Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Das Urteil des Paris um 1639 © Museo Nacional del Prado

RUBENS Seit 400 Jahren ein Megastar der Malerei

Rubens Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband

Wie aus dem antiken Kentauren der leidende Christus geworden ist

Bis 21. Jänner 2018 hat man im Kunsthistorischen Museum Wien die seltene Gelegenheit, die Arbeitsweise eines der größten und teuersten Stars der Malerei von Grund auf zu studieren. Die Ausstellung „RUBENS Kraft der Verwandlung“ ist mehr als eine gewaltige Präsentation von Werken dieses Künstlers, eher eine überraschende Enthüllung seiner Quellen. In etwa 50 Jahren hat der 1577 in Siegen geborene und 1640 in Antwerpen verstorbene Peter Paul Rubens ein Œuvre geschaffen, das an Umfang und Bedeutung seinesgleichen sucht. Er gilt bis heute landläufig als der Schöpfer üppiger Frauengestalten, eben der Rubensfigur, die schon so manche übergewichtige Dame getröstet und damit zumindest in künstlerischer Weise anziehend gemacht hat. Rubens hat zweifellos üppige Rundungen geliebt, aber er hat gleichermaßen den idealen Körper gesucht, voller drahtiger Muskeln und in einer Ästhetik, die nicht zufällig an die klassischen Formen griechischer und römischer Skulpturen erinnert. Seine Vorbilder finden sich in der Antike, aber genauso in Werken der Renaissance-Meister Tizian und Tintoretto oder der großen Landsleute wie Van Tetrode und Van der Schardt. Wie es im Katalog zur Ausstellung heißt, ist Rubens in einen Dialog mit Kunstwerken berühmter Vorgänger und Zeitgenossen eingetreten. Weniger erhaben ausgedrückt, heißt das, dass er sich von ihnen Ideen geholt, sie studiert und abgezeichnet hat. Die dabei angefertigten Skizzen waren Arbeitsvorlagen.

Helena Fourment (Das Pelzchen) 1636/38 © KHM-Museumsverband

In seiner Werkstatt wurden sie zu neuen, eben den bekannten prächtigen Gemälden umgesetzt und damit zu seiner Kunst. Peter Paul Rubens hatte die Kraft der Verwandlung. Er war mehr als ein genialer Kopist, er war ein Schöpfer von Werken, die sich zwar an den Vorlagen orientieren, aber in ihrer Faszination vollkommen neu und unvergleichlich sind.

Studie des Torso Belvedere um 1601/02 © The Metropolitan Museum of Art, New York

Mit Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur und Werken aus angewandter Kunst überschreitet die Ausstellung die Grenzen jedes Genres. Die Räume werden jeweils von einem oder mehreren Hauptwerken von Rubens beherrscht. Um sie herum sind neben eigenen Skizzen die Vorbilder gruppiert. Manche davon, wie der Torso Belvedere, das Mädchen im Pelz von Tizian oder die römische kauernde Venus, wären für sich betrachtet für jede Ausstellung eine Sensation. Hier haben sie jedoch nur dienende Funktion.

Ihre Aufgabe ist es, die kreative Arbeit von Rubens zu illustrieren. Mit völlig anderen Augen wird man nun das Gemälde „Ecce Homo“ betrachten, den leidenden Christus, dessen leicht zurück gebogener Oberkörper deutlich die Haltung des Kentauren einnimmt, den Rubens mit schwarzer Kreide als „Kentaur von Cupido gezähmt“ einige Jahre zuvor gezeichnet hat. Das mythologische Mischwesen aus Mensch und Tier wird bei ihm also zum Sinnbild für Jesus, der die Menschheit durch sein Leiden und Sterben erlöst hat.

 

In Wien und anschließend in Frankfurt werden insgesamt an die 120 Werke, darunter 48 Gemälde und 33 Zeichnungen von Rubens, ausgestellt. Etliche davon sind in ihren jeweiligen Heimatsammlungen prominente Anziehungspunkte für Besucher

In dieser von Gerlinde Gruber und Stefan Weppelmann, dem Direktor der Gemäldegalerie (beide KHM) und Jochen Sander, Vizedirektor des Städel Museums Frankfurt, kuratierten Ausstellung, in der man diese Werke in einem in dieser Art noch nie dagewesenen Zusammenhang betrachten und damit neben dem Kunstgenuss auf im wahrsten Sinn des Wortes anschauliche Weise sein Wissen über einen der Megastars der Malerei vertiefen kann. Erschienen ist begleitend zur Ausstellung ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen unter anderem von Aneta Georgievska-Shine, die unter dem Titel „In nova fert animus ... Rubens und die Poetik der Verwandlung“ zu den philosophischen Wurzeln der künstlerischen Nachahmung bei Aristoteles, Quintilian und Seneca vordringt und Parallelen bis zu Michaelangelo und dessen Fresken in der Sixtinischen Kapelle aufzeigt. Erschienen ist der Katalog bei HIRMER, herausgegeben von den Kuratoren der Ausstellung „RUBENS Kraft der Verwandlung“.

Selbstporträt um 1638 © KHM-Museumsverband
KHM neues Logo 300

 

Diashow mit den schönsten Objekten der Kunstkammer Wien

Statistik