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Datum (rechts) und Name des Schreibers Thutmose in Spalte zwei auf der Vorderseite des Papyrus © KHM

DER VERGESSENE PAYRUS und eine Menge Fragen

Verklebung von zwei Fragmenten unter dem Stereomikroskop © KHM-Museumsverband

Forschungsarbeit an einem überraschenden Sensationsfund

Die 29 Ibiskegel waren bereits im 19. Jahrhundert in die kaiserliche Sammlung, eben dem heutigen Kunsthistorischen Museum, gelangt. Etliche davon stammen aus Miramar, wo Erzherzog Ferdinand Maximilian eine stattliche Anzahl von sogenannten Aegyptica zusammengetragen hatte. Als 2013 das Depot der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung einer gründlichen Untersuchung unterzogen wurde, fand man durch Zufall in einem dieser Kegel unter der Mumie ein Päckchen. Ein Leinenumschlag bedeckte wiederum eine Stoffhülle, in der eine Papyrusrolle sorgfältig aufbewahrt worden war. Das Erstaunliche daran ist die zeitliche Kluft, die zwischen dem Tonkegel und dem Papyrus liegt. Tiermumien waren hauptsächlich ab der Spätzeit (7. Jh. v. Chr.) dem Gott Thot als Votivgabe gestiftet worden. Unter den Tierfriedhöfen fanden sich Stapel mit Tausenden dieser Kegel, die billiger herzustellen waren als Statuen.

Statue des Thot als Ibis Spätzeit 6. Jh. v. Chr. © KHM-Museumsverband

Der betreffende Kegel mit der Tiermumie dürfte aus dem Ende der Spätzeit bzw. der Ptolemäischen Zeit (um 380-300 v. Chr.) stammen, ebenso der äußere Stoff, der die Skizze einer fragmentarischen Darstellung eines Mannes zeigt, mit einem auf dem Schwanz stehenden Krokodil hinter ihm.

Tonkegel mit Deckelschale und Ibis-Mumie © © KHM-Museumsverband

Die innere Hülle und die noch etwas ältere Papyrusrolle werden jedoch in die 21. oder frühe 22. Dynastie (spätes 11. bis Mitte 9. Jh. v. Chr.) datiert. War diese Papyrusrolle eine Zugabe zum Opfer an Thot, der auch als Erfinder der Schrift verehrt wurde und stets mit Ibiskopf dargestellt wurde? Man kann es annehmen, wenngleich der Inhalt alles andere als spektakulär ist. Es handelt sich um Rechnungsnotizen und eher private Tagebuchaufzeichnungen eines Schreibers namens Thutmose.

Die Sonderausstellung „Der vergessene Papyrus“ (bis 16. September 2018) zeigt diese Rolle und dokumentiert dabei gleichzeitig die Methoden der Forschung, um ein solch geheimnisvolles Relikt aus dem Alten Ägypten überhaupt lesbar zu machen. In einem Video beobachtet der Besucher die delikate Prozedur, mit der dieser Papyrus entrollt wurde. In einem Doppelrahmen kann man nun den beidseitig beschriebenen Streifen zwar nicht lesen, wer außer den Ägyptologen beherrscht schon die hieratische Schrift?! Mittels der Infotafeln ist dennoch der Inhalt dieses 2,50 Meter langen Streifens samt Fragmenten zu erfahren. Ein abschließender Befund kann von den Wissenschaftlern des KHM noch nicht abgegeben werden, da man noch mitten den Untersuchungen steckt.

Gebraucht werden noch andere Belege für die Beigabe eines schriftlichen Dokuments zu einer Tiermumie. Andernfalls müsste auch angenommen werden, dass dieses Fundensemble so im 19. Jahrhundert zusammengestellt wurde. Da noch etliche dieser Kegel original verschlossen sind, ist man jedoch guter Hoffnung, durch CT-Untersuchungen und Röntgen in einem davon eine ähnliche Beigabe zu finden und damit neue Erkenntnisse zu den Kulten Ägyptens gewinnen zu können.

Entrollen des Papyrus und Behandlung mit flüssiger Zellulose © KHM-Museumsverband
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