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Foto © René van Bakel/ASAblanca.com/Edition Lammerhuber

Die Spanische Hofreitschule: 450 Jahre Reitkunst in Vollendung

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Lipizzaner, Pferde mit majestätischem Auftreten und erhabenen Gängen

Als gelernter Österreicher weiß man, dass Lipizzaner weiße Pferde sind, die exzellent Walzer tanzen können. Trotz des Retrolooks ihrer Reiter (mittlerweile auch Reiterinnen) und ihrer Performance, die an das steife Zeremoniell versunkener Kaiserzeiten gemahnt, oder vielleicht gerade deswegen, sind sie unverzichtbarer Ausdruck unseres Nationalbewusstseins. 450 Jahre hinterlassen eben ihre Spuren in einem Volk, das anfangs ehrfürchtig zum Hofe aufschaute, während es bestenfalls die Morgenarbeit der Hofreitschule beobachten konnte, und mit der Wandlung seiner Heimat in eine Republik mit entsprechendem Kleingeld ohne Klassenschranken auch den Galavorführungen beiwohnen durfte. Es hätte genauso gut passieren können, dass man dieses noble Institut im Zuge des Zusammenbruchs der Donaumonarchie als unnötigen Rest eines überwundenen Standesdünkels in der Geschichte entsorgt. Aber Gott sei Dank, nein! Man hat die Hofreitschule ebenso wie den Titel Hofrat, Hofball usw. beibehalten und als wesentlichen Teil in unserer nostalgiebeschwerten Identität verankert.

Foto © René van Bakel/ASAblanca.com/Edition Lammerhuber

Man muss also kein Pferdenarr sein, um sich mit der Spanischen Hofreitschule über 450 Jahre Bestand zu freuen. Unter reger Anteilnahme der Bevölkerung wurde entsprechend gefeiert, und mit Sicherheit haben viele der dort Anwesenden die Pferde zum ersten Mal in ihrem Leben live in Aktion gesehen. Erwacht ist damit möglicherweise auch die Neugier, wie ein derartiges Wunder aus tierischem und menschlichem Zusammenwirken entstehen kann, oder ganz einfach, wie die gezeigten Figuren genannt werden und was die jeweiligen Schwierigkeiten daran sind. In der Edition Lammerhuber ist dazu das passende Buch, ach was! Buch, ein Prachtband erschienen. Elisabeth Gürtler präsentiert darin „ihre“ Hofreitschule mit gewaltigen Fotos von René van Bakel und einer historischen Einführung von Arnim Basche und ihr selber.

Foto © René van Bakel/ASAblanca.com/Edition Lammerhuber

Begonnen hat es 1665 mit 100 Gulden „zur Aufrichtung des Thumblplatz im Garten an der Purkh alhie“. Man weiß nur wenig über die ersten Jahre, abgesehen davon, dass dort Mitglieder der kaiserlichen Familie und deren Entourage im ordentlichen Reiten gedrillt wurden. Unter Kaiser Leopold I. ist von einem „Spanischen Reitstall“ die Rede. Anfang Februar 1683 war der Dachstuhl auf das „zween stöckh“ hohe Gebäude gesetzt, das unten die Reitschule und oben die Hofbibliothek beherbergen sollte.

Erst 1729 befahl Karl VI. den Bau der Winterreitschule im Michaelertrakt der Hofburg. Konzipiert wurde das Gebäude von Johann Bernhard Fischer von Erlach, der gemeinsam mit seinem Sohn Joseph Emanuel ein bauliches Juwel geschaffen hatte, das als schönster Reitsaal der Welt gilt.

 

Die Software, also Pferde und Bereiter, waren stets auch am „Spanischen Tritt“ orientiert. Es wurde großer Wert auf eine äußert qualitätsvolle Zucht gelegt, auf Pferde „mit majestätischem Auftreten und erhabenen Gängen“, die man im Andalusier fand. Ende des 16. Jahrhunderts wird in der Nähe von Triest beim Dörfchen Lipica ein Anwesen gekauft, das über lange Zeit zum Gestüt eben für die Lipizzaner werden sollte. Die Farbe der Pferde war damals noch nicht zwingend weiß. Erst im Laufe der Zeit wurden die berühmten Schimmel daraus, deren Weiß, so erfährt man in diesem Buch, relativ einfach zu züchten ist. Als erblicher Prozess entsteht die Schimmelfarbe übrigens durch eine frühe Vergreisung des Haares, ist hier zu lesen.

Dieser scheinbare genetische Nachteil hat letztlich aber zum weltweiten Ruf der Spanischen Hofreitschule geführt, in der nach 450 Jahren noch höchste Reitkunst gezeigt wird. Dazu noch einmal ein Zitat: Andächtige Stille herrscht, wenn die weißen Hengste im schönsten Reitsaal der Welt im Zwiegespräch mit ihren Reitern die „Schulen auf der Erde“ und die „Schulen über der Erde“ zeigen. Unter anderem also Passage, Piaffe und Pirouette sowie Levade, Courbette und Kapriole vorführen, um schließlich im Ballett der Quadrille durch die Bahn zu schweben.

Foto © René van Bakel/ASAblanca.com/Edition Lammerhuber

Infos zum Buch:

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Glamour, die gewichtige Herrenspende des Opernballs

Kostüme machen Theater

Fotos zu diesem Artikel aus dem Buch Glamour

o.: Annette Beaufaÿs

Warum beim heurigen Opernball (2013) ausgerechnet die Herren mit einem Buch über Opernkostüme beglückt wurden, ist verwunderlich. Vielleicht, weil sie kräftig genug sind, diesen ca. zwei Kilo schweren Bildband zu Garderobe und dann nach Hause zu tragen. Mag sein, dass dadurch so mancher der Ballbesucher auch zu einem Besuch im Haus am Ring angeregt wurde, wenn dort nicht Walzer getanzt, sondern Oper gespielt wird und die abgebildeten Kostüme in ihrem ureigentlichen Umfeld, nämlich auf der Bühne zu bewundern sind.

Lois Lammerhuber, Meister der außergewöhnlichen Fotografie, hat sich in den Werkstätten umgesehen, bei ART FOR ART in Wien, dem Reich von Frau Annette Beaufaÿs. Sie leitet seit 20 Jahren diese Weerkstätten und ist geschätzt für ihr Wissen, ihre Kraft zur Innovation und ihre Kreativität. Mit den Bildern von Lammerhuber betritt man ihre Zauberwelt, in der vom Schuh über das Kleid bis zum Krönlein, vom Entwurf bis zur letzten Naht, der sichtbare Teil einer jeden großen Opernaufführung Wirklichkeit wird.

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