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James Wellung Ausstellungsansicht

JAMES WELLING Erste Retrospektive in Österreich

4176 (aus der Serie Choreograph, 2014-17) 2015 © James Welling

Erweiterung und künstlerische Befragung des Fotografischen

Die Arbeit von James Welling (geb. 1951, USA) könnte mit dem Wort Brückenschläge auf einen Nenner gebracht werden. Er gilt als einer der einflussreichsten und wegweisenden Fotografen, Videos gehören damit nahezu selbstverständlich zu seinem Œuvre, aber auch Skulpturen und immer wieder das Herausarbeiten der Zusammenhänge zwischen diesen Medien künstlerischer Äußerung. So sind seine Arbeiten stets schwer in einem dieser Felder festzumachen, auch die in der Ausstellung JAMES WELLING (bis 16. Juli 2017) im Kunstforum Wien gezeigten, in der Fotografisches jedoch den Schwerpunkt bildet.

 

Oft ist erst auf den zweiten Blick oder nach Lektüre des Bildtextes zu erkennen, dass es sich um ein Lichtbild und nicht um ein abstraktes Gemälde handelt. Es ist dann das Ergebnis umfangreichen Experimentierens mit allen Möglichkeiten des Genres.

Torso 3-6 (aus der Serie Torsos, 2005-2008) © James Welling

Zu finden ist Analoges wie Digitales, Farbe und Schwarz-Weiß, Dunkelkammer-Alchemie und High-End-Digitaldruck. Ebenso verhält es sich mit dem Inhalt der Bilder, der vom Stillleben über stimmungsvolle Landschaften, Eisenbahnen, bedrückend einsame Häuser bis zum eindringlichen Blick auf Details wie die Falten eines Stoffes reicht. Seine Arbeit wird in ihrer radikalen Stilvielfalt damit zur Erweiterung und künstlerischen Befragung des Fotografischen. Er hat es geschafft, dass es sich von selbst verbietet, die Fotografie als Mittel der Kunst infrage zu stellen, was wiederum Generationen nachfolgender Fotokünstler entsprechendes Selbstbewusstsein im Kunstbetrieb verschafft hat.

Olson HOuse in Snow (aus der Serie Wyeth, 2010-1015) © James Welling

Welling selbst hat sich bereist früh mit realistischen Malern wie Edward Hopper und Andrew Wyeth auseinandergesetzt. Er studierte Malerei und Modern Dance, wandte sich der Minimal und Conceptual Art zu, bevor er 1976 über die Beschäftigung mit Straight Photography und dem Avantgardefotografen László Moholy-Nagy (1895-1946) als Autodidakt zur Fotografie gelangte. James Welling ist seither selbst zum Objekt der Kunstgeschichte und ihrer wortreichen Definitionen geworden.

So heißt es über ihn, dass seine grenzüberschreitende Herangehensweise verschiedenste, einander entgegenstehende Ideen, stilistische Traditionen oder Genres aufgreift und adaptiert oder erneuert.

Die Rede ist auch von einer spezifisch poetischen Melancholie, die Welling entwickelt hat, oder beispielsweise einer noblen Traurigkeit der Brown Polaroids. Welling selbst hat seine fotografische Praxis, die seinen Angaben zufolge durch verschiedenste „Stimmen“ heimgesucht wird, einmal mit dem Können eines Bauchredners verglichen: „Als ich die Fotografie entdeckte, wurde mir klar, dass sie das perfekte Medium für einen Bauredner sei. Ich konnte verschiedenen Arten von Bildern meine Stimme leihen; ich konnte in vielen verschiedenen formalen Sprachen sprechen.

Ravenstein 6 (aus der Serie Light Sources, 1977-2005) © James Welling
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