Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Morning Creme © Archiv / Archives Helena Rubinstein, Paris

HELENA RUBINSTEIN Erste Selfmade-Frau der Geschichte

Mit dem Fotografen Cecil Beaton © Archiv / Archives Helena Rubinstein, Paris

Pionierin für die Schönheit und damit dem Selbstbewusstsein der Frauen

Die spätere Ikone der schönen Welt wurde 1870 in kleinbürgerlichen Verhältnissen einer jüdisch-orthodoxen Familie in Krakau geboren. Als sehr junges Mädchen verließ sie die beengten Verhältnisse und zog zunächst Richtung Wien. Von dort führte sie der Weg nach Australien, wo sie, es klingt so seltsam selbstverständlich, ein Weltimperium begründete. Was für ihren schnellen Erfolg ausschlaggebend war, nimmt sich ähnlich märchenhaft aus. Es wird erzählt, dass Helena Rubinstein etliche Tiegeln einer Hautcreme im Gepäck mitführte, die noch ihre Mutter zusammengestellt hatte. Am feinen Teint von Helena zeigte dieses Mittel besondere Wirkung. Jede Frau ihrer Umgebung wollte ebenfalls eine so schöne Haut haben, also begann die junge Dame umgehend mit der Herstellung und Vermarktung ihres ersten Produkts. Schönheitspflege war in diesen Tagen keineswegs das große Thema.

Helena Rubinstein in Schiaparelli Kleid, Fotografie von Cecil Beaton © Archives Helena Rubinstein

Schminke galt als lästerlich und verpönt. Helena Rubinstein war jedoch überzeugt, dass jede Frau ihre individuelle Schönheit entdecken und mit etwas Unterstützung das Beste daraus machen könnte. Quasi ein Nebenprodukt war ein neues Selbstbewusstsein der Frauen, denen die erfolgreiche Unternehmerin in einer von Männern dominierten Geschäftswelt als leuchtendes Beispiel voranging. Sie selbst hielt sich an den Wahlspruch „Die Schönheit ist dein besonderes Gebiet, deine eigentliche Heimat, Helena. Ein Gebiet, das noch brach liegt. Lerne es bauen.

Werbung für Mascara Matic 1958 ©Archiv / Archives Helena Rubinstein, Paris

Nicht weniger unglaublich ist auch der wirtschaftliche Aufstieg, den ihre Firma nahm. Die Stationen ihres Lebens lesen sich wie die Schauplätze eines Hollywood-Schinkens: Krakau, Wien, Melbourne, London, Paris, New York. In Wien, wo sie 1932 einen eigenen Salon am Kohlmarkt 8 eröffnete, gab es wasserfeste Wimperntusche. Die Wienerin Helene Winterstein-Kambersky war deren Erfinderin. Sie verkaufte das Patent jedoch an Rubinstein, die nunmehr „Waterproof Mascara“ 1939 als Weltneuheit auf der New Yorker Weltausstellung mediengerecht mit einem Wasserballett präsentierte. Im selben Jahr wurde ihr Wiener Salon geschlossen. Österreich war in der Hand der Nationalsozialisten. Antisemitismus beschränkte sich jedoch nicht auf Wien. In New York, wo sie eine Wohnung mieten wollte, wurde ihr das mit der Begründung, weil sie Jüdin sei, verweigert. Helena Rubinstein kaufte daraufhin das ganze Haus an der Park Avenue.

In diese Zeit fällt auch die Rivalität zu Elizabeth Arden, die als Stoff für Literatur und Musicals legendär geworden ist.

 

Die Ausstellung „Helena Rubinstein. Die Schönheitserfinderin“ (bis 6. Mai 2018) erzählt noch viel mehr aus dem sagenhaften Leben einer Frau, die eigentlich nur in Superlativen zu beschreiben ist. Sie bewies Familiensinn, als sie fast alle ihrer Angehörigen in die USA bringen ließ. Nur eine Schwester blieb. Diese und ihr Mann wurden in Auschwitz umgebracht. Helena Rubinstein war Kunstmäzenin im großen Stil. Der von ihr gestiftete „Helena Rubinstein Pavillon for Contemporary Art“ des Tel Aviv Museums beherbergt nicht nur die von ihr angekaufte Kunst, sondern auch ihre Sammlung historischer Miniaturräume mit Möbeln und Figurinen in historischen Kostümen.

Wichtig war Kuratorin Iris Meder auch die Charakterisierung der Persönlichkeit von Helena Rubinstein, die trotz allem Glamour und einem ausgeprägten Geltungsbedürfnis das Mädchen aus Kazimierz blieb. Sie soll trotz ihres Sprachentalents nie ihren slawischen Akzent, gemischt mit jüdischen, deutschen und polnischen Wörtern, abgelegt haben und mit einem Jausensackerl, gefüllt mit harten Eiern, Hühnerschenkeln, Krakauer Würsten und entsprechend fettigen Dollarnoten für das Taxi in ihr Büro gefahren sein. Am 1. April 1965 starb Helena Rubinstein mit 94 Jahren. Begraben wurde sie in ihrem Lieblingskleid von Yves Saint Laurent. Sie war, so der Tenor der Ausstellung, immer unbeirrt ihren eigenen Weg gegangen, um sich ihre nicht unbescheidenen Träume erfüllen zu können, ganz nach dem von ihr geprägten Motto: „Quality´s nice but quantity makes a show.“

Puderdose mit Spiegel, 1930er Bild (c) Archiv / Archives Helena Rubinstein, Paris
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