Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Alfred Wickenburg, Maria zwischen Sonne und Mond, 1960 Foto: Helmut Bolesch

ALFRED WICKENBURG Unabhängigkeit in Farbe und Form

Alfred Wickenburg, Sightseeing, 1971 © Belvedere, Wien

Im Fokus ein kompromisslos strahlend leuchtendes Werk

Geboren wurde der Maler Alfed Wickenburg 1885 in Bad Gleichenberg als Alfred Adinolf Capello, Reichsgraf von Wickenburg, Spross eines alten steirischen Adels. Bereits mit 19 Jahren machte er sich auf den Weg nach München, mit dem festen Vorsatz, ein eigenständiger Maler zu werden. Voller Selbstbewusstsein ob seiner Vorstellung von Kunst hatte er Wien und der dortigen Akademie den Rücken gekehrt. Er entschied sich gegen die traditionelle Ausbildung. In der als liberal geltenden Malschule von Anton Ažbe fand er die Möglichkeit, sein besonderes Interesse für Farbe, Form, Linie und Fläche zu verfolgen. München war damals die Stadt, in der sich die Kunstwelt Europas ein Stelldichein gab. Bald entstanden Kontakte zur Schule von Pont-Aven und den Nabis. Wickenburg ließ sich von den Werken eines Paul Gauguin und Emile Bernard beeindrucken und fand in dieser Auseinandersetzung seine eigene Linie.

Alfred Wickenburg, Enigma, 1943 © Belvedere, Wien

Er hatte schon früh den Mut zu großzügigen Formen und einer außergewöhnlichen Ausdruckskraft der Farben, die beide sein Werk zeitlebens charakterisieren sollten.

 

Das Belvedere hat unter dem Titel „ALFRED WICKENBURG Visionen in Farbe und Form“ (bis 16. Juli 2017) rund 50 seiner Meisterwerke in den Fokus gerückt. Kuratorin Kerstin Jesse hat sich dabei auf den Zeitraum von den 1920er- bis zu den 1930er-Jahren und auf das Spätwerk konzentriert.

Alfred Wickenburg, Altes Haus im Frühling, 1950 © Belvedere, Wien

Quasi nebenbei werden auch neueste Erkenntnisse aus der Aufarbeitung dieses umfangreichen Œuvres präsentiert, was Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere, als gelungenes Beispiel dafür ansieht, wie sich die wissenschaftliche Beschäftigung mit einem Werk und das Ausstellungswesen eines Museums optimal ergänzen können. Neben den Bildern bereichern also auch aufschlussreiche Archivalien die Schau, die einen heutzutage eher unbekannten Künstler über seine Arbeiten hinaus für den Betrachter zugänglich machen

Ein besonderes Schauerlebnis sind Glasfenster, die Alfred Wickenburg entworfen hat. Es handelt sich durchwegs um Auftragsarbeiten, von denen aber jede einzelne für ihn eine neue technische und künstlerische Herausforderung bedeutete. Es galt, sowohl die Architektur als auch die Vorgaben des Auftraggebers zu berücksichtigen. Er war einer der ersten, die sich der Betonglastechnik annahmen, die wesentlich größere Flächen als bisherige Methoden erlaubte. Das Fenster wurde über die Öffnung in der Wand zu einem Teil dieser Wand, zu einem „körperhaften Wandstück“. In der Ausstellung sind Fotos solcher Glasfenster zu sehen.

Allein Aufnahmen wie der im Weitwinkel abgelichtete Innenraum der Kirche Maria Schutz in Kalkleiten vermitteln bereits die Stimmung, die in sakralen Räumen den Eintretenden erfüllt. Vollends unmittelbar wird das Erlebnis jedoch vor dem in die Ausstellung eingebauten Fenster „Maria zwischen Sonne und Mond“. Die Farben des Glases lassen den dicken Beton dazwischen vergessen, oder besser gesagt, sie bringen ihn zum Leuchten, ähnlich den Linien zwischen kompromisslos intensiven Farbflächen auf Ölbildern wie „Altes Haus im Frühling“, die in ihrer Kraft das Werk von Alfred Wickenburg einmalig machen.

Alfred Wickenburg, Rinaldo und Armida, 1923 © Artothek des Bundes, Dauerleihgabe im Belvedere, Wien
Belvedere Logo 300

Statistik