Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Blick auf Wien von der Spinnerin am Kreuz  Jakob Alt

DAS WIENER AQUARELL Ein Bilderreigen österr. Künstler

"Zigeunerlager"  August von Pettenkofen

Eine romantische Bildreise von den Gasteiner Wasserfällen bis in die Alservorstadt

Bis 13. Mai 2018 schenkt uns die Albertina wieder einen der seltenen Blicke auf die Schätze ihrer einzigartigen Sammlung an Aquarellen. Zu oft darf man diese mit sensiblen Farben gemalten Bilder ja nicht dem Licht aussetzen. Aber es ist jedes Mal ein Vergnügen, die Welt durch die Augen der Maler des 19. Jahrhunderts zu sehen. Sie waren mit Farbkasten und Staffelei unterwegs und haben den flüchtigen Moment festgehalten; das aufziehende Gewitter, das Glitzern der Sonne auf einem Gletscher, das schwere Abendlicht in der Puszta oder das rege Treiben auf einer der Straßen Wiens. Sie machen die Seele einer Landschaft oder Stadt vor weit mehr als 100 Jahren gegenwärtig, lange bevor es ein Handy gab, um Erinnerungen mit einem Klick festzuhalten und an seine Freunde zu verschicken. Die Schöpfer dieser Werke mussten jedoch handwerklich und künstlerisch in höchstem Maße talentiert sein.

Blick aus dem Atelier des Künstlers gegen Dornbach  Jakob Alt

Die Technik, derer sie sich dabei bedienten, verzeiht keine Fehler und erlaubt keine Korrektur. Das Aquarell ist eine der spontansten Formen der bildenden Kunst. Die Wahl der Farben braucht Erfahrung, denn sie präsentieren sich auf dem Papier ganz anders als auf der Palette und schaffen in ihrer Zusammenstellung eine mitunter vollkommen überraschende neue Wahrnehmung. Die Entscheidungen müssen schnell fallen, da die Unterlage nicht ausgetrocknet sein darf, wenn der Pinsel aufgesetzt wird. Das alles sollte man im Hinterkopf haben, wenn man den Werken von Aquarellisten gegenübersteht, die zumeist in kleinen überschaubaren Formaten große Kunst beinhalten.

Der Dachstein im Salzkammergut vom Vorderen Gosausee  Rudolf von Alt

Bei der Ausstellung „Das Wiener Aquarell“ trifft man viele alte Bekannte. Es ist jedes Mal eine Freude, in die Meisterwerke von Thomas Ender oder Matthäus Loder einzutauchen. Sie führen den Betrachter unter anderem ins Hochgebirge, was damals für diese Herren bestimmt ein Abenteuer bedeutete, als diese Regionen noch nicht durch Seilbahnen oder Hochalpenstraßen erschlossen waren und mit schweißtreibenden Märschen und waghalsigen Aufstiegen bezwungen werden mussten. Einige dieser Künstler waren mit dem „Steirischen Prinzen“ Erzherzog Johann als Kammermaler unterwegs.

Andere schufen für Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser Ferdinand I., Guckkastenserien, um dem Hof die Möglichkeit zu geben, die Schönheiten der von ihnen verwalteten Monarchie zu erahnen. Jakob Alt war einer derer, die damals im Habsburgerreich unterwegs waren, begleitet von seinem Sohn Rudolf von Alt, dessen Aquarelle im Kreise dieser Maler den höchsten künstlerischen Anspruch erheben. Sein „Blick in die Alservorstadt“ oder die in feiner Garderobe promenierenden Damen am „Graben in Wien“ sind reizendstes Biedermeier, die uns mit ihrer Romantik in eine Zeit zurück führen, die wir, anders als damals, absolut stressfrei genießen dürfen.

 

Alle diese Maler haben der österreichischen Aquarellmalerei einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Wie man im Begleittext zu dieser Ausstellung erfährt, war die Technik mit den Wasserfarben zwar schon von Albrecht Dürer angewendet worden. Ihren Aufstieg erlebte sie jedoch auf den britischen Inseln und gilt seitdem als typisch englische Kunstform.

Bei dieser Qualifizierung wurde jedoch übersehen, was zur gleichen Zeit in Österreich auf diesem Gebiet geleistet wurde. Jeder der Maler, ob Carl Schindler, Eduard Gurk oder die bereits genannten, hat eine Meisterschaft erreicht, die sich mit den Members of the Royal Watercolour Society durchaus messen kann. Nach der Erfindung der Fotografie wurde das Aquarell verdrängt, konnte aber in seiner Nische als Kunstform eine neue Blüte erleben. Es ist vom Zwang der Nachahmung befreit und die Farben haben sich emanzipiert, um seither in einer quasi expressionistischen Weise seine Motive in einer der Fotografie unmöglichen Vielschichtigkeit zu zeigen.

Am Tanzboden  Carl Schindler
Albertina Logo breit

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