Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Regimentstochter, Solisten mit Dirigent Hooman Khalatbari  © Martin Hesz

LA FILLE DU RÉGIMENT Donizetti als Cirque du Belcanto

Natascha Young © Martin Hesz

Mit solchen Stimmen lässt sich´s leicht auch lustig sein

Das kleinste Opernhaus Österreichs ist auch heuer wieder Schauplatz großer Oper. Intendant Stephan Gartner kann man vielleicht vieles nachsagen, aber Kleinmut und Ängstlichkeit sind seine Sache nicht. Er wagte es, eine der schwierigsten Belcanto-Opern auf das Programm zu setzen, nämlich „Die Regimentstochter“ von Gaetano Donizetti. Gartner selbst gibt als Grund dafür an, dass damit die Donizetti-Trilogie nach „ L'elisir d'amore“ und „Don Pasquale“ vollendet sei. Aber dazu braucht es erstens eine Koloratur, die in einem Schwung über mehrere Oktaven bis zu höchsten Höhen schweben kann, zweitens einen Tenor, dem das hohe C keine schlaflosen Nächte bereitet. Dazukommt, dass das Libretto dieser Oper in Französisch geschrieben ist, in einer hierzulande musikalischen Fremdsprache. Wer wagt, gewinnt! Das Klassik Festival Schloss Kirchstetten wird wohl, und das ohne Übertreibung, mit dieser Produktion zu einer Pilgerstätte für Connaisseure des Belcanto und für die Entdecker noch weitgehend unbekannter Stimmen in einer Opéra comique, die ihrer Bezeichnung mehr als gerecht wird.

Diego Gonzalo Godoy © Martin Hesz

Regisseur Csaba Némedi setzt an die Stelle des heutzutage nicht sosehr mit Sympathien beladenen Militärs eine Zirkustruppe. Seine Soldaten sind übermütige Artisten und Hauptmann Sulpice ist deren Direktor. Ján Ďurčo ist ein richtiger Vater des Regiments, pardon, der Zirkustruppe. Sein mächtiger Bassbariton wird im doch kleinen Saal des Schlosses Kirchstetten zu einem „hautnahen“ Erlebnis, wie es die Neupositionierung des Festivals vorsieht. Seine „camarades“ sind die Herren vom Chor, die vom Wiener Kammerchor gestellt werden und gleichermaßen herrlich blödeln wie großartig singen können. Ihnen gegenüber stehen kongenial die Damen, die einmal zum Himmelvater flehen, weil die Männer in den Krieg müssen, an anderer Stelle sich aber als recht kokette Mädels den Burschen an den Hals werfen.

Die Marquise von Berkenfield hat damit nichts am Hut. Biljana Kovač ist eine Altistin von besonderer Klasse. In der Tiefe vibriert ihre Stimme in der Lage von Männerstimmen, um sich gleich darauf in sichere Höhen aufzuwerfen. Dazu kommt das schauspielerische Talent, mit dem sie ihren Abscheu vor jeder niedrigen Geselligkeit zum Ausdruck bringt, wenn sie sich allein mit ihrem diensteifrigen Hortensius (Marlon da Silva Maia) umgibt.

Marlon da Silva Maia, Biljana Kovač © Martin Hesz

Hooman Khalatbari schafft mit einem Miniorchester (mehr Musiker der Virtuosi Brunenses hätten in diesem „Orchestergraben“ auch nicht Platz) wundervolle Klänge, auf die sich die Solisten vertrauensvoll mit ihren Arien setzen können.

Tonio hat mit Diego Gonzalo Godoy einen würdigen Darsteller des Tiroler Burschen gefunden, der gekonnt Französisch spricht und sich aus lauter Liebe den Soldaten der Grande Nation, in diesem Fall dem diesem Cirque du Belcanto anschließt. So stellt man sich einen Tenor vor, der voller Charme und Schmelz mühelos die tollsten Hürden schafft, die Donizetti dieser Rolle in die Partitur geschrieben hat. Kein Wunder, dass Marie, eben die Tochter des Regiments, in ihn vernarrt ist.

Diego Gonzalo Godoy, Natascha Young, Ján Ďurčo © Martin Hesz

Natascha Young gibt das Mädel, das von Männern aufgezogen wurde, mit einer Natürlichkeit, die man bei einer Operndiva dieses Fachs erst einmal suchen muss. Es macht ihr offenbar Spaß, mit ihrer Stimme unglaubliche Kunststückeln zu vollbringen, jeden Ton, und sei er noch so extrem, auf den Punkt zu treffen und im Pianissimo wie selbstverständlich höchst komplizierte Melodiebögen einfach aus sich herausströmen zu lassen.

Aber ihren Tonio könnte sie dennoch nicht heiraten, wäre da nicht die Herzogin von Krackenthorp (Edith Soukup), die wie ein schwankender Deus ex Machina mit einem Sektglas in der Hand erscheint und als Sprechrolle Sätze von sich gibt wie „Kindchen, hier verlierst du alles: deine Schönheit, deine Lebenslust, deine schöne Stimme... Das einzige was du behalten wirst, ist deine Jungfräulichkeit... Und glaube mir: Die ist etwas sehr Wertvolles! Man sollte sie bei guter Konjunktur an den Mann bringen.

Mitglieder des Wiener Kammerchors als Artisten © Martin Hesz
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