Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Platons Party Ensemble © Georg Soulek Burgtheater

PLATONS PARTY Ein Symposion der heiteren Art

Hermann Scheidleder, Martin Schwab, Merlin Sandmeyer, Daniel Jesch, Michael Masula © Georg Soulek BT

Sokrates, der erstaunlich unterhaltsame Philosoph

Im Alten Griechenland lag man zu Tische, im Kratér wurde Wein gemischt und auf einen Ellbogen gestützt wurde, während man dem heiligen Rausch zustrebte, über Gott und die Welt geredet. Man nannte dieses gesellige Beisammensein ein Symposion. Sokrates war ein Freund solcher Zusammenkünfte, sie waren für ihn die Bühne, mit seinen Fragen die Tischgenossen zum Nachdenken zu bringen. Seine Methode hatte er von den Hebammen abgeschaut. Er stellte Fragen und half damit den anderen zur Geburt der Einsicht, dass er, der alte, dicknasige und ziemlich versoffene Philosoph, im Recht war. Platon, sein Schüler, hat die Reden aufgezeichnet und damit Grundlagen für die abendländische Philosophie gelegt. Es ging darin nicht selten um Eros und um Thanatos, um die erhabene Liebe jenseits des Sexus, die dennoch nicht selten im Beschlaf mit einem der jungen Verehrer mündete, und um den Tod, dem Sokrates mit heiterer Gelassenheit gegenüber gestanden ist. Haarspalterische Gedankenspielereien waren dabei ebenso vertreten wie tiefe Erkenntnisse um das Weiterleben der Seele.

 Michael Masula, Hermann Scheidleder Merlin Sandmeyer © Georg Soulek Burgtheater

Im Kasino, der etwas baufälligen aber umso stimmungsvolleren Außenstelle des Burgtheaters auf dem Schwarzenbergplatz, wurden nun zwei Dialoge von Platon zu „Platons Party“ dramatisiert. Entstanden ist dabei in der Bearbeitung von Karl Heinz Ott und Stephan Müller ein heiteres Symposion, bei dem allerdings von vornherein vereinbart war, dass kein Saufzwang herrscht. Aus dem Kratér wird ein Wasserspender. Im ersten Teil geht es darum, den jungen Agaton von Athen zu verführen. Der knackige Tragödiendichter hatte es alten Herren wie dem Arzt Eryximachos oder dem Komödiendichter Aristophanes angetan. Daniel Jesch, Michael Masula, Merlin Sandmeyer, Hermann Scheidleder und Martin Schwab sind die Teilnehmer des Symposions. Ihre Aufgabe besteht darin, der Reihe nach auf Eros eine Lobrede zu halten.

Regisseur Stephan Müller hat, vielleicht in Anspielung auf das Höhlengleichnis von Sokrates, eine Grotte hinstellen lassen, die mit abenteuerlichen Projektionen bestrahlt und mit Musik von Yello/Eno beschallt wird. Davor, darauf und dahinter tanzen die Lobredner ausgelassen und lassen sich zwischendurch von Sokrates überzeugen, dass Zeus den einst kugelrunden Gesamtmenschen zerteilt und damit die Anziehungskraft zwischen zwei Personen geschaffen hätte.

Platons Party Ensemble © Georg Soulek Burgtheater

Im zweiten Teil geht es um einiges besinnlicher zu. Durchgespielt werden die letzten Stunden von Sokrates, nachzulesen in Phaidon. Begleitet wird er dabei von zwei Freunden. The party is over!

Aber nicht für den alten Philosophen, der freudig dem Tod entgegen geht, beweint von seinen Schülern. Die Seele, so sein Credo, überlebt den körperlichen Tod. Man mag seinen Gedanken folgen oder nicht, aber auf jeden Fall ist es eine kurzweilige Auseinandersetzung mit den letzten Dingen, die wiederum, so sinngemäß, für Sokrates nur ein neuer Anfang sind. Diskussionen nach dem Ende des Stücks sind erwünscht. Umsonst soll Sokrates doch seinen Schierlingsbecher nicht getrunken haben.

Platons Party Ensemble © Georg Soulek Burgtheater
Burgtheater Logo 200

Statistik