Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht Teddy Kollek © wulz.cc

TEDDY KOLLEK Der Wiener Bürgermeister von Jerusalem

Kollek bei der Eröffnung des Jüdischen Museums Wien © Votava_PiD

Geburtshelfer des Jüdischen Museums Wien

Aus den Nachrichten hat man ihn gekannt, den energischen Teddy Kollek, der über 28 Jahre eine Stadt regierte, die für einen Bürgermeister wohl die vielschichtigsten Herausforderungen eines solchen Amtes bot. Jerusalem, eine geteilte Stadt zwischen Jordanien und dem jungen Israel, die durch den Sechs-Tage-Krieg wieder vereinigt wurde, als politischer Zankapfel war stets im Fokus der Weltpresse. Überdies musste Jerusalem als der wichtigste Treffpunkt von drei Religionen, die einander zu keinem Moment in ihrer Geschichte jemals grün waren, friedlich und ausgleichend verwaltet werden. Nicht zuletzt sollten Infrastruktur, Wirtschaft und Kultur erhalten und gefördert werden, um trotz aller Konflikte in dieser außergewöhnlichen Stadt ein möglichst normales Leben für seine Bewohner und die Massen von Besuchern zu bieten. Teddy Kollek war der Mann, den solche Probleme nicht schreckten. Danielle Spera, die mit ihm befreundet war und ihn daher bestens gekannt hat, kennt ihn als „charismatisch, dynamisch, geradlinig, forsch aktiv, hilfsbereit, charmant, und gleichzeitig bescheiden“ um hinzuzufügen:

Teddy Kolleks erster Wahlkampf © David Rubinger, YEDIOTH AHARONOT

Das sind nur einige Attribute, mit denen man versuchen kann, den langjährigen Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, zu beschreiben.“ Dass er zudem Geburtshelfer des Jüdischen Museums Wien, das nunmehr von ihr geleitet wird, war, verstärkt die Beziehungen und war mit ein Grund, ihm die Ausstellung „Teddy Kollek. Der Wiener Bürgermeister von Jerusalem“ (bis 25. November 2018) zu widmen.

Helmut Zilk und Dagmar Koller zu Besuch bei Teddy Kollek © Jerusalem Foundation

Mit Fotos, Ausschnitten aus TV-Übertragungen, ausgewählten Kunstwerken (u. a. Oskar Kokoschka) und sogar einem Boot. Auf dieses Objekt ist man besonders stolz. Es hängt über den Köpfen der Besucher und man sieht ihm keineswegs an, dass es nur mit äußersten Mühen an diese Stelle gebracht werden konnte. Es erzählt über die Jugend von Teddy Kollek, der von seinen Eltern nach dem Zionisten Theodor Herzl seinen Vornamen erhielt. Bedeutend ist dieses Wasserfahrzeug aber deswegen, weil es als erstes Beispiel für die hohe Kunst des Schnorrens steht. Er hatte dieses Boot als Dreizehnjähriger bei seiner Bar Mitzwa Feier für sich und seiner Freunde erbettelt.

Nicht umsonst hat er als Bürgermeister den Spitznamen Teddy Collect erhalten. Das Sammeln von Spenden wurde bei ihm zum System. Unter anderem wurde damit die von ihm gegründete gemeinnützige Jerusalem Foundation dotiert. Kindergärten, Spitäler, Synagogen und kulturelle Institutionen konnten mit diesem Geld verwirklicht werden.

War Teddy Kollek auch ein überzeugter Zionist, so hat er seine Wienjahre nie vergessen, vor allem im Bereich der Kultur, die er aus seiner ehemaligen Heimat in seine Stadt holte. An seiner Seite stand Tamar Kollek, seine Frau. Ein Teil dieser Ausstellung, die übrigens mit aufschlussreichen Texten bei den Objekten ansprechend gestaltet ist, ist daher der Ehe und dem Privatleben dieses außergewöhnlichen Menschen als umsichtiger Bürgermeister in einem der konfliktreichsten Brennpunkte unserer Welt gewidmet.

Ausstellungsansicht Teddy Kollek © wulz.cc
Jüdisches Museum Logo 300

Statistik