Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht Duett mit Künstler_in © Belvedere, FotoJohannes Stoll

DUETT MIT KÜNSTLER_IN Mitspielen erwünscht

David Shrigley Life Model 2 © Belvedere, Foto Johannes Stoll

Kunst von verspielten für verspielte Naturen

Im Zentrum der Ausstellung steht das Publikum und seine Rolle bei der Entstehung von etwas, ja, was denn? Im 21er Haus bezeichnet man die Ergebnisse aus kreativen Vorgaben und dem aktiven Eingreifen des Rezipienten als Kunst. Fluxus, Performance, Aktion, Happening und Body Art sind längst anerkannte und teils mit ordentlicher Patina beschichtete Kunstrichtungen. Lassen wir´s also so stehen, immerhin ist der Ort des Geschehens das Museum für zeitgenössische Kunst in Wien. Fest steht, dass es Spaß macht, sich persönlich einzubringen, einmal an geweihtem Ort des üblicherweise Unberührbaren Hand anlegen zu können und das dabei entstandene Werk unter Umständen sogar mit nachhause nehmen zu dürfen. „Duett mit Künstler_in, Partizipation als künstlerisches Prinzip“ ist auch der Titel dieser handgreiflichen Ausstellung, bei der bis 4. Februar 2018 der Besucher seinen Teil zu den vorgegebenen Ideen beitragen kann. Laut Intention der Gestalter unter der Leitung des Kurators Axel Köhne soll es zu einer kritischen und schöpferischen Haltung anregen.

Yoko Ono Wish Trees © Belvedere Foto Johannes Stoll

Zugrunde liegt das Motto, das Joseph Beuys 1977 sehr harsch formuliert hat: „Wer nicht denken will, fliegt raus.“ Niemand braucht jedoch Angst zu haben, vor die Tür gesetzt zu werden, wenn er nur ratlos schaut, irgendwann schafft sich hier jeder einen Zugang, denn, so nochmals Beuys, „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Das Ambiente des 21er Hauses mit seinen Licht durchfluteten Räumen und einer Riege von aufmerksamen Aufpassern, die erstens mit freundlichen Gesten zum Angreifen einladen und erforderlichenfalls auch Hilfestellung an den einzelnen Stationen geben, tragen das ihre dazu bei, um sich bei diesem Museumsbesuch vielleicht sogar als kleiner Künstler zu fühlen. Als weitere Hilfestellung dazu gibt es mit der Eintrittskarte ein Booklet, das in erstaunlich leicht fassbarer Weise die Arbeiten der einzelnen Künstler, mit denen man ein Duett spielen kann, vorstellt.

Ausstellungsansicht Duett mit Künstler_in © Belvedere, Foto Johannes Stoll

Es beginnt damit, dass ein Herr in Abendgarderobe die Eintretenden sehr bestimmt nach ihrem Namen fragt. Sobald dieser bekannt gegeben ist, verkündet der Frager diesen lautstark Richtung Ausstellungsraum. Was sich wie ein feierlicher Empfang ausnimmt, sind Anweisungen von Pierre Huyghe, der mit dem „Role Announcer“ ein immaterielles und nicht wiederholbares Kunstwerk geschaffen hat. Es folgt ein Treffen mit dem eigenen Gesicht in einer Bar von Claus Föttinger.

An einem Automaten kauft man sich ein Getränk und sitzt auf Barkockern, umgeben von sich selbst und in mehrfacher Ausführung auch den anderen Anwesenden in den Spiegeln, die in abenteuerlichsten Rahmungen in großer Zahl montiert sind. Yoko Ono lässt in Mend Piece den Besucher zerbrochenes Porzellan wieder zusammenflicken und eröffnet ihm mit Wish Tree die Möglichkeit, seine geheimsten Wünsche auf einen Zettel zu schreiben und an einem der Bäumchen anzubringen. David Shrigley gibt die Gelegenheit, in Life Model eine weder lebende, noch realistische Puppe an einer Staffelei zu zeichnen. Das dabei entstandene Bild wird an die Wand gepinnt und damit Teil des „Life Model Projects“ und bleibt für die Dauer der Ausstellung zu sehen.

Gabriel Sierra schafft mit einem Strohlager und einem Bett, in dem Zeitungen die Matratze sind, dem an weiche Daunen gewohnten Zeitgenossen das Feeling, wie sich ein Stallknecht im 15. Jahrhundert und ein Sandler im 21. Jahrhundert beim Schlafen fühlen. Hans Haacke will einfach alles wissen und hat dazu zwei Tablets hingestellt, auf denen man eine Reihe von Fragen beantworten kann, aber nicht muss, wenn sie zu sehr ins Persönliche gehen. In Christine Hills Tante Emma Laden geht´s nun vollends ins Verspielte. Man wird mit verteilten Rollen zum Käufer und Verkäufer und lässt sich dabei, um das Duett zu vervollständigen, fotografieren. Auf dem Geschirr von Opavivará! lassen sich je nach musikalischem Talent Samba- und andere brasilianische Rhythmen schlagen, bevor als Abschluss des Rundgangs ein Pingpongmatch auf dem Programm steht. Rirkrit Tiravanija hat jedoch nicht nur sportliche Ambitionen im Auge. Der Ball fliegt über das Netz und gleichzeitig über die Feststellung „Morgen ist die Frage“, und fordert wie die Fragezeichen auf den Schlägern zum Nachdenken um eine Antwort um den Sinn des bisher Erspielten und Erlebten auf.

Duett mit Künstler_in Ausstellungsansicht © Belvedere Foto Johannes Stoll
21er Haus Logo 300

Statistik