?, 2015 © Bildrecht Wien 2017

Noch gibt es die Lonely Old Slogans wie „Werden die Roten die Schwarzen schlagen?“ oder schlicht „Bill“. Den Zugang muss man sich aber unabhängig davon selbst suchen und wird ihn mit einem Blick auf die künstlerische und gedankliche Entwicklung Richters unter Umständen auch finden.

Der Maler gehörte zur linksautonomen Hamburger Punk-Szene, stand seinen Zeitgenossen gegenüber also mit höchster Kritikbereitschaft, die bis zur Feindseligkeit reichte. Geblieben ist davon bis heute die Radikalität, die sowohl in den gegenständlichen, mit auffällig viel Gewalt befrachteten Bildern wie in den von Schlieren und Verkrustungen beherrschten abstrakten Gemälden Richters den Betrachter herausfordert, sie als gemalten Kommentar auf die politische, soziale und mediale Realität zu hinterfragen.

Daniel Richter, Tuanus, 2000 © Bildrecht, Wien, 2017
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