Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Paul Flora, Talentproben, 1976 © Landessammlungen Niederösterreich, Foto Peter Boettcher

Mit Humor und Karikatur FÜR DAS LEBEN LERNEN

Margit Krammer, Autonomiepaket, 2017 © Margit Krammer

Eine gute Pointe ist mehr wert als hundert erhobene Zeigefinger

Der Rohstock ist längst passé, wohl auch die Autorität, die mit diesem praktischen Instrument zur Züchtigung dem Lehrer noch den Anschein einer Autoritätsperson verlieh. Was ist den armen Kreaturen, die sich einst in der Berufswahl vergriffen haben, sonst noch geblieben, um sich in einer Klasse voll mit antiautoritär erzogenen Balgen durchsetzen zu können? Antworten darauf geben ausgerechnet die Karikaturisten, die selbst wohl schon den wohlbeleibten Direx mit spitzer Feder vor Mitschülern und Lehrern zum Gespött gemacht haben. Sie plädieren für Humor und meinen damit wohl eher Sarkasmus, das einzige Mittel intelligenter Menschen mit der Brutalität der Dummheit ohne körperliche Gewalt fertig zu werden. In der Überzeugung, dass Wissen, Persönlichkeit und Classroom Management nur unzureichende Krücken der Erziehung sind, haben sie ihre eigenen Erfahrungen zeichnerisch umgesetzt und damit den Grundstein zur ersten wirklich wirksamen Schulreform gelegt.

Gerhard Haderer, Schlimm! Immer mehr Lehrer haben Angst vor ihren Schuelern, 1994 © Landessamml. NÖ

Deswegen sei vor allem Politikern die Ausstellung „FÜR DAS LEBEN LERNEN“, die bis 25. Jänner 2018 im Karikaturmuseum Krems gezeigt wird, empfohlen. Dort haben sie Gelegenheit, die gezeigten Werke ausgiebig zu studieren und die Botschaften der Karikaturisten zu beherzigen. Dass zwischen den unterhaltsamen Zeichnungen auch ernsthaft gemeinte Texte von Bildungsexperten lauern, sollte den Spaß nicht verderben. Man braucht sie ja nicht zu lesen. Noch kein Besucher wurde im Anschluss an den Ausstellungsbesuch von Kurator Gottfried Gusenbauer darüber abgeprüft.

Bruno Haberzettl, Das Kaiserpaar Maria Theresia und Franz I. im Kreise ihrer Kinder. © B. Haberzettl

Man begegnet Meisterwerken unter anderem von Gerhard Haderer, der zur Strafe einen Lehrer eine Tafel mit dem Satz „Ich soll meine Schüler nicht ärgern“ voll schreiben lässt und als Text dazu angibt: „Schlimm! Immer mehr Lehrer haben Angst vor ihren Schülern.“ Bruno Haberzettl lässt sein durch braves Lernen erworbenes historisches Wissen aufblitzen. Von ihm stammt „Das Kaiserpaar Maria Theresia und Franz I. im Kreise ihrer Kinder“.

Er zieht daraus den sicheren Schluss, dass die Einführung der Schulpflicht nur eine Frage der Zeit war. Bedrohlich wirkt Benedikt Kobels düsterer Bücherberg, auf dessen gefährlich vorkragenden Klippen offenbar verirrte Kinder knapp vor dem Absturz stehen.

Die Zeitlosigkeit des Problems beweist eine Zeichnung aus 1845, in der Joseph Cajetan und Andreas Geiger unter dem Motto „Fasslicher Rechenunterricht“ in vier anschaulichen Beispielen Addition, Subtraction, Multiplication und Division erklären. Das Märchen vom „freien“ Uni-Zugang erzählt Markus Szyszkowitz und eine Zeichnung von Thomas Wizany aus 2014 lässt über ein Phänomen heutiger Schulen schmunzeln, das ernsthaft betrachtet eher zum Weinen ist. Aber so ist es eben, im Bogen von harmlosem Spaß über Ironie bis Zynismus lässt sich zweifellos am leichtesten FÜR DAS LEBEN LERNEN.

Joseph Cajetan, Andreas Geiger, Fasslicher Rechenunterricht, 1845 © Landessamml. NÖ

Froschkönig  © Horst Sambo/Red Bull Gmbh.

