Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Installationsansicht NHM Wien / Schlangen © NHM Wien, Kurt Kracher

NATURA MORTA Gefährliche Schönheit des Todes

Installationsansicht NHM Wien / Bär © Oliver Mark

Artenschutz im Stile Alter Meister

Nashörner werden auf grausamste Weise mit Kettensägen getötet, um an ihr Horn zu kommen, das von schwerreichen Impotenzlern um Unsummen von Dollars zur Rettung ihrer Manneskraft erworben werden. Die letzten Exemplare freilebender Tiger werden abgeschossen, um ihre Krallen zu absolut unwirksamen Medikamenten zu verarbeiten und die Panzer von äußerst selten gewordenen Schildkröten zu geschmacklosem Wandschmuck verarbeitet. Offenbar können die Menschen nicht eindringlich genug auf den fatalen Unsinn aufmerksam gemacht werden, den derlei Verbrechen an der Artenvielfalt anrichten. Anders wäre es nicht möglich, dass Oliver Mark, Künstler und Fotograf, in der Asservatenkammer des bundesdeutschen Zolls eine Fülle an makaberen Motiven für seine Arbeit NATURA MORTA vorgefunden hätte.

Oliver Mark, Natura Morta #2 © Oliver Mark 2016

Er hat dort beschlagnahmte Tierkadaver und illegale Souvenirs wie präparierte Kobras, Schnitzereien aus Elfenbein oder chice Krokotaschen abgelichtet. In einem Lichtzelt aus dunklen Tüchern entstanden Fotos im Stile Alter Meister, die in aufwändigen Rahmen präsentiert werden und damit in vordergründiger Ästhetik Tod und Schönheit eindrucksvoll verbinden. Die Bilder haben bewusst keine Titel. Man erkennt auf den ersten Blick, was dargestellt ist, und mit ein wenig nachdenken auch, was damit gemeint ist.

Oliver Mark, Natura Morta #28 © Oliver Mark 2016

Im Sinne von Art & Science werden diese Werke nun an zwei Schauplätzen bis 16. Juli 2017 gezeigt. Der eine ist die Gemäldegalerie der Akademie für bildende Künste, an und für sich auch Schauplatz für großartige Stillleben in Öl. Solche Gemälde bilden nun die Begleitung für die Fotografien von Oliver Mark, die sich in ihrer Erscheinung wie gesagt kaum davon unterscheiden. „Still“ ist der entscheidende Ausdruck, wenn damit die Unbeweglichkeit toter Materie gemeint ist.

NATURA MORTA, tote Natur, zieht sich bedrückend als roter Faden durch die Ausstellung, die im Naturhistorischen Museum ihre Fortsetzung findet. In schönen alten Vitrinen stehen ausgestopfte Tiere aus einer Zeit lange bevor man an Artenschutz dachte.

Ihre Rolle als lebensgroße Studienobjekte und Sensationen der Fauna haben sie durch TV-Dokus und billige Fernreisen inklusive Fotosafari längst eingebüßt. Aber im Zusammenhang mit dem von Oliver Mark sichtbar gemachten Anliegen werden sie zu anschaulichen Vertretern der Opfer von Geldgier und einer an Wahnsinn grenzenden Gedankenlosigkeit. Den Präparaten wurden Bilder zugeteilt, die im Zusammenhang mit den Infotexten des Museums oder bei einer Führung erschütternde Erkenntnisse liefern. 35.000(!) Tier- und Pflanzenarten sind vom internationalen Handel bedroht, eine Zahl, die unvorstellbar ist, aber, so die damit befassten Experten, von Stunde zu Stunde steigt und in kürzester Zeit eine einst vielfältige lebende Natur in ein Stillleben, eine NATURA MORTA, verwandelt.

Oliver Mark, Natura Morta #5 © Oliver Mark 2016
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