Burgstars aus zwei Jahrhunderten in der Hermesvilla
Reminiszenzen an kultische Theaterzeiten
Als die Welt noch kleiner war und in ihrer Größe überschaubar, wurden Burgschauspieler gefeiert wie heutzutage Stars aus Hollywood. Von Schusterbub und Wäschermädel aufwärts wurden sie innig geliebt, bedingungslos verehrt in höchsten Kreisen der Gesellschaft und von allen zusammen jede ihrer Rollen mit heißem Interesse verfolgt. Die Damen und Herren des „Teutschen Nationaltheaters“ (1776), später des Burgtheaters, setzten Maßstäbe in der Interpretation klassischer Dramen-Charaktere und waren bis in jüngste Zeit Garanten für Sprechkultur (Stichwort: Burgtheaterdeutsch).
Einige der großen Namen haben ihren Nimbus bis heute bewahrt, zum Beispiel Josef Kainz, Attila Hörbiger, Rosa Albach-Retty oder Katharina Schratt, die dem Kaiser persönlich Gesellschaft leisten durfte. Die meisten anderen trifft jedoch das übliche Schicksal aller Mimen, denen die Nachwelt keine Kränze flicht. Hätte beispielsweise nicht ein Meister wie Hans Makart die große Tragödin Charlotte Walter in der unvergleichlichen Pose der „Messalina“ porträtiert und damit eines seiner bekanntesten Gemälde geschaffen, sie wäre bestenfalls ein Kapitel österreichischer Theaterwissenschaft.
Der ursprüngliche Auftrag, die bedeutendsten „Nationalschauspieler“ für sein Theater zu porträtieren, stammt von Kaiser Joseph II., der damit eine Tradition einleitete, die über 230 Jahre lang gepflogen wurde. Da nach und nach nicht nur die Burgschauspieler, sondern auch die Burg selbst weniger an Ansehen als an öffentlichem Interesse verloren haben, stagnierte die Lust am Porträtieren. Erst 2006 erfolgte nach längerer Unterbrechung ein Neustart, für den zeitgenössische Künstler beauftragt wurden (z.B.: Elke Krystofek – Kirsten Dene, 2006, Lucy McKenzie – Birgit Minichmayr, 2008)
Diese Bilder aus der „Ehrengalerie“ bespielen nun unter dem Titel „Burg Stars. 200 Jahre Theaterkult“ bis 4. November 2012 als Hauptdarsteller die elegante Bühne namens Hermesvilla, umgeben von Chargen und Komparsen wie Porträts und Objekten aus der Sammlung des Wien Museums: Gemälde, Totenmasken, Erinnerungsgegenstände und Büsten. Begleitet wird der Besucher von ausgezeichneten Saaltexten und von Zitaten, die den Glanz einer langsam schwindenden Ära widerspiegeln. So vermerkt die Theaterzeitung 1821 bewundernd kritisch: In Wien spielen gewisse Schauspieler völlig für ihre Götzen in Parterre und Loge…