Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Manuel Witting (Bill) © Mona Fellner

EIN TRAUM VON HOCHZEIT schwungvoll ausgeträumt

Kristina Sprenger (Julie), Manuel Witting (Bill), Thomas Weissengruber (Tom) © Mona Fellner

Julie oder Judy, das ist hier die Frage

Alles ist bestens vorbereitet. Die Hochzeitssuite und das Junggesellenzimmer für den Polterabend im Hotel sind gebucht. Der Bräutigam hat sich vom ledigen Stand mit einem mordsdrum Rausch verabschiedet und die Braut hat mit ihrer Mama verabredet, in der Suite das Hochzeitskleid zu probieren. Also alles, wie es sich gehört, wenn zwei junge Menschen einander das Ja-Wort fürs Leben geben wollen. Würde nun alles seine geregelten Bahnen gehen, wäre es keine Komödie, sondern bestenfalls ein dickes Fotoalbum oder heutzutage ein prall mit Bildern gefülltes Facebook-Account. Aber das Schicksal will es anders, als sich die Beteiligten das Ganze vorgestellt haben. Robin Hawdon hat, eigentlich ganz untypisch für einen Briten, französische Leichtigkeit in Liebesdingen zum Hauptdarsteller in dieser Komödie gemacht und einem gerade für Männer todernsten Thema wie dem Heiraten dieses turbulente Tür auf, Tür zu! verpasst. Übersetzt hat den mit prasselnden Pointen gefüllten Text aus dem Englischen der deutsche Theatermann Horst Johanning.

Pia Strauss (Judy), Manuel Witting (Bill) © Mona Fellner

Der für solche Komik ideale Regisseur ist zweifellos Andreas Steppan. Er hat für die Festspiele Berndorf „Ein Traum von Hochzeit“ auf die Bühne des Stadttheaters, weiland Kaiser-Franz-Joseph-Theater, erbaut von Arthur Krupp 1897/98, ohne jeden Respekt vor der Würde des Hauses mit Witz und Schwung inszeniert. Für die Bühne konnte er Martin Gesslbauer gewinnen, einen Profi, wenn es darum geht, mit einfachsten Mitteln große Wirkung zu erzielen. Fünf Türen und ein Fenster, hinter dem bedrohlich eine Krähe krächzt, schaffen zwei Räume.

In diesen können sich die Beteiligten wenn nötig verstecken, um immer dann sichtbar zu werden, wenn es gerade dem Stücks den nächsten Kick an Lustigkeit zu verpassen gilt. Der riesige Bildschirm, auf dem ein witziger Vor- und Nachspann die Zuschauer unterhält, ist beinahe schon Luxus. Aber gerade im Moment, wo er hochgehoben wird, zeigt das Theater seine wahre Größe, denn der Screen verschwindet trotz seiner beachtlichen Ausmaße zur Gänze im Schnürboden.

Catherine Oborny (Rachel), Kristina Sprenger (Julie) © Mona Fellner

Über die Handlung soll an dieser Stelle nichts verraten werden, es wäre schade um die Gags, wenn man sie voreilig ausplaudert. Nur so viel: Es geht um die Frage, wer ist Julie und wer ist Judy. Die eine ist das aufgeweckte Zimmermädchen (Intendantin Kristina Sprenger herself), die andere die alles entscheidende Dame aus englischen Landen (Pia Strauss). Da aber Tom (Thomas Weissengruber), der designierte Trauzeuge und bis dahin Freund von Judy die Julie zwangsläufig als Judy ausgeben muss, um seinem Freund Bill (Manuel Witting) den Hochzeitstag zu retten, gerät das gutbürgerliche Gefüge einigermaßen in Unordnung.

Rachel, die sanfte Braut (Catherine Oborny) darf auf die Umsicht ihrer virtuos Breithut tragenden Mutter Daphne (Dagmar Kutzenberger) bezüglich der Länge ihrs Brautkleids vertrauen. Die beiden Damen haben allerdings keine Ahnung vom wahren Geschehen, das erst der sehenswert resolute Einsatz des Hoteldirektors DuPont (Robert Kolar) ans Tageslicht bringt. Sie alle sind wunderbare Komödianten, die zwar nicht den Sinn einer Traumhochzeit, dafür aber umso mehr Lachen vermitteln können.

Dagmar Kutzenberger (Daphne), Robert Kolar (DuPont) © Mona Fellner

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