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Kopf 1964, Bronze, H. 18 cm © Foto: Gabriel Rüf

HERBERT ALBRECHT Die klassische Reduktion des Kopfes

Herbert Albrecht bei der Arbeit © Foto: Gabriel Rüf

Stein und Bronze – Kunst wider die Schnelllebigkeit unserer Zeit

Herbert Albrecht, 1927 im Hinteren Bregenzerwald geboren, steht noch jeden Tag in seinem Atelier. Es mutet paradox an, aber die schwere Arbeit am Stein dürfte den Bildhauer jung erhalten haben. „Der Stein zwingt zur Haltung und widersetzt sich durch seine Härte der Schnelllebigkeit unserer Zeit“, sagt er selbst über das Material, das sich heutzutage kaum mehr einer seiner Kollegen antut. Albrechts große Vorbilder, die Bildhauer der Antike, waren auf den Stein angewiesen und ihre Werke haben Jahrtausende überdauert. Großartige Beispiele sind in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums zu bewundern, in denselben Räumen, in denen sich der junge Künstler während seines Studiums bei Fritz Wotruba Sonntag für Sonntag aufgehalten hat. Er hätte sich damals wohl kaum träumen lassen, dass irgendwann seine eigenen Werke zwischen den griechischen und römischen Statuen ausgestellt und mit den klassischen Meistern in einen Dialog treten würden. Bis 14. Jänner 2018 sind die Arbeiten von Herbert Albrecht unter dem Titel „Stein und Bronze“ zu erleben.

Sitzende Figur 1988, Bronze, H. 64 cm © Foto: Gabriel Rüf

Wobei es reizvoll ist, sie zwischen den Antiken zu entdecken und die Zeiten überspannende künstlerische Verbindung zwischen den bis ins Detail dramatisch ausgeführten Helden und Göttern mit der bis ins Extrem getriebenen Reduktion der Plastiken von Herbert Albrecht zu erfühlen. Die Titel sind einfach; Liegende, Kauernde, Torso oder einfach Kopf. Die menschlichen Figuren sind Zeugen der Suche des Künstlers nach immer neuen Formen. „Das Menschenbild ist fragil geworden“, so Albrecht, der überzeugt ist, dass man spätestens nach den Gräueln des Nationalsozialismus den Menschen nicht mehr idealisierend darstellen könne, „Deshalb reduziere ich ihn, mache ihn sozusagen zum Symbol des Menschen.

Eulenkopf 1972, Bronze, poliert, H. 17 cm © Foto: Gabriel Rüf

Das zentrale Thema ist der Kopf. Das älteste Stück ist ein Kopf aus 1964, in vollkommener Abstraktion, ohne Gesicht und andere Details, aber klar als menschliches Haupt erkennbar. Für Albrecht ist es der wichtigste, interessanteste und schönste Teil des Menschen. Kurator Walter Fink, der über Herbert Albrecht die Dissertation geschrieben hat, erzählte anlässlich der Ausstellungseröffnung, dass seit damals hunderte Köpfe entstanden sind, die meisten in Stein, manche auch in Bronze.

Es finden sich alle Größenordnungen, vom kleinen bis zum monumentalen, wie er beispielsweise vor dem Juridicum in Wien, in Wolfurt bei Bregenz als Scheibe aus schwarzem Granit oder mannshoch aus weißem Marmor vor dem neuen Illwerke Zentrum Montafon in Vandans steht. Sie sind, so Fink, vielmehr die Ahnung eines Kopfes, oder wie es Herbert Albrecht selbst formuliert hat: „Wenn das Denken sich so weit vom Kopf entfernt, dass er ein Gebilde wird, vergleichbar mit einem Haus, einem >Haus des Kopfes<, dass er also nur noch spürbar, aber nicht mehr wirklich erkennbar ist, dann ist auch das große Format beim Kopf zulässig.

 

Erschienen ist zur Ausstellung ein Katalog, besser gesagt, ein Künstlerbuch mit den Werken von Herbert Albrecht. Walter Fink schreibt darin über die intensive Freundschaft, die seit 1972 ungebrochen andauert, und er erinnert sich an gemeinsame Reisen, die Zusammenarbeit bei der Gestaltung von Ausstellungen und an lange Gespräche mit dem von ihm verehrten Künstler.

Peter Baum referiert über die Formel des Bildhauers, während der Bildhauer Gottfried Bechtold in „90 Jahre Herbert Albrecht“ über ihre schöpferische Begegnungen erzählt. Michael Köhlmeier gesteht, dass er oder einer der anderen Anwesenden nach zu viel Weingenuss Bildhauer spielen wollte und dabei einen Stein ruinierte. Auf den Vorschlag, aus den beiden Trümmern eine Liegende zu machen, sagte Herbert Albrecht nur mit unendlich traurigem Blick: „Nein, eine Liegende ist in diesem Stein nicht drinnen.

Herbert Albrecht und Kurator Walter Fink © Foto: Gabriel Rüf
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