Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Schloss Artstetten

DER GUTE TON Nicht nur in der Musik gefragt

Die richtige Anprdnung von Teller, Gläsern, Tischkarte und Besteck

Vom galanten Benehmen über den Dresscode bis zur richtigen Titulierung

Es klingt so schön altmodisch, wenn man einem Kind vom „Guten Ton“ erzählt. Was soll eine solche Angelegenheit in einer Gesellschaft, die auf Freiheit in jeder Beziehung bedacht ist!? Ist doch wurscht, bekommt man dann zu hören, ob der Kleine Messer und Gabel richtig hält, sofern er überhaupt angehalten ist, derlei Hilfsmittel beim Verzehr von zumeist Junkfood zu benutzen. Grüßen? Blödsinn! Nicht laut ins Handy hineinbrüllen? Warum nicht, es geht niemanden was an, wie ich red´, und was ich sage, hört man ja sowieso! Rülpsen und Geräusche vom anderen Ende? Warum nicht, wenn mich was bläht!? Oft ist es erst die Tanzschule, in der heranwachsende Menschen eine Spur von Schliff bekommen, um sich einigermaßen ohne Rüpelhaftigkeit bewegen zu können. Knigge ist nicht tot! Aber bis sich diese Erkenntnis durchsetzt, müssen schon einige Ausrutscher passieren. Bisher hat´s noch jeder überlebt. Aber leichter tut man sich doch, wenn man die Grundregeln des guten Benehmens einigermaßen beherrscht, oder anders gesagt, wie ein Musiker den richtigen Ton trifft.

Dem Butler übergibt man die Visitenkarte

Auf Schloss Artstetten hat man sich heuer der Frage nach dem „Guten Ton“ in einer kleinen, jedoch ungemein aufschlussreichen Ausstellung angenommen. Der Untertitel lässt sanfte Zweifel an der Seriosität des Themas anklingen: Eine Navigation durch Zwang, Korsett und Schinkenbrot. Wie ernst es jedoch gemeint ist, beweist die Benimmfibel, die der Besucher mit auf den Weg bekommt. Sie dient ihm sowohl als Begleiterin bei den Stationen der Schau als auch als praktischer Wegweiser im Alltagsleben danach.

Zur Verfügung gestellt wurden die Objekte von Profis im Benehmen wie Francesca Gräfin von Pilati von Thassul zu Daxberg oder der steirischen Familie Andreas Bardeau und von Brigitte Leidwein und Alix d´Harambure-Fraye zu einem kurzweiligen Rundgang durch die Welt des richtigen Handkusses und des virtuosen Handlings von adeligem Silberbesteck arrangiert. Den galanten Umgang zwischen Mann und Frau demonstrieren zwei Models, die von David Mayrhofer in „Falsch-Richtig-Szenen“ abgelichtet wurden.

Eine Szene zwischen Frau und Mann bei der Kaeffeejause

Es beginnt mit dem richtigen Entre. Eine Visitenkarte auf das Tellerchen, das einem der Butler devot entgegenhält, zu legen, mag sich auf Haushalte beiziehen, die sich noch Personal leisten können.

Aber was, wenn man unversehens in einem Palais zum Diner eingeladen ist? In Japan, so erfährt man, hat die „Meishi“, die Karte, nach wie vor einen besonderen Stellenwert und wird dort nach strengem Ritual übergeben. Bei Tisch! Hand aufs Herz, wer von uns, abgesehen von Connaisseuren, schaut nicht mit etwas Bangigkeit auf den Hummer, hinter dessen wehrhafter Armierung sich angeblich äußerst zartes Fleisch verbirgt? Es muss gar nicht so kompliziert sein, was man beim Essen auf jeden Fall beachten muss. Aufrecht sitzen, nicht schmatzen usw. sind doch eine Selbstverständlichkeit, genügen aber dennoch nicht immer, wie schon Oscar Wilde festgestellt hat: „Viele Menschen sind zu gut erzogen, um mit vollem Mund zu sprechen. Aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun!

Der gute Ton, Benimmfibel von Franz Ebhardt
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