Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Eduard Angeli Das Feuer, 1977 © Eduard Angeli (Detail)

EDUARD ANGELI Große Retrospektive in der Basteihalle

Eduard Angeli Der Palastplatz, 2014 © Eduard Angeli

Einsamkeit, Stille und Melancholie

Es sind Bilder, die den Betrachter mit ihrem Ernst anstecken. Auf weiten Flächen finden sich Motive in gedeckten Farben oder nur mit dem Kohlestift gezeichnet, die in ihrer Reduktion eine Deutung nahezu herausfordern. Sie erinnern an Sequenzen aus Albträumen, an Gegenden, deren Weite man nicht entkommt und an Angst machende Hinterhöfe mit finsteren, unüberwindlichen Mauern. Nebel fällt ein und hemmt den Blick auf den weiteren Verlauf einer Straße und über einer gespenstischen Gegend reißt der Sturm bedrohliche Wolkenfetzen über den Himmel von St. Petersburg.

Eduard Angeli Für ein großes Ziel, 1973 © Eduard Angeli

Eduard Angelis Arbeiten sind einerseits unangenehm zum Anschauen, andererseits aber von einer bestechenden Klarheit in ihrer Komposition, die den Blick fesselt. Albrecht Schröder, Direktor der Albertina, hat es mit drei Wörtern auf den Punkt gebracht: „Einsamkeit, Stille und Melancholie.“ Mit diesen drei Elementen baut Angeli die Welt, wie er sie uns sehen lassen will, als tote, menschenleere Stadt unter schwarzem Himmel, als endlose Wüste, in dessen Sand sich ein Holzprügel von selbst entzündet hat oder als verlassenes Schwimmbecken, das von kreischenden Möwen okkupiert wurde.

 

Bis 25. Juni 2017 ist Eduard Angeli in der Basteihalle der Albertina eine Retrospektive gewidmet, die Werke aus den 1970er-Jahren bis 2014 zeigt.

Es ist immer dieselbe Handschrift, sogar die großen Formate sind in dieser ganzen Zeit ähnlich geblieben. Erinnerungen an Edward Hopper oder Giorgio de Chirico drängen sich auf, aber dennoch ist es die eigenständige Sicht des Künstlers Angeli, der, wie es zur Ausstellung heißt, diese stille Magie konsequent für sich weiter entwickelt hat. Seine Werke sind nicht Zeugnisse dieser sichtbaren Welt, sondern stellen vielmehr das Unsichtbare dar. Landschaften und Städte sind lediglich Allegorien für Stillleben im ursprünglichsten Sinn dieses Begriffes.

Eduard Angeli Die römische Anatomie, 1986 © Eduard Angeli
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