Kultur und Wein

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Ausstellungsansicht Tina Blau Foto: © Belvedere, Wien

TINA BLAU Werke einer großen Meisterin im Fokus

Tina Blau, Frühling im Prater, 1882 © Belvedere, Wien

Landschaften, durch die man genussvoll schlendern will

Am 31. Oktober 1916 starb die Malerin Tina Blau. Hundert Jahre später erinnert man sich dieser künstlerischen Ausnahmepersönlichkeit in einer Ausstellung im Oberen Belvedere (bis 9. April 2017). Ihre Bilder sind nicht unbekannt. Sie finden sich regelmäßig in Präsentationen österreichischer Kunst aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es lohnt sich jedoch, einmal den Fokus auf ihre Werke zu richten, ohne von Arbeiten ihrer zumeist männlichen Kollegen abgelenkt zu sein. Denn nur so wird man das Wesen, das Besondere in ihren Bildern entdecken. Faszinierend kraftvoll hat diese Frau Landschaft auf Leinwand oder Holz umgesetzt, ohne jede Schönmalerei und trotzdem von gewaltigem ästhetischem Anspruch.

 

Tina Blau wurde damit zur Ikone ihrer eigenen Frauenbewegung, denn sie war Künstlerin, als dieses Fach noch Männern vorbehalten war.

Tina Blau, Interieur-Stillleben, um 1872 © Privatbesitz, Wien

Als 16jähriges Mädchen unternahm sie bereits Studienreisen nach Böhmen oder Siebenbürgen und schuf ihre ersten großen Landschaftsbilder. Ihr Talent wurde erkannt und erstaunlicherweise gefördert. Von August Schaeffer, dem späteren Direktor des Kunsthistorischen Hofmuseums erhielt sie den Tipp, die Natur vor Ort zu studieren, was für sie als Frau bedeutete, Wind und Wetter ausgesetzt zu sein und alleine, meist mit schwerer Ausrüstung zu reisen; ein für damalige Ansichten unerhörtes Leben für eine Weibsperson, der man bestenfalls zutraute, in der sicheren Umgebung eines Ateliers zu zeichnen und zu malen. Tina Blau war unabhängig und schaffte es, sich mit dem Verkauf eines ihrer Bilder einen Studienaufenthalt in München zu finanzieren. Sie fand Aufnahme in den Künstlerkreisen dieser damals von Kreativität pulsierenden Metropole an der Isar.

Tina Blau, Belvedere, 1895 © Privatbesitz

Wieder zurück in Wien lernte Tina Blau Maler wie Emil Jakob Schindler, Eugen Jettel oder Franz Rumpler kennen, die als Gruppe die in der Wiener Akademie gepflegte Auffassung von Landschaftsmalerei zu überwinden versuchten. Zu diesem revolutionären Kraftakt gehören auch Bilder von den Arbeiten an der Donauregulierung, die von Tina Blau im grellen Sonnenschein gemalt wurden, um die Wirkung der unterschiedlichen Oberflächen in diesen bestimmten Lichtverhältnissen wiederzugeben.

Alles das spiegelt sich in den von Kurator Markus Fellinger für diese Ausstellung zusammengetragenen Gemälden aus allen Schaffensphasen von Tina Blau. Der Star unter den gezeigten Werken ist zweifellos „Frühling im Prater“ aus 1882. Im warmen Licht über teils noch kahlen Bäumen genießen einige wenige Menschen entspannt diesen ersten warmen Tag in der Au.

Die Reisende Tina Blau lädt mit ihren Bildern den Betrachter ein, sie bei ihrer Suche nach Motiven zu begleiten, die sie von der damals noch weitgehend unentdeckten Wachau über die Weiten der Puszta bis ins gleißende Mittagslicht auf dem Forum Romanum verschlagen hat. Zur Ausstellung ist das Buch TINA BALU erschienen, herausgegeben von Agnes Husslein-Arco und Markus Fellinger; als unerlässlicher Guide auf diesen Fahrten einer der ersten großen österreichischen Künstlerinnen.

Tina Blau, Forum Romanum mit Titusbogen, 1979 © Privatbesitz, Courtesy Dorotheum, Wien
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