Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Reinhard Hauser © Rolf Bock

METTERNICH Erinnerungen eines bislang Unbekannten

Reinhard Hauser © Rolf Bock

Philosoph, Friedenspolitiker, moderner Unternehmer, Frauenrechtler und Tierschützer

Reinhard Hauser, Schauspieler, Regisseur und Theaterautor, hat sich mit großem Einsatz und voller Bewunderung einer höchst umstrittenen historischen Gestalt angenommen. Klemens Wenzel Lothar von Metternich hat in der österreichischen Politik in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wohl die bedeutendste Rolle von allen gespielt, vor den Vertretern des Kaiserhauses und dem Hochadel, der stets gerne mitgemischt hat, wenn es um die Erweiterung seiner Macht ging. Er hat die Grenzen auf der europäischen Landkarte neu gezeichnet und mit seinem Verhandlungsgeschick beim Wiener Kongress nach den Napoleonischen Wirren tatsächlich eine über mehrere Jahrzehnte dauernde Friedensperiode eingeleitet. In breiter Erinnerung ist Metternich jedoch durch seinen Überwachungsstaat geblieben, durch sein gnadenloses System der Bespitzelung mit dem Biedermeier im Gefolge, dem Rückzug aus der Öffentlichkeit in die eigenen vier Wände. Sein vorläufiges Ende fand es erst mit der Revolution 1848 und der Vertreibung Metternichs.

Reinhard Hauser © Rolf Bock

Dass dadurch viele seiner unbestrittenen Verdienste und vor allem eine erstaunliche Aufgeschlossenheit allem Neuen gegenüber in Vergessenheit geraten sind, verwundert kaum.

 

Was wohl Nestroy, der wegen seiner frechen Couplets und zu wenig gut versteckter Kritik am System sogar mehrfach im Gefängnis war, zu diesem Theaterstück von Reinhard Hauser, zu dieser Verbeugung vor seinem „Lieblingsfeind“ gesagt hätte?! Es handelt sich um eine bedingungslose Rehabilitierung Metternichs. Hauser gibt dem Staatsmann die Möglichkeit, sich als die große Persönlichkeit darzustellen, die er zweifellos war. Ehrenstein hat umfangreiche Recherchen durchgeführt, die von Hauser in einen Monolog gegossen wurden und als Solo gespielt werden. Es kommen Fakten zutage, die man im Zusammenhang mit diesem Mann nie vermutet hätte. Er war ein unbedingter Verfechter des Friedens, der den Nationalismus als die eigentliche Crux erkannt hatte. Zu Aufklärung hatte Metternich ein seltsam gespaltenes Verhältnis, da er Rousseau und Voltaire vehement ablehnte, aber sein eigenes Wirken nach genau diesen Maximen ausgerichtet hat. Er war fortschrittlicher Unternehmer mit genauer Buchführung und Landwirt auf seinen eigenen Gütern, der sogar Wein in damals undenkbarer Weise sortenrein kelterte.

Die Bauern auf seinen Gütern hielt er zu Schule und Bildung an. Den Frauen und der Familie ist ein guter Teil des Stücks gewidmet. Metternich war demzufolge kein Verächter von Liebschaften, aber er war der Überzeugung, dass die Weiblichkeit wesentlich bessere Politiker hervorbrächte als seine Geschlechtsgenossen. Er hasste die Jagd und hatte sogar das Aufstellen von Mausefallen in seinen Schlössern verboten. Er war also ein früher Tierschützer, als davon noch längst keine Rede war. Er weiß sich als Restaurator Europas, der das Heil ausschließlich in einer friedlichen „Vernunftpolitik“ der Nationen sah, war also ein früher Europäer von heutigem Zuschnitt. Freiheit bedeutete für ihn jedoch, sich – und er meinte damit auch die anderen – die engsten Grenzen zu setzen. Das mag auch den Vormärz, von dem in diesem Plädoyer für Metternich leider überhaupt nicht die Rede ist, erklären. Wie immer, es wird zumindest die Frage aufgeworfen, ob der Mann, der auch im Stück immer wieder über seine eigene Vergangenheit stolpert, nicht doch ein besseres Andenken der Nachwelt verdient hätte.

Rainhard Hauser © Rolf Bock
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