Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Kaktusblüte Ensemble © Anreas Tischler

Die Kaktusblüte – eine amüsant stachelige Kuppelshow

Alexander Jagsch (Dr. Julian Lamprecht), Samantha Steppan (Antonia) © Andreas Tischler

Ein Zahnarzt, dem man die Zähne lachend zeigen darf

Es ist gar nicht so einfach, bis die richtigen Partner beisammen sind, bzw. bis sich die Paare gefunden haben, die Pierre Barrilet & Jean-Pierre Grédy für zueinander passend empfinden. Die beiden französischen Autoren sind diesbezüglich ziemlich konservativ: jung zu jung und reif zu reif. Aber dafür haben sie den Weg dorthin mit Esprit, witzig verpackter Moral und hauchfeiner Erotik unterhaltsam geebnet. Hauptfigur ist ein Zahnarzt, für jeden normal tickenden Zeitgenossen die Garantie für Angstzustände und damit Respektperson. In diesem Fall wird seine mit Bohrgeräuschen die Nerven peinigende Arbeit hinter die Bühne verbannt. Derart von seinen Folterwerkzeugen befreit wird dem Publikum ein gar nicht unsympathischer Mann in den besten Jahren und im weißen Kittel gezeigt, der sogar geliebt werden kann, wie es zahlreiche Damen gerne bestätigen. Dass es diesmal ein junges Ding ist, das sich an ihm verfangen hat, bringt den Guten jedoch zu einer interessanten Auffassung von Wahrheit. Der in Liebesdingen umtriebige Junggeselle erfindet sich neu als Ehemann mit drei Kindern.

Alexander Jagsch (Dr. Julian Lamprecht), Kristina Sprenger (Stephanie) © Andreas Tischler

Mit diesem offenen Geständnis beeindruckt er seine ehrlichkeitsliebende Flamme gewaltig. Als die Sache doch anders läuft als Herr Doktor geplant hat, lässt sich allmählich die Realität hinter der Fiktion nicht mehr verbergen, mit dem biederen Ergebnis: Zur Jungen gesellt sich ein Junger und der nunmehr wieder zum Solisten mutierte Weiberheld greift sich in seiner Not die treue Vorzimmerdame.

 

Die Festspiele Berndorf haben diese 1969 bereits als Film erfolgreiche Komödie über die Jahrzehnte ihrer Entstehung im Sommer 2016 behutsam auf die Bühne gestellt. Behutsam deswegen, weil man ihr den Charme der 1960er-Jahre belassen und statt gewaltsamer Modernisierung auf eine ansprechende Zeitreise gesetzt hat. Die von Regisseur Martin Gesslbauer geschaffene Bühne lässt sich wie ein Bilderbuch umblättern und (fast) wie in einem großen Theater drehen. Der Szenenwechsel wird damit zu einem bereichernden Element dieser Inszenierung, da man im Vorbeidrehen immer wieder auch Heinz Jiras zu Gesicht bekommt, der mit seinem Akkordeon in der Bar und auch sonst musikalisch für Stimmung sorgt.

 

Alexander Jagsch braucht als Dr. Julian Lamprecht erst die Kopfwäsche der jungen Antonia Wiedemann (Samantha Steppan), um den eigentlichen Schatz, eben die Kaktusblüte, in seinem Vorzimmer zu erkennen. Intendantin Kristina Sprenger geizt als Stephanie Sendlinger gekonnt mit ihren Reizen, außer in einer Bar, in der sie dem jungen Igor (Ben Marecek) näherkommt als ihrem Chef lieb ist. Robert Kolar spielt den Schauspieler Norbert Wolf mit informativer Offenheit über seinen Beruf und erteilt seiner gekonnt lispelnden Rosemarie (Rita Hatzmann) Sprechunterricht.

Reinhold G. Moritz als Italienisch schmachtender Silvio Botenzi prallt an Stephanie ebenso ab wie die nicht weniger willige Dame Ludmilla Meyer-Mittenwald (Nora Miedler) an Dr. Lamprecht. Dass zwischen den Paaren, nachdem sie sich gefunden haben, nicht die rechte Kussstimmung aufkommen will, mag am stacheligen Thema liegen, zumindest hat man den Eindruck, wenn Igor und Antonia gleichwie Julian und Stephanie eine ganze Weile brauchen, um ihre eigene Kaktushaut mit der des jeweils anderen umarmend zu reiben.

Alexander Jagsch,  Reinhold G. Moritz, Kristina Sprenger, Robert Kolar © Andreas Tischler

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