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Der Alpenkönig und der Menschenfein Ensemble © Joachim Kern

DER ALPENKÖNIG UND DER MENSCHENFEIND Zauberhafte Crash-Therapie

Andrea Eckert © Joachim Kern

Schön wär´s einmal zu wissen, wer man wirklich ist

Ferdinand Raimund lässt das Publikum nicht im Unklaren, warum dieser Herr Rappelkopf zum Menschenfeind geworden ist. Er ist hint´ und vorn betrogen worden. Bei diesem Kerl haben sich jedoch an sich gesundes Misstrauen und die natürliche Ablehnung unguter Zeitgenossen zu einer schlimmen Neurose ausgewachsen. Rappelkopf ist ein pathologischer Fall und bräuchte dringend eine Therapie. Das Zusammenleben mit ihm ist längst unerträglich. Er brüllt in der Gegend herum, quält das Personal und verdächtigt sogar seine Liebsten, ihm nach dem Leben zu trachten. Dabei findet er wie jeder diesbezüglich Erkrankte jede Menge Indizien, die seine krausen Annahmen verstärken. In diesem Fall ist es ein Messer in der Hand des Dieners Habakuk. Es ist dem tobenden Rappelkopf nicht einzureden, dass der brave Mann damit nur Zichorien für den Kaffee ausstechen sollte.

Matthias Mamedof © Joachim Kern

Einen Therapeuten wie den Alpenkönig gibt´s jedoch nur in Raimunds Zauberreich. Man wünschte sich, so mancher Rappelkopf, von denen es heutzutage eine ganze Menge gibt, noch dazu solche, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, ließe sich mit einer schmerzhaften Rosskur, wie sie ihm der Alpenkönig angedeihen lässt, heilen und das Tor zur Selbsterkenntnis aufstoßen. Aber leider, das Reich der guten Feen und Zauberer ist in den Tiefen der Fantasie verschwunden und wird lediglich bei Aufführungen dieser wunderbaren Zauberspiele wieder beschworen.

Matthias Mamedof, Andrea Eckert © Joachim Kern

Andrea Eckert, die Prinzipalin der Raimundspiele Gutenstein, hat mit "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" auf eines der erfolgreichsten Stücke von Ferdinand Raimund gesetzt. Es hat sich längst herumgesprochen, dass gerade in dieser Biedermeiergegend der Geist des großen Bühnenautors lebendiger ist als anderswo. In der Inszenierung von Emmy Werner darf man sich um die bald 200 Jahre seit der Uraufführung 1828 zurückfallen lassen und die Romantik dieses Zauberspiels genießen.

Abgesehen von ein paar Modernismen wie einen Wohnwagen, ein Fahrzeug von einem Autodrom und die musikalische Begleitung der Lieder mit gekonnt schrägen Klängen (Heimo Trixner und Lubomir Gospodinov) wurde diesem Stück so ziemlich alles in der Zeit seiner Entstehung belassen. Man kann sich vorstellen, dass es Raimund nicht einmal gestört hätte, dass sein Astragalus von einer Frau gespielt wird. Andrea Eckert persönlich hat sich diese Rolle angeeignet und lässt als Alpenkönig so richtig den coolen Herrscher hochalpiner Einswelten heraushängen. Als Rappelkopfs Doppelgänger findet sie jedoch nicht so recht die Grenzen. Wie es der zum Schwager Silberkern verwandelte Rappelkopf in einem treffenden Statement ausdrückt: „Der übertreibt!“, zappelt und hüpft sie wie ein hyperaktiver Hampelmann.

Eduard Wildner © Joachim Kern

Ein rotes Tuch ist für Rappelkopf der Maler August Dorn. Der junge Mann untersteht sich, seine Tochter Malchen (Tanja Raunig als ganz liebes Mädchen) zu lieben und kann nichts als ein wenig Talent in der Malerei vorweisen. Dabei gibt gerade Stefan Rosenthal einen so netten Burschen, den doch keiner als Schwiegersohn ablehnen könnte. Der Umstand, dass er Künstler ist und eventuell brotlos, ist beileibe noch kein Grund, einer solchen Verbindung nicht zuzustimmen.

In der Mutter von Malchen (Annette Isabella Holzmann als Sophie) hat August eine Verbündete. Diese arme Frau liebt ihren verrückten Gatten trotz seiner Exzesse und sorgt für eine ungemein rührende Szene, wenn sie ihm ein Sträußchen Wiesenblumen bringt, das er jedoch wütend zu Boden schmeißt.

 

Die beiden Bedienten sind Anita Kolbert als eine recht goscherte Lise und Eduard Wildner als reizender Habakuk. Man spürt förmlich das Vergnügen und die Erleichterung, wenn er nach striktem Verbot endlich wieder sagen kann, dass er zwei Jahr´ in Paris gewesen ist.

Der eine, der ihm diese harmlose Angeberei untersagt hat, ist sein alles andere als gnädiger Herr. Rappelkopf Matthias Mamedof holt virtuos alle Feinheiten aus dieser groben Rolle. Er macht in vielen Nuancen verständlich, was einen solchen Menschen quält, dem nur mehr der Hass auf alle anderen als Ausweg aus der eigenen Hilflosigkeit bleibt, und ist dabei dennoch immer so dezent komisch, dass man versteht, warum seine Umwelt ihn trotz allem mag. Einen solchen Rappelkopf muss man einfach lieben.

Stefan Rosenthal © Joachim Kern
Raimundspiele Gutenstein

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