Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Kaiserin Ensemble © www.christian-husar.com

DIE KAISERIN Reizendes Barock-Spektakel für Maria Theresia

Eva Maria Marold, Miriam Portmann ©  	www.christian-husar.com

Eine zuckerlsüße Operetten-Torte zum 300. Geburtstag

Soviel wie heuer wurde über Maria Theresia wohl noch nie geschrieben und gezeigt. Immerhin galt es, 2017 den 300. Geburtstag der wohl populärsten Herrscherin Österreichs zu feiern. Nachdem nun historische Tatsachen zur Genüge abgehandelt wurden, war es hoch an der Zeit, auch die nicht so ganz wahren, dafür aber um so netteren Geschichten zu erzählen. Solcherlei geht den Leuten bekanntlich weit leichter runter als kritische Beleuchtungen und trockene Berichte von Reformen. Die Regentin ist in die Geschichte als Kaiserin eingegangen, obwohl sie nie als solche gekrönt war. Deswegen geht auch der Titel „Die Kaiserin“ für die Operette von Leo Fall zu einem Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald in Ordnung. Die Story basiert auf einem Lustspiel, was bezüglich der historischen Fakten wiederum etliche Freiheiten erlaubt. Was braucht sich ein Publikum, das in der wunderschönen Musik von Leo Fall schwelgen darf, um so Kleinigkeiten zu kümmern wie den Tagesablauf eines Franz von Lothringen, der alles andere als der Depp war, als der er in dieser Operette hingestellt wird.

Verena Barth-Jurca, Thomas Zisterer © www.christian-husar.com

Er war nämlich wirklich Kaiser, zumindest von 1745 an, hat Schloss und Park von Schönbrunn ganz wesentlich mitgestaltet, war Freimaurer und ein Förderer der Künste und Wissenschaften, vor allem aber hat sich der von Maria Theresia so geliebte Franzl bei seinen persönlichen erotischen Lustbarkeiten um so seltsame Institutionen wie deren Keuschheitskommision recht wenig gepfiffen.

Reinhard Alessandri, Georg Lehner, Ensemble © www.christian-husar.com

Die Bühne Baden ist mit der Produktion von „Die Kaiserin“ die letzte Gratulantin dieses Jubiläumsjahres und überreicht unser aller Landesmutter posthum eine feine Torte, überzogen mit einem üppigen Zuckerguss und zum Zubeißen appetitlich angerichtet auf einem goldglänzendem Service. Für diese Ausrichtung eines barocken Spektakels wäre Regisseur Leonard Prinsloo gewiss vom Hof, vielleicht sogar von Maria Theresia persönlich, mit einem Orden ausgezeichnet worden.

An opulenten Kostümen wurde nicht gespart (Devi Saha), die Bühne mit großen Spiegeln und Versatzstücken von Schloss Schönbrunn zur prächtigen Residenz der Kaiserin ausgestattet (Su Pitzek) und das Personal wie Chor und Ballett trotz enormen Bedarfs geschickt ökonomisch eingesetzt, was wiederum der wirtschaftlich denkenden Maria Theresia durchaus Freude bereitet hätte. Das Orchester der Bühne Baden unter Franz Josef Breznik löste gekonnt die nicht unbeträchtlichen musikalischen Aufgaben, die Leo Fall in die von ihm selbst zur Lieblingsoperette erklärte Komposition eingebaut hat.

Beppo Binder, Daniel Ferlin, Sebastian Huppmann © www.christian-husar.com

Für Lacher sorgen die Gesandten in Gelb (Beppo Binder), in Rot (Daniel Ferlin) und in Grün (Sebastian Huppmann), die von der in ihrer Strenge ungemein komischen Fuchsin (Eva Maria Marold als Gräfin Fuchs mit peitschenartigem Fächerschlag) protegiert werden. Ihnen gegenüber steht Kanzler Graf Kauniz, dem Christoph Wagner die sympathische Ruhe eines alles moderierenden Staatsmannes verleiht. Sogar der Kammerheizer Kleespitz (Robert Sadil) hat als Spitzel was zu reden.

In der kleinen Rolle des Dr. van Swieten brilliert der mit Stethoskop und barocker Perücke ganz authentisch ausgestattete Robert Kolar. Das Buffo-Paar Prinzessin Adelgunde, genannt Bichette (Verena Barth-Jurca mit hinreißend schlankem Sopran) und der fesche Graf Pepi Cobenzl (Thomas Zisterer) bringt erfrischendes Prickeln in ein von Eifersucht und Pantoffelheldentum geprägtes kaiserliches Ambiente.

 

Reinhard Alessandri gibt mutig den von seiner herrschenden Ehefrau unterdrückten Gatten Franz von Lothringen. Dem Schmelz seines Tenors muss sogar eine Kaiserin bzw. eine werdende Monarchin erliegen. Diese wurde von Miriam Portmann zu deren vielschichtigem Leben erweckt, zuerst als quicklebendiger, verliebter Teenager, der in der Tracht eines Wiener Wäschermädels seine „Zwei Fusserln zum Tanzen“ entdeckt.

Später erwärmt sie als Mutter mit „Du mein Schönbrunn“ die Herzen ihrer Untertanen, pardon! des Publikums. Letztendlich zieht sie aber als Machtmensch ganz schön unangenehme Seiten auf. So sagt sie kurzerhand eine Ballettvorstellung ab oder versetzt ein paar Soldaten, die zu spät angetreten sind, an die Grenze. Aber was soll´s? Macchiavelli gilt eben auch für eine „Fürstenliebe“, so der vielversprechende Untertitel von „Die Kaiserin“.

