Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


 

Unteres Belvedere, Orangerie und Prunkstall: alles Gold

Anbruch eines neuen Goldenen Zeitalters?

Über Jahrhunderte war das edelste der Metalle verpönt in der Kunst. Nach den goldenen Himmeln des Mittelalters und seinen Heiligenscheinen verschwand es nahezu von der Bildfläche. Es hatte sich auf Rahmen, Säulen und architektonisches Beiwerk zu beschränken. Bis es im Jugendstil und nach kurzer Unterbrechung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein glänzendes, wenngleich auch nicht unumstrittenes Comeback feierte.

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r.g.o.: Walter Schnabl, Schild des Apollon, 2011

r.: Ausstellungsansicht in den Prunkstallungen, 2012 © Belvedere, Wien, Foto: Eva Würdinger

l.o.: Billy Apple, 2 Minuten, 33 Sekunden, 1962

l.u.: Unbekannter Künstler Mumienporträt eines jungen Mannes, um 120–130 n. Chr. Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Staatliche Museen zu Berlin © bpk/Agyptisches Museum und Papyrussammlung, SMB/Georg Niedermeiser

Leiste: Sylvie Fleury Gucci Handcuffs, 2001/02 Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg • Paris © Galerie Thaddaeus Ropac

Titelseite: Alicja Kwade, Kohle, 2006

Dieses Ab und Auf des Goldes im Dienste der Kunst ist Thema einer gigantischen Ausstellung im Unteren Belvedere. 200 Werke von 125 Künstlern, laut Direktorin Agnes Husslein-Arco gut 70% davon Gegenwart, dokumentieren die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten, ergänzt mit Wissenswertem zu den Techniken der Vergoldung, beziehungsweise zur Herstellung von Blattgold, das heute wie ehedem noch archaische Handarbeit und kräftige Muskeln für die schweren Hämmer erfordert.

 

Man sollte vor den Werken so tief wie möglich in die Knie gehen, wird dem Besucher geraten. Mit dem Blick von unten fängt das Gold zum Glänzen an. Leider beschränkt sich der Glanz bei vielen der gezeigten Arbeiten auf das verwendete Metall. Der Rest ist zwar hübsch und nett, von starker Kunst, von Kunst zum Niederknien, aber weit entfernt – trotz des eines bemerkenswerten Aufgebotes an Größen wie Andy Warhol, Hermann Nitsch, Yves Klein oder Franz West.

Nirgendwo sonst ist der Grat zwischen K&K (Kunst und Kitsch) so schmal wie bei Arbeiten mit Gold. Handschellen (Sylvie Fleury: Gucci Handcluffs) bleiben auch im vergoldeten Zustand Handschellen, abgesehen vielleicht vom gehobenen Spaßfaktor veredelter S&M Requisiten. Dass dem Himmel die Huldigung entrissen wird, wenn Porträts von Stars des 20. Jahrhunderts auf Goldgrund gesetzt werden, mag mancherseits religiöse Empfindungen verletzen, macht den so Verehrten aber auch nicht bedeutender und hält vor allem einem Vergleich mit dem Fragment eines Mumienporträts um 120 n. Chr. nur schwerlich stand.


 

Bilderzählungen von Josef Danhauser im Unteren Belvedere

Geschichten zum

Lachen und Weinen

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Das Biedermeier hat als gute, alte Zeit überlebt, mit seiner Zurückgezogenheit im Bürgertum, mit seiner nach außen getragenen Lieblichkeit und mit dem guten Kaiser Franz, der allerdings sein Reich eisern absolutistisch regierte und jeden Funken eines freien Gedankens von der Metternichschen Zensur brutal unterdrücken ließ. Die Künstler egal welchen Genres wussten sich darauf einzurichten. Die meisten von ihnen hatten den offenen Blick und das Ohr für die wachsenden Missstände vor allem im sozialen Bereich. Allein, das Maul war ihnen verstopft. Sie fanden aber alle ihre Wege, mit ihrer Kritik die Meinungswächter zu übertölpeln – etwa Nestroy, Raimund, Waldmüller oder Josef Danhauser (1805-1845).

