Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Das Gloria-Theater weihnachtlich geschmückt

DIE NERVENSÄGE Kein Abend für schwache Nerven

Andreas Steppan, Gerald Pichowetz © Gloria Theater

Zum totlachen:

Berufskiller rettet Selbstmordkandidaten

Das Unheil nimmt in dem Moment seinen Lauf, als die Hoteldirektorin Isabella Bruckner (Elisabeth Osterberger) die Verbindungstür zwischen zwei Zimmern öffnet. In dem einen logiert Martin „Müller“ (Andreas Steppan). Sein Auftrag lautet auf Liquidierung eines Kronzeugen, bevor dieser das gegenüberliegende Gerichtsgebäude zwecks Aussage betreten kann. Im Raum daneben versucht sich gerade der Fotograf Herbert Steinofner (Gerald Pichowetz) zu erhängen. Mit dem Strick will er sich dem Unglück entziehen, das ihm seine untreue Gattin Louise (Angelika Zoidl mit charmantem französischen Akzent) beschert hat. Seines smarten Nachbars ansichtig, wird der lebensmüde Steinofner jedoch umgehend zur Nervensäge und spannt diesen für den Rest verbliebener Hoffnung auf die Rückkehr seiner Gattin ein. Er beschwört damit eine herrlich groteske Situation herauf, in dem der Killer nolens volens zum Lebensretter wird und dabei selbst in ärgste Kalamitäten gerät. Erstens hält ihn der Liebhaber von Lousie, ein gewisser DDr. Arthur Arthur (Mark Mayr erweist sich als Akrobat im Bodenturnen), für deren Ehemann.

Elisabeth Osterberger, Gerald Pichowetz © Gloria Theater

In seiner Eigenschaft als Arzt verpasst er ihm eine Spritze, die den sonst überaus coolen Gangster erheblich zum Zittern bringt und ihn damit, wie dieser selbst grantig feststellt, wie Otto Schenk reden lässt. Zweitens taucht eine resche Polizistin (Lisa-Lena Tritscher) auf, die „Müller“ jedoch entwaffnen und in den Kleiderschrank sperren kann. Ob sein Auftrag trotz aller Widrigkeiten gelingt, wird hier natürlich nicht verraten. Nur so viel, es macht ungemein Spaß, den Protagonisten zwei Stunden lang beim hemmungslosen, aber gekonnten Blödeln zuzuschauen.

 

Der Franzose Françis Veber hat mit diesem Stück einen Klassiker des Boulevards geschrieben, der mit Walter Matthau und Jack Lemmon unter dem Titel „Buddy, Buddy“ zum Welterfolg wurde. Steppan und Pichowetz schaffen es jedoch, sich von diesen übermächtigen Vorbildern zu lösen und ihre Rollen mit eigener Persönlichkeit zu erfüllen.

Slapstick wird erfrischend wienerisch, wenngleich der Text von Dieter Hallervorden ins Deutsche übersetzt wurde. Einen guten Teil trägt dazu auch die von Robert Notsch gestaltete Bühne bei. Der Zuschauer erlebt in einem der billig eingerichteten Hotels mit den bekannt teuren Preisen einen sehenswerten Kampf ums Überleben mit spektakulären Fensterstürzen, die jedoch dank unsichtbar bleibender Stunts wie Fassadenklettern alle Darsteller immer wieder auf der Bühne des Gloria Theaters vereint.

Lisa-Lena Tritscher, Andreas Steppan © Gloria Theater
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