Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Don Pasquale, Szenerie vor dem Behandlungsraum

Don Pasquale in Kirchstetten – a kranke G´schicht...

Rodica Vica (Norina), Leszek Solarski (Don Pasquale) © Stefan Häusler

...und als Medizin eine Frau gegen die späte Liebeslust eines Junggesellen

Die Geschichte beginnt damit, dass der alte Junggeselle Don Pasquale seinem Neffen Ernesto die Heirat mit der jungen, aber mittellosen Witwe Norina verbietet und sich eine reiche Frau an deren Stelle wünscht. Er kann nicht ahnen, dass ihm der Arzt Malatesta darob noch fürchterliches Kopfweh bereiten wird. Der gefinkelte und offenbar mit moderner Psychologie durchaus vertraute Medicus entfacht im alten Herrn spätes Liebesfeuer, indem er ihm seine Schwester Sofronia als Heiratskandidatin anbietet. Er überredet Norina, diese Rolle zu übernehmen. Sie ist sofort bereit, die Therapie einzuleiten und schafft es in spektakulärer Weise, Don Pasquale gründlich von seinem Johannistrieb zu kurieren und ihm die Zustimmung zu einer Verbindung ihrerseits mit Ernesto abzuzwingen. Bis es soweit ist, will Ernesto Abschied nehmen, um letztendlich doch noch rechtzeitig in die Pläne von Malatesta und Norina eingeweiht zu werden und zuletzt mit seiner Norina glücklich zu sein.

Don Pasquale Solisten © Stefan Häusler

Gaetano Donizetti hat auf diesen satirischen Stoff die adäquate Musik komponiert, mit Leichtigkeit und verstecktem Lachen in den Melodien. Die Arien offenbaren bei genauem Hinhören die Selbstironie der Figuren. Don Pasquale, selbstverständlich ein Bass, beginnt vor Vergnügen zu glucksen, wenn das bisher unbekannte Feuer (Un foco insolito mi sento addosso) in ihm ausbricht. Dabei wird er zur Karikatur seiner selbst. Aber auch die Jugend ist diesbezüglich nicht ungefährdet. Ernesto hat so weinerlich zu werden, dass es schon wieder lustig ist, wenn er sich schluchzend als Povero Ernesto! betrauert. Norina wiederum muss ihre Stimme in höchsten Tönen schonungslos als Antidot gegen die Flausen des Alten einsetzen, um ihm diese auszutreiben.

Don Pasquale, Chor mit Gerhard Eidher (Geraldino) © Stefan Häusler

Schloss Kirchstetten, besser gesagt, das Wohnzimmer Bertha von Suttners und damit die kleinste Oper Österreichs, ist in diesem Jahr Schauplatz dieser turbulenten Liebesaustreibung. Das Leading Team um Stephan Gartner (Intendanz) und Csaba Némedi (Regie) hat den medizinischen, besser gesagt, den psychiatrischen Aspekt dieser Oper nicht nur durchschaut, sondern gnadenlos als Sanatorium Schloss Kirchstetten, dessen Besitzer Don Pasquale ist, durchgestylt.

Der Besucher wird von Medikamentenschachteln, Krankenschwestern und Patienten empfangen und in einen Krankensaal geleitet, wo sich bereits das Orchester auf die zu erwartenden Behandlungen einstimmt.

 

Die Verpflegung in dieser Anstalt ist erstklassig. Dirigent Hooman Khalatbari kennt die akustischen Umstände und macht mit den Virtuosi Brunenses aus der Ouvertüre das zu Ohren gehende Amuse Gueule vor einem üppigen Mahl mit mächtigen Stimmen.

Leszek Solarski sieht zwar nicht aus wie ein üblicher Don Pasquale, eher wie ein Althippie im Donkosaken-Outfit. Er ist weder alt noch würde man in diesem Hünen einen Junggesellen vermuten, aber sein Bass hat Grundgewalt und er hat Humor, sich singend in eine Zwangsjacke stecken zu lassen. Um ihn herum wieselt als smarter Doktor Malatesta Mark Zimmermann, der mit beachtlich hellem Bariton sowohl den Don Pasquale als auch Norina um den Finger zu wickeln versteht. Rodica Vica ist attraktiv und temperamentvoll und überträgt diese Eigenschaften eins zu eins auf ihre Norina und schafft es, gekonnt zwischen ernster Höhe und dem Schabernack spitzer Töne zu unterscheiden. Ernesto (Miloš Bulajić) setzt auf den Schmelz seines Tenors, wenn es darum geht, sich in einem Narrenhaus durchzusetzen, das heißt, gegen einen Chor, der aufgeteilt in Pflegepersonal und Patienten beinahe beängstigend realistisch die Bühne besetzt, um mit Applaus bedacht doch wieder in irgendwelchen Behandlungsräumen zu verschwinden - schräg, aber mit ein bisschen Nachdenken ein zutreffender Don Pasquale.

Leszek Solarski (Don Pasquale), Mark Zimmermann (Dr. Malatesta) © Stefan Häusler
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