Christoph Wagner-Trenkwitz, Ensemble © www.christian-husar.com

Der Freischütz, Ensemble © Christian Husar

DER FREISCHÜTZ mit dem Mut zu herzhafter Romantik

Regina Riel, Theresa Grabner © Christian Husar

Drum finde nie der Probeschuss mehr statt! – Aufklärung auf musikalisch

Wenn die Bühne Baden zu einer Oper wie „Der Freischütz“ ruft, darf man mit Recht einen herzerwärmenden Abend erwarten. Das Haus ist bekannt für Inszenierungen, die keine langen Erklärungen benötigen, um verstanden zu werden. Das Bühnenbild wird üblicherweise als solches seinem Namen gerecht und das Orchester hat schon ganz andere Hürden als die Musik von Carl Maria von Weber bewältigt. Dennoch, diese „erste deutsche Nationaloper“, wie sie von der Musikkritik bezeichnet wurde, stellt nach wie vor für jeden Regisseur eine nicht unbeträchtliche Herausforderung dar. Legt er´s wie ein romantisches Bilderbuch der Gartenlaube an, als Trachtenrevue mit Gruselfaktor oder modern trocken als philosophisches Stück, um sich vor zu üppiger Gefühlsduselei zu schützen?

 

Michael Lakner, Chef der Bühne Baden, hat selbst Regie geführt und von allem etwas in seine Inszenierung eingebaut. Die Bühne, entworfen von Manfred Waba, ist in jedem einzelnen Bild ein Genuss zum Anschauen. Ein freundlicher Wald lädt ein zum Schwammerlsuchen.

Reinhard Alessandri, Regina Riel © Christian Husar

Auf einer Lichtung trifft man eine Schenke und das Försterhaus. Dessen Inneres ist eine gemütliche Stube mit dem hinterhältigen Ahnenbild, das Agathe beim Herabfallen ein Cut in die Stirne schlägt. In die Wolfsschlucht hingegen stürzt ein Wasserfall, auf den sich teuflische Zeichen, die tote Mutter von Max und Agathe projizieren lassen. An Kostümen wird nicht gespart und die Handlung kurzerhand in das Salzkammergut verlegt, wo sich Lakner als langjähriger Intendant des Lehar Festivals Bad Ischl bestens auskennt.

Es gibt Volkstanz bis zum Schuhplattler (souverän das Ballett der Bühne Baden), einen g´standenen Jägerchor und die jungen Damen, um Agathe den Jungfernkranz zu winden (der Chor der Bühne Baden, solid einstudiert von Michael Zehetner). Was die Philosophie betrifft, wird auf eine Stimme der Aufklärung aus dem Off gesetzt (Wolfgang Pampel). Es beginnt mit der Erzählung, wie es überhaupt zum Probeschuss gekommen ist, und hört auf mit der Beendigung aller unnötigen Bräuche, die dem hellen Licht der Vernunft widersprechen: „Drum finde nie der Probeschuss mehr statt!“ Dass dabei so manche Idee zum Schmunzeln reizt, wenn zum Beispiel Max als winzige Figur über dem Wasserfall auftaucht, die Solisten in der stimmigen Beleuchtung wie in einem Lichtspiel mit einem weißem und zu kleinen Verfolger eingefangen werden, oder bei der fröhlichen Jägerversammlung eine geschossene Wildsau über die Bühne getragen wird, scheint das Zugeständnis an die Kritiker zu sein, die sich ja über irgendwas lustig machen müssen.

Sébastien Soulès, ganz oben klein Reinhard Alessandri © Christian Husar

Erbförster Kuno (Franz Födinger) möchte man sofort zum Schwiegervater haben, wäre da nicht der Probeschuss und die Nervosität, die dem Schwiegersohn in spe das Ziel abhanden kommen lässt. Schrecklich, aber er, der Profi, verliert im Wettschießen gegen einen Dilettanten, der ihn darob gräuslich verspottet (der meisterhafte Bariton Thomas Zisterer als Bauernbursch Kilian). Max (Reinhard Alessandri), der offenbar den Wein nicht verträgt, den ihm der fesche, aber böse Kaspar (mit einem virtuosen Bass: Sébastien Soulès) aufdrängt, behält trotz seines Schwipses eine sichere Stimme und vor allem eine auffallend klare Artikulation. Der Eremit, der als Deus ex machina zum Wohl von Max erscheint, ist eine der Partien, die in Baden Gregor Loebel mit Gänsehautgarantie in die tiefsten Tiefen seines profunden Basses führt. Als Samiel webt Oliver Baier gespenstisch durch das Geschehen, so satanisch, dass es grad noch nicht nach Schwefel riecht. Was für ein Gegensatz ist dazu die stets fröhliche Cousine von Agathe. Theresa Grabner ist ein quicklebendiges Ännchen mit einer kristallklaren Stimme, wie sie für diese Rolle passender nicht sein könnte.

Leise, leise bis zur dramatischen Entfaltung ihres Soprans, das beherrscht beeindruckend Regina Riel, die als Agathe, wie man ja weiß, nach einem Probejahr ihren Max bekommt. Sie alle tragen gekonnt zur herzhaft romantischen Stimmung bei, die ihnen speziell in dieser Oper mit der Klarinette, die Weber erstmals in ihren gesamten Klangschönheit einsetzt, und dem Waldhorn, das schon in der Ouvertüre seine ganz große Angststelle hat, vom Graben heraus unter Franz Josef Breznik getreulich zugespielt wird.

Gregor Loebel und Chordamen © Christan Husar
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