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Frühere Verhältnisse Ensemble © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Frühere Verhältnisse, von Nestroy gnadenlos aufgedeckt

Sissy Boran, Dagmar Truxa © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

35 Jahre Komödie am Kai oder nicht doch schon viel länger?

Es war das vorletzte Stück des großen Johann Nestroy. Uraufgeführt wurde es am 7. Jänner 1862 in Karl Treumanns Theater am Franz-Josefs-Kai, nur ein paar Schritte entfernt von der Komödie am Kai, die am 27. Mai 2017 das 35-jährige Bestehen feiert. Es lag also nahe, für das Jubiläum „Frühere Verhältnisse“ ins Programm zu nehmen. Als hätte Nestroy die Komödie am Kai gekannt und ihr diese „Posse mit Gesang in einem Act“ auf den Leib geschrieben: Vier Rollen, die für das Fest mit einem direkt dem alten Wiener Vorstadttheater entsprungenen Prologus und vazierendem Hausknecht (Robert Mohor) auf fünf erweitert wurden, ein elegantes Zimmer in reichem Haus als einziger Schauplatz (Bühnenbild: Siegbert Zivny und Herwig Libowitzky) und eine Prinzipalin (Sissi Boran), auf die Josephine, die Tochter aus gutem Haus, als Darstellerin gewartet zu haben scheint. Regisseur Peter Josch hat nicht viel herumgetrickst, sondern das Stück in schöner Wiener Tradition auf die Bühne gestellt, ganz nach dem Motto: „Wie´s so sind bei die kleinen Theater, bei den großen ist´s anders.

Rudolf Pfister © Komödie am Kai/Andrea Ecksstein

Frühere Verhältnisse, wie sie Nestroy in seiner scharf pointierten Unliebe zu seinen Mitmenschen erdacht hat, haben es in sich. Sie werden Teil eines nicht gerade wohlmeinenden Schicksals, das den herabgekommenen Herrn Anton Muffl zum Hausknecht seines ehemaligen Bediensteten Scheitermann degradiert. Der, inzwischen mit Holzhandel zu Reichtum gelangt, hat wiederum vor nichts mehr Angst, als vor der Entdeckung des einst unwürdigen Standes seiner Frau gegenüber.

Peter Kuderna, Rudolf Pfisterer, Dagmar Truxa © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Um die Verwicklungen perfekt zu machen, erhält Muffls ehemalige Geliebte „Pompadour“ Peppi Amsel im selben Haushalt die Stelle als Köchin, gibt sich dem neuen Hausknecht gegenüber aber als Herrin des Hauses aus. Zu allem Überfluss taucht ein finsterer Verdacht auf... Dass so ein Pallawatsch dennoch gut ausgeht, ist wieder typisch Nestroy. Er lässt mit dem für ihn selbst geschriebenen Muffl seinen Grant auf das Publikum prasseln, um danach wieder mit der Menschheit versöhnt zu sein.

Als solcher meint Rudolf Pfister: „Da hab´i scho gnua, da hab´ i scho gnua!“ und lässt keine Gelegenheit aus, seinem neuen Brotgeber in Gestalt von Peter Kuderna in g´sunder Bösartigkeit die ehemalige Ordnung spüren zu lassen. Er duzt ihn ungeniert, während der andere ihm gegenüber beim braven Sie bleibt. Kuderna wiederum laviert elegant zwischen der Würde eines zu Geld gekommenen Geschäftsmannes und seiner Ängstlichkeit, während er sich einzureden versucht: „Ist alles net wahr! Ist alles net wahr!“ Er kennt diesbezüglich seine Gattin doch nicht gut genug, denn diese ist die Nachsicht in Person, die sie in einem Couplet nicht ausgiebig genug besingen kann. Etwas mehr Erfahrung hat diesbezüglich Peppi Amsel (Dagmar Truxa).

Sie lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie weiß, wie Männer ticken: „´S ist a starkes Geschlecht, aber schwach, aber schwach!“ Hinter all dem steht aber die ewig gültige Wahrheit, wie sie Nestroy formuliert hat: „So gibt´s viel gute Menschen, aber grundschlechte Leut´!“ Gewappnet mit einer so wohl differenzierten Einstellung kann´s nur gut weitergehen mit der Komödie am Kai, die sich in den dreieinhalb Jahrzehnten ihres Bestehens als Hort des feinen Boulevards der Wiener Theaterszene erfolgreich behauptet hat.

Frühere Verhältnisse Ensemble © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

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