Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Tezak Zeltmuster - Raimundspiele © Edgar Tezak / www.raimundspiele.at

Der Diamant des Geisterkönigs goldig wienerisch gefasst

Der Diamant des Zauberkönigs Ensemble © Joachim Kern

Einige Vierteljahrtausend im schönsten Bund mit den Geistern

Ferdinand Raimund hat seinerzeit den Wienern eine Welt eröffnet, die voll war von einem turbulenten Treiben der Geister. Übernatürliche wie Feenkönige, Zauberer und Genien haben, so scheint´s, keineswegs ausgedient, man braucht nur auf den gegenwärtigen Hype um kleine Monster namens Pokémon zu schauen. Die trockene Realität war damals wie heute den Menschen zu wenig. Die Fantasie ist ständig auf der Suche nach dem Reich der Wunder, das der Mühsal unseres irdischen Daseins die Hoffung auf unerwartete Besserung verleiht. 1824 wurde die Zauberposse „Der Diamant des Zauberkönigs“ im Theater in der Leopoldstadt uraufgeführt und hat seither nichts von ihrem darin beschworenen Zauber verloren. Wer möchte nicht sein Schicksal einem Longimanus in die Hände legen, um von ihm den schönsten Diamanten der Welt überreicht zu bekommen, einen treuen Diener wie Florian Waschblau in den gefährlichsten Situationen zur Seite zu haben und von einer schönen Hoffnung sicher durch alle Wirrnisse geleitet zu werden.

Karl Ferdinand Kratzl (Longimanus), Matthias Mamedof (Florian) © Joachim Kern

In dieser wundersamen Gesellschaft verlieren allgegenwärtige Katastrophen zumindest für zwei Stunden ihren Schrecken. Zumindest bis zur nächsten Nachrichtensendung werden daraus niedliche Pokémons, die man mit dem Handy einfangen und unschädlich machen kann.

klezmer reloaded mit einer Elfe © Joachim Kern

Ein Lieblingsort der von Raimund geschaffenen Geister ist selbstredend Gutenstein, das mit dem Weh der Seele erkorene Refugium des Großmeisters des Alt-Wiener Volkstheaters. Man dankt es ihm mit Festspielen, die das Andenken des andernorts zu unrecht vergessenen Magiers leicht zugänglicher Theaterkunst hochhalten. Andrea Eckert hat im ersten Jahr ihrer Intendanz dem Diamanten eine ihm würdige Fassung gegeben. Der Brillant hat Feuer und glänzt goldig wie ein Wienerherz.

Für die Verkörperung der dies- und jenseitigen Gestalten wurde eine ansprechende Besetzung gefunden und in der Inszenierung von unnötigen Hinweisen auf die dem Stück ohnehin innewohnende Aktualität dankenswerter Weise Abstand genommen. Es genügen zwei Musiker (klezmer reloaded), die mit Akkordeon und Klarinette für stets passende Stimmungsmusik sorgen, und eine Bühne (Eva Maria Schwenkel), die drinnen das Versprechen des außen zauberisch bemalten Zeltes (Edgar Tezak) erfüllen.

Im Feenreich wird Wienerisch gesprochen, wenn Karl Ferdinand Kratzl als Zauberkönig Longimanus, unterstützt von seinem dem Geist aus der Flasche zugetanenen Adlatus Pamphilius (Alexandra-Maria Timmel), leutselig durchs Geschehen webt. Sein einziges Problem dürfte der Regen in der Tuchent seines Wolkenbettes sein, alles andere lässt sich mit einem einfachen Hokuspokus zum Besseren wenden. Ein von ihm protegierter Magier (Christoph Moosbrugger) hat von Anfang an tot zu sein, um dazwischen doch immer wieder zu erwachen und rätselhafte Sätze wie „Ich bin der Vater Zephises und habe nichts zu sagen als dieses...“ von sich zu geben. Alexander Meile geht als dessen Sohn Eduard auf die Suche nach dem Diamanten und überführt auf seinem Weg dorthin das halbe Publikum der Lüge. Wem er auch die Hand schüttelt, bei jedem einzelnen reißt und zwickt es den armen Florian (trotz kleiner Statur ein großer Komödiant: Matthias Mamedof) ganz fürchterlich. Nur wenn jemand noch nie gelogen hat, dann geht´s dem Diener gut.

Karl Ferdinand Kratzl (Longimanus), Mariandel (Annette Isabella Holzmann) © Joachim Kern

Aber bis die grundehrliche Amine (Lisa Weidenmüller) endlich gefunden ist, hat Florian noch genug zu leiden. Er wird sogar in einen Pudel verwandelt und pinkelt dem Zauberkönig ungeniert an den Tisch. Ein großartiger Regieeinfall, weil zutiefst rührend, ist der Schluss. Das im Laufe der Zauberjahre gealterte Mariandel (Annette Isabella Holzmann) schiebt apathisch einen Besen über die Bühne, vorbei an ihrem Florian. Sie hat die Hoffnung (hier personifiziert durch Andrea Eckert, die sogar in der Ansage, dass die Vorstellung gleich beginnt, das erotische Timbre ihrer Stimme anklingen lässt) auf ein Wiedersehen aufgegeben, bis zum letzten, mit Spannung erwarteten Moment, wenn sie endlich ihren Liebsten erkennt: „Florian!“

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