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Der dressierte Mann Ensemble © Andrea Eckstein/Komödie am Kai

DER DRESSIERTE MANN als amüsante weibliche Wunschvorstellung

Der dressierte Mann Ensemble © Andrea Eckstein/Komödie am Kai

Ist das Y-Chromosom tatsächlich nur ein abgebrochenes X?

Die Menschenkennerin Esther Vilar hat mit “Der dressierte Mann“ einen Bestseller gelandet. Als Mann sollte man das Buch wirklich einmal lesen, um zu wissen, wie Frauen diesbezüglich ticken. Eine Idee davon vermittelt der deutsche Schriftsteller John von Düffel im gleichnamigen Theaterstück, das nun in der Komödie am Kai unter der bewährten Regie von Sissy Boran sowohl männliches wie auch weibliches Publikum bestens unterhält. Es geht um das alte Problem, dass sie Karriere macht und das Zehnfache von ihm verdient. Wie damit umgehen? Bedeutet diese Unterlegenheit automatisch Impotenz? Ist es für ihn möglich, den Erfolg seiner Partnerin anzuerkennen? Alles Fragen, die im Grunde in unserer westlichen Gesellschaft längst geklärt sein sollten. Sind es aber nicht! Noch immer sitzen alte archaische Vorstellungen vom Mann als dem Ernährer und der Frau, die ihn deswegen heiraten will, in den Kleinhirnen der Beteiligten, zumindest in dieser Komödie, die sich unter dem Deckmantel der Unterhaltung durchaus ernsthaft mit derlei Konflikten auseinandersetzt.

Eva Agai, Bernadette Mezgolits, Ulli Fessl © Andrea Eckstein/Komödie am Kai

John von Düffel hat sich als Mann ein besonders streichelweiches Exemplar ausgesucht. Andreas, sehr glaubhaft dargestellt von Rafael Witak, ist in einer Frauen-WG aufgewachsen. Seine Mutter Dr. Elisabeth Sturm-Wurm (sehr alternativ: Eva Agai) ist Feministin und Professorin an einer Universität mit einem Lehrstuhl für Gender Studies. Schon der kleine Andi musste beim Pinkeln sitzen, durfte keine Lederjacke tragen und hatte selbst zu kochen. Dass ausgerechnet dieser Softie an Laura gerät, die ihn in der gleichen Bank, in der auch er arbeitet,

mit einem Riesensatz nach oben abhängt, scheint die logische Konsequenz einer frühkindlich gelenkten Partnersuche zu sein. Bernadette Mezgolits ist der ideale Typ für die burschikose Bankerin, die jedoch sowohl im Businessanzug als auch im femininen Kleid der Hausfrau aus den 1960er-Jahren eine ausnehmend gute Figur macht. Ihre Mutter ist damit alles andere als glücklich. Konstanze Mayerhofer ist der unerschütterlichen Meinung, dass sich Frauen einen Mann als Lebensversicherung halten sollten und nicht umgekehrt. Für diese Rolle wurde Ulli Fessl gewonnen, eine wunderbare Komödiantin, die mit Charme und Koketterie, aber auch mit einer ordentlichen Portion Ironie die Rollenbilder von einst vertritt. Dass ein Mann dressiert werden muss, darin ist sie sich mit der akademisch ausgebildeten Feministin absolut einig. Aber beide Mütter stoßen auf Widerstand bei der Jugend. Andreas und Laura kümmern sich einen Schmarren um deren Ansichten und gehen ihren Weg, auf dem weder ein dressierter Mann, noch eine Frau als Dompteurin vorgesehen sind.

Bernadette Mezgolits, Rafael Witak © Andrea Eckstein/Komödie am Kai

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