Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


 

EVITA UND JUAN PERÓN Die Geschichte eines Powerpaares

Michaela Ehrenstein (Evita), René Rumpld (Juan) © Rolf Bock

Keine Idealisierung, es geht um die realistische Sicht

Der Museumsangestellte kann über das Musical Evita nur lachen. Er weiß es besser, was diese Frau für ein Mensch gewesen ist. Obwohl noch alle Bilder und der Schreibtisch unter weißen Tüchern verborgen sind, lässt er eine Besucherin in das Museum von Evita Perón ein. Während er den Boden aufwischt und nach und nach Fotos und Gemälde von Eva und ihrem Mann Juan enthüllt, ergibt sich genug Gelegenheit, der deutsch sprechenden Verehrerin von Evita seine Sicht von dieser zweifellos außergewöhnlichen Frau zu erklären. Sie wurde idealisiert und ein Star, dessen Mythos noch lange nach dessen Tod weiterlebt. So etwas ist dem guten Mann zuwider, und trotzdem ist er irritiert, dass diese ihm anfangs lästige Besucherin eine unglaubliche Ähnlichkeit mit eben dieser Eva hat, deren Museum er betreut. Damit ist es naheliegend, dass beide Darsteller in die Rollen der beiden Helden des Stücks „Eva und Juan Perón“ schlüpfen und das gemeinsame Leben, diese Romanze der Macht, dem Publikum erzählen.

Michaela Ehrenstein (Eva), René Rumpold (Juan) © Rolf Bock

René Rumpold ist gleichzeitig Autor dieser Biografie und Hauptdarsteller in den beiden männlichen Rollen. Michaela Ehrenstein, Prinzipalin der Freien Bühne Wieden, schaut, ohne ihr schmeicheln zu wollen, der echten Evita wirklich ähnlich. Es ist nach Melina Mercouri die zweite große Frauengestalt, der sie sich als Schauspielerin nähert. Beide Figuren wechseln elastisch zwischen den zwei Zeitebenen und geben damit kurzweiligen Geschichtsunterricht. Die sparsame Regie von Vera Bernhauser trägt das ihre dazu bei, die Zuschauer allein mit den Texten bei der Stange zu halten.

Auf aufwändige Projektionen wird, abgesehen von einigen akustischen Originaleinspielungen, verzichtet, die Ausstattung beschränkt sich auf die Bilder an der Wand und auf den Schreibtisch, dessen nobler Sessel raffiniert dazu eingesetzt wird, die jeweiligen internen Machtkämpfe zwischen Eva und ihrem Mann klarzumachen. Wer darauf sitzt, hat im Moment das Sagen, wie immer bei zwei gleich starken Persönlichkeiten, die es geschafft haben, trotz ihrer menschlichen Unzulänglichkeiten unsterblich zu werden.

Michaela Ehrenstein als Besucherin des Museums © Rolf Bock
Freie Bühne Wieden Logo 350

Statistik