Josef Danhauser ist ein Meister der bildlichen Erzählung. In seinem Œuvre verlor sich aber mehr und mehr die heroische Vergangenheit und machte der Gegenwart Platz. Freilich – es herrschte gnadenlos das Biedermeier – musste er seine Kritik auf die Mitmenschen beschränken, wie auf dem Gemälde Der reiche Prasser, der sich nur zwei Schritte weiter in Die Klostersuppe als verschämter Bettler findet. Herrlich amüsante Charakterstudien bieten Die Testamentseröffnung oder die zahlreichen Atelierszenen, in denen Danhauser nicht mit Witz und Satire gespart hat. Man darf lachen, hellauf lachen, wenn der Fleischerhund auf der Jagd nach der Katze einen Maler in die Leinwand schleudert, während sich die Gejagte im Hintern des Gehilfen verkrallt.

 

Ein guter Teil der Arbeiten sind blanker Spott. Seine Verbindung zum englischen Maler William Hogarth (The Rake´s Progress) war schon zu Danhausers Lebzeiten bekannt. Es werden in der Ausstellung daher auch die Werke der zwei Künstler gegenüber gestellt. Beider Ziel war die Eitelkeit der Zeitgenossen, die Danhausers Serie Verlegenheiten zeitlose Aufgeblasenheit vermitteln. Josef Danhauser wusste, was er darstellte und hat mit der Verbildlichung der Dummheit keineswegs übertrieben. Die von ihm Verhöhnten entblödeten sich jedoch nicht, sich von seinen Bildern vom Salon für die Ausgestaltung ihrer Prunkräume zum Ankauf der Einrichtung aus der Danhauserschen Möbelfabrik inspirieren zu lassen.

Diesem Maler, der seinerzeit zu den bedeutendsten Künstlern Wiens zählte, ist nun im Unteren Belvedere im Rahmen von Meisterwerke im Fokus eine umfangreiche Schau gewidmet.

An der Wiener Akademie der bildenden Künste war Danhauser zum Historienmaler ausgebildet worden, überwand aber bald den Traditionalismus, legte ihn ab wie ein zu enges Mieder, um gegenwartsfremde Kunst ad absurdum zu führen. Die von ihm aufgegriffenen religiösen und geschichtlichen Themen wurden mit genrehaften Elementen und Anekdoten bereichert – und wer das Auge dafür hatte, wusste, was gemeint war. Es genügt noch heute das genaue Hinschauen auf Gesten und Mienenspiel der Dargestellten, um darin wie in einem Buch lesen zu können.

r.g.o.: Komische Szene im Atelier , 1829, Belvedere, Wien © Belvedere, Wien

r.o.: Der reiche Prasser , 1836, Belvedere, Wien © Belvedere, Wien

o.: Die Giraffe im Zoo , 1828, Wien Museum © Wien Museum

r.u.: Der Augenarzt , 1837, Wien Museum © Wien Museum

l.o.: Die Zeitungsleser , 1840, Belvedere, Wien © Belvedere, Wien

l.u.: Die Schachpartie , 1839, Belvedere, Wien / Leihgabe der Goal Arts Foundation, Freeport, Bahamas © Belvedere, Wien

l.g.u.: Das Kind und seine Welt , 1842, Privatbesitz

Leiste: Die Hundekomödie , 1841, Wien Museum © Wien Museum

Neben diesem lachenden beschert Danhauser dem Betrachter jedoch auch ein weinendes Auge. Im Vordergrund des Bildes „Die Zeitungsleser, zwei Fuhrmänner“ steht ein freudiges Ereignis: Die Schlagzeile einer Zeitung zur Eröffnung eines neuen Teilstücks der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Auf dem selben Bild die traurige Geschichte: Zwei Fuhrleute lesen diese Jubelnachricht mit Entsetzen. Von einem auf den anderen Tag sind sie ihr Gewerbe und damit ihren Lebensunterhalt losgeworden. An ihrer Stelle befördert nun die Bahn alle die Güter, die sie bisher mit ihren Pferdegespannen über die Brünnerstraße transportiert haben.

 

Kritik einzustecken dürfte Danhausers Sache nicht gewesen sein. „Die Hundekomödie“ ist eine wenig sanfte Reaktion auf den Misserfolg einer Ausstellung 1841. Der Maler zog sich daraufhin in noch jungen Jahren aus dem öffentlichen Kunstleben zurück und widmete sich im Schaffen seinen Kindern oder dörflicher Idylle. Aus dieser Periode stammen die Kabinettstücke „Das Kind und seine Welt“ und „Die Weinkoster“ als ungetrübtes biedermeierliches Vergnügen. Zu sehen sind MEISTERWERKE IM FOKUS – Josef Danhauser. Bilderzählungen bis 25. September 2011.

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