Das Karikaturmuseum Krems VERLEIHT FLÜÜÜGEL

Froschkönig © Horst Sambo/Red Bull Gmbh.

Abheben mit „30 Jahre Cartoons von Red Bull“

Es ist die global wichtigste Werbung auf Cartoonbasis“, vermeint Gottfried Gusenbauer sich rechtfertigen zu müssen, wenn in „seinem“ Karikaturmuseum eine reklamemäßig so offensive Firma wie Red Bull mit einer Ausstellung vertreten ist. In erster Linie geht es um die Zeichnung, um den Witz, mit dem der Energydrink-Hersteller sein Produkt auf dem Weltmarkt erfolgreich positioniert hat. Die Marke ist dabei halt einfach nicht wegzudenken, wenn die in feinen Strichen gezeichneten und zart kolorierten Figuren mit einem Schluck aus der charakteristischen Dose flügge werden.

Froschkönig © Horst Sambo/Red Bull Gmbh.

Entwickelt wurde die Marketingstrategie vor 30 Jahren gemeinsam mit Johannes Kastner, von dessen Art Director Horst Sambo zeichnerisch umgesetzt und im Trickfilmstudio Cartoon Garage von Tibor Hernádi in Pécs in Ungarn zum Leben erweckt. Es sind kurze Geschichten, die von einem Aufstieg im wahrsten Sinn des Wortes erzählen. Was hätte der Prinz gemacht, als sich Rapunzels Haar als zu kurz erwies, um als Leiter in ihr Turmgemach zu fungieren.

Eine Dose Red Bull belebt in diesem Fall den Geist und lässt den Prinzen sagen: „Geh Semmerl, mach einfach die Tür auf.“ Wohl Millionen von Menschen, auf die irgendwann im Leben eine Taube die Reste ihrer Verdauung fallen ließ, haben gejubelt, als sich der Beschissene mittels des Drinks in die Lust erhob und über dem in Panik flatternden Vogel bedeutungsvoll den Hosenschlitz öffnete. Es geht um die Erfüllung von kleinen Träumen, bei der uns die Erdenschwere entgegensteht, die aber, so Red Bull, durchaus zu überwinden ist.

Taube 1 © Horst Sambo/Red Bull Gmbh.

Die Ausstellung „Verleiht Flüüügel“ (bis 11. März 2018) zeigt eine Auswahl der Zeichnungen und im eigenen Kino die TV-Spots. Dazwischen wird die Philosophie der Cartoonkampagne vorgestellt. Zuversicht, Weltoffenheit, Nonkonformismus, Lebensfreude und Leistungsbereitschaft sind die Schlagworte, die über die Schienen Lachen, Humor und Selbstironie einer potentiellen Kundschaft unterhaltsam vermittelt werden. Betont werden auch der unverwechselbare Stil, die grafische Eleganz und der etwas zittrige feine Strich, die seit drei Jahrzehnten mit sanfter Anpassung an die Gegenwart auf den ersten Blick zu Red Bull gehörig erkennbar sind. Über die Entstehung der TV-Spots erzählen in einem Video die Zeichnerinnen der Cartoon Garage, von der eigens ein Zeichentisch nach Krems transportiert wurde. Jeder Trickfilm ist handgezeichnet, was wiederum einen Kontrapunkt zu den zumeist computergenerierten Animationsfilmen bietet. Bei dieser Gelegenheit erfährt der Besucher ganz nebenbei, dass die Dialoge meistens von österreichischen Schauspielern oder Kabarettisten gesprochen werden.

So auch das Zwiegespräch von Leonardo mit einem Zeitgenossen im allerersten Cartoon-Werbespot von Red Bull. „Na, Leonardo, was zeichnest du denn da wieder?“ „Ein Fluggerät, es wird erst erfunden in Jahrhunderten.“ „Komisch, ohne Flügel, das sieht ja aus wie das Fass von Diogenes?“ „Das lieber Freund, ist eine Dose und das Fluggerät darin wird zum Trinken sein und Red Bull heißen.“ „Ein Stier zum Trinken? ... Mit Flügeln? Leonardo, bitte bleib am Boden.“

Leonardo © Horst Sambo/Red Bull Gmbh.
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