Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Peter Masch, Nicole Lockere © Il vero teatro

TODESFALLE Ein wahrer Theater-Thriller

Peter Masch, Nicole Locker © Il vero teatro

Nur ja keine Wahrsagerin als Nachbarin

Für einen Schriftsteller dürfte es wohl das Schlimmste sein, wenn ihm nichts mehr einfällt. Schreibblockaden sind der Literaturgeschichte von den Größten dieses Genres bekannt. Man darf sich also nicht wundern, wenn so einer, ein einst Gefeierter, auf die dümmsten Gedanken kommt, vor allem, wenn er einen Schüler erleben muss, der frisch fröhlich die besten Geschichten in die Tasten hämmert. Neid ist eine der Todsünden und kann durchaus tödlich sein, nämlich für den anderen, dem für seine Arbeit Erfolg und viel Geld winken. Wenn sich das Ganze noch dazu im Milieu von Bühnenautoren abspielt, von denen erwartet wird, dass ihre Stücke, also Thriller, das Publikum so richtig schocken, dann sind der finsteren Fantasie keine Grenzen gesetzt. Mord und Todschlag, ein tosender Gewittersturm inklusive einer Wahrsagerin, die mit düsteren Prophezeiungen alles andere sparsam ist, das sind doch feine Zutaten für einen Thriller, der sich vor den Augen der Zuschauer von der ersten bis zu letzten Szene vollgepackt mit überraschenden Wendungen entwickelt.

Peter Masch, Charly Vozenilek © Il vero teatro

Der Amerikaner Ira Marvin Levin hat diese Idee in „Todesfalle“ verwirklicht, wohl nicht aus eigener Erfahrung, eher aus der Beobachtung von Kollegen, denen plötzlich die Finger vor der Schreibmaschine gestockt sind. Er selbst brauchte diesbezüglich weder Angst noch Neid empfinden, denn allein „Deathtrap“ (Originaltitel) ist das am längsten gespielte Theaterstück am Broadway.

Charly Vozenilek, Peter Masch, Nala Helga Oppenauer © Il vero teatro

Der Rekord von 1.793 Aufführungen wird nicht so leicht einzustellen sein. Dazu kommen Drehbücher für Filme wie „Rosemary´s Baby“ oder „The Boys from Brazil“, die auch in unseren Kinos die Kassen gefüllt haben. „Todesfalle“ ist also ein Erfolgsgarant, der auch, ohne es verknofeln zu wollen, der wackeren Truppe um Veronica Buchecker mit dem Namen „Il vero teatro“ eine gut ausverkaufte Serie im Theater Center Forum bescheren sollte (bis 23. September 2017 täglich außer So. u. Mo.)

Deutlich ist zu spüren, dass die Darsteller unter der Regie ihrer Prinzipalin es genießen, einmal so richtig böse zu sein. Peter Masch ist der in die Jahre gekommene Krimiautor Sydney Bruhl, der so gerne noch ein Star der schreibenden Szene wäre und mit ansehen muss, wie der Teilnehmer eines seiner Seminare, der junge, sportliche und fesche Clifford Anderson (Charly Vozenilek), einen wahren Reißer geschrieben hat. Sydneys Frau Myra hat mit Nicole Locker die passende Verkörperung gefunden. Sie ist vordergründig zurückhaltend und dennoch voll hintertriebener Gier nach dem Geld, das aus einer solchen Produktion auch über sie herabregnen sollte. Martin Ploderer gibt einen Rechtsanwalt und Freund der Familie Bruhl, der trotz der vom Inhalt bedingten Todesfälle kühlen Kopf behält.

Wen man sich als Nachbarin überlegen sollte, ist die aus Ungarn stammende Hellseherin. Ihr „Ich bin übersinnlich!“ sollte für alle Beteiligten eine Warnung sein. Nala Helga Oppenauer lässt die mit übernatürlichen Kräften gesegnete Magyarin unter den Beteiligten so richtig Angst und Schrecken verbreiten, was ja dazu gehört, wenn ein Stück, getippt auf einer guten alten mechanischen Schreibmaschine, auch fast 40 Jahre nach seiner Entstehung noch sein Publikum fesseln kann.

Martin Ploderer, Nala Helga Oppenauer © Il vero teatro

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