Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Der Freischütz, Ensemble © Christian Husar

DER FREISCHÜTZ mit dem Mut zu herzhafter Romantik

Regina Riel, Theresa Grabner © Christian Husar

Drum finde nie der Probeschuss mehr statt! – Aufklärung auf musikalisch

Wenn die Bühne Baden zu einer Oper wie „Der Freischütz“ ruft, darf man mit Recht einen herzerwärmenden Abend erwarten. Das Haus ist bekannt für Inszenierungen, die keine langen Erklärungen benötigen, um verstanden zu werden. Das Bühnenbild wird üblicherweise als solches seinem Namen gerecht und das Orchester hat schon ganz andere Hürden als die Musik von Carl Maria von Weber bewältigt. Dennoch, diese „erste deutsche Nationaloper“, wie sie von der Musikkritik bezeichnet wurde, stellt nach wie vor für jeden Regisseur eine nicht unbeträchtliche Herausforderung dar. Legt er´s wie ein romantisches Bilderbuch der Gartenlaube an, als Trachtenrevue mit Gruselfaktor oder modern trocken als philosophisches Stück, um sich vor zu üppiger Gefühlsduselei zu schützen?

 

Michael Lakner, Chef der Bühne Baden, hat selbst Regie geführt und von allem etwas in seine Inszenierung eingebaut. Die Bühne, entworfen von Manfred Waba, ist in jedem einzelnen Bild ein Genuss zum Anschauen. Ein freundlicher Wald lädt ein zum Schwammerlsuchen.

Reinhard Alessandri, Regina Riel © Christian Husar

Auf einer Lichtung trifft man eine Schenke und das Försterhaus. Dessen Inneres ist eine gemütliche Stube mit dem hinterhältigen Ahnenbild, das Agathe beim Herabfallen ein Cut in die Stirne schlägt. In die Wolfsschlucht hingegen stürzt ein Wasserfall, auf den sich teuflische Zeichen, die tote Mutter von Max und Agathe projizieren lassen. An Kostümen wird nicht gespart und die Handlung kurzerhand in das Salzkammergut verlegt, wo sich Lakner als langjähriger Intendant des Lehar Festivals Bad Ischl bestens auskennt.

Es gibt Volkstanz bis zum Schuhplattler (souverän das Ballett der Bühne Baden), einen g´standenen Jägerchor und die jungen Damen, um Agathe den Jungfernkranz zu winden (der Chor der Bühne Baden, solid einstudiert von Michael Zehetner). Was die Philosophie betrifft, wird auf eine Stimme der Aufklärung aus dem Off gesetzt (Wolfgang Pampel). Es beginnt mit der Erzählung, wie es überhaupt zum Probeschuss gekommen ist, und hört auf mit der Beendigung aller unnötigen Bräuche, die dem hellen Licht der Vernunft widersprechen: „Drum finde nie der Probeschuss mehr statt!“ Dass dabei so manche Idee zum Schmunzeln reizt, wenn zum Beispiel Max als winzige Figur über dem Wasserfall auftaucht, die Solisten in der stimmigen Beleuchtung wie in einem Lichtspiel mit einem weißem und zu kleinen Verfolger eingefangen werden, oder bei der fröhlichen Jägerversammlung eine geschossene Wildsau über die Bühne getragen wird, scheint das Zugeständnis an die Kritiker zu sein, die sich ja über irgendwas lustig machen müssen.

Sébastien Soulès, ganz oben klein Reinhard Alessandri © Christian Husar

Erbförster Kuno (Franz Födinger) möchte man sofort zum Schwiegervater haben, wäre da nicht der Probeschuss und die Nervosität, die dem Schwiegersohn in spe das Ziel abhanden kommen lässt. Schrecklich, aber er, der Profi, verliert im Wettschießen gegen einen Dilettanten, der ihn darob gräuslich verspottet (der meisterhafte Bariton Thomas Zisterer als Bauernbursch Kilian). Max (Reinhard Alessandri), der offenbar den Wein nicht verträgt, den ihm der fesche, aber böse Kaspar (mit einem virtuosen Bass: Sébastien Soulès) aufdrängt, behält trotz seines Schwipses eine sichere Stimme und vor allem eine auffallend klare Artikulation. Der Eremit, der als Deus ex machina zum Wohl von Max erscheint, ist eine der Partien, die in Baden Gregor Loebel mit Gänsehautgarantie in die tiefsten Tiefen seines profunden Basses führt. Als Samiel webt Oliver Baier gespenstisch durch das Geschehen, so satanisch, dass es grad noch nicht nach Schwefel riecht. Was für ein Gegensatz ist dazu die stets fröhliche Cousine von Agathe. Theresa Grabner ist ein quicklebendiges Ännchen mit einer kristallklaren Stimme, wie sie für diese Rolle passender nicht sein könnte.

Leise, leise bis zur dramatischen Entfaltung ihres Soprans, das beherrscht beeindruckend Regina Riel, die als Agathe, wie man ja weiß, nach einem Probejahr ihren Max bekommt. Sie alle tragen gekonnt zur herzhaft romantischen Stimmung bei, die ihnen speziell in dieser Oper mit der Klarinette, die Weber erstmals in ihren gesamten Klangschönheit einsetzt, und dem Waldhorn, das schon in der Ouvertüre seine ganz große Angststelle hat, vom Graben heraus unter Franz Josef Breznik getreulich zugespielt wird.

Gregor Loebel und Chordamen © Christan Husar
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