Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Waltraut Haas, Gerald Pichowetz © Gloria Theater

DER HIMMEL AUF ERDEN und Waltraut Haas im Gloria Theater

Klemens Dellacher, Lisa-Lena Tritscher © Gloria Theater

Liebenswürdige Schwindler, ein grantiger Wirt und eine noble Erbtante

Vielleicht kennt noch jemand den Film, wenn nicht, ist´s auch keine Schande. 1935 wurde das Theaterstück „Der Himmel auf Erden“ verfilmt. Es spielt in der wunderbaren Zeit, als noch Operetten komponiert wurden, um die Menschen wenigstens für einen Abend lang das Elend dieser Tage vergessen zu lassen. Die einzig wirklichen Probleme, die in diesem Stück vorkommen, sind doch sehr leicht zu überwinden. Es genügt, dass geheiratet wird bzw. der richtige Walzer für die neue Operette komponiert wird. Der Heiratskandidat ist ein fescher Gutsbesitzer und der Komponist durchaus talentiert, jedoch erst auf dem Weg zu großem Ruhm und Geld. Dazu kommen ein der Kunst wenig zugetaner Schwiegervater und eine noble Erbtante. All das sind Ingredienzien, die sich damals wie heute zu einer schönen Portion schmackhafter Unterhaltung zubereiten lassen. Wenn als Würze neben ausreichend Humor noch ein guter Schuss Nostalgie eingerührt wird, steht auch in unseren Tagen einem exzellenten Diner mit feinster Komödie nichts mehr im Wege.

René Rumpold, Roswitha Straka © Gloria Theater

Angerichtet wird im Gloria Theater, wo einmal mehr Lachen garantiert ist, verbunden mit grenzenloser Bewunderung vor einer der ganz Großen aus Film und Bühne, mit keiner Geringeren als Waltraut Haas. Als Erbtante Adele von Ebenau besteht sie darauf, dass ihr Neffe Andreas Messner (Klemens Dellacher), seines Zeichens Gutsbesitzer in Tirol, verheiratet ist, bevor er im Testament mit ihrem Vermögen bedacht wird. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen. In seiner Not wendet er sich an seinen Freund Paul Baier (René Rumpold), ihm doch mit einer Frau aus der Patsche zu helfen. Paul ist aber bereits glücklich mit Karoline (Roswitha Straka) verbunden und kann gerade noch mit der Telefonnummer einer angehenden Schauspielerin aufwarten.

Flora Floretti (Lisa-Lena Tritscher), mit bürgerlichem Namen Pospischil, ist diesbezüglich zwar ambitioniert, jedoch aus Gründen des Auskommens als Klingelfee, sprich, Telefonistin, beschäftigt. Paul braucht seinerseits die Hilfe von Andreas. Sein Schwiegervater Josef Lämmermayer ist Wirt zu Salzburg, dem Gerald Pichowetz die authentische Persönlichkeit samt entsprechender Fülle eines gestandenen Gastronomen verleiht. Mit einem brotlosen Komponisten kann er sich halt wenig anfangen.

Gerhard Huber, Markus Mitterhuber © Gloria Theater

Lämmermayer hat der Hochzeit nur zugestimmt, da ihm die jungen Leute vorgeschwindelt haben, Paul sei Gutsbesitzer. In seiner Not kauft dieser Eier und Schinken auf dem Naschmarkt, schickt diese per Post nach Gut Ebenau, wo sie Andreas als ländliche Spezialitäten nach Salzburg weiterliefert. Es kommt wie es kommen muss, der Schwindel fliegt auf, nicht zuletzt durch das Erscheinen des fast unheimlich echt gespielten Theaterdirektors Emil Geyer (Markus Mitterhuber) und die Aufklärungsarbeit des ständig besoffenen Hausknechts Sepp (Gerhard Huber).

Aber bis es so weit ist, gibt es noch ein turbulentes Tür auf, Tür zu, in dem die Gags nur so prasseln und Schlager von einst für kurzzeitige Entspannung der Bauchmuskeln sorgen. Robert Notsch hat dazu die opulente Bühne geschaffen: einen gemütlichen Gastgarten in Salzburg, eine nette Wohnung in Wien, den Gutshof in Tirol und als Transportmittel zwischen diesen Schauplätzen ein Zugabteil, in dem Haas und Pichowetz als wahrhaft ungleiche Reisegefährten Komik vom Feinsten ausspielen.

Klemens Dellacher, René Rumpold © Gloria Theater
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