Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Dany Sigel, Peter Josch © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

JOSEF UND MARIA Ein Weihnachtsmärchen für Erwachsene

Dany Sigel, Peter Josch © Komödie am Kai/anrea Eckstein

Ein das Herz erwärmender Turrini und ein großartiges „heiliges“ Paar

Gut, Weihnacht ist vorbei, die Lichterketten sind verpackt und die Christbäume entsorgt. Dennoch weht noch wochenlang ein Hauch der festlichen Stimmung dieser Tage durch das Gemüt, wenn auch längst der Alltag wieder eingekehrt ist, die Geschenke umgetauscht und die Spielsachen bereits ruiniert sind. Es macht also Sinn, Peter Turrinis Weihnachtsmärchen für Erwachsene „Josef und Maria“ Anfangs Jänner auf den Spielplan zu setzen. Erstens handelt es sich dabei um ein Juwel der österreichischen Theaterliteratur, zweitens um eine wertvolle Sammlung von Denkanstößen und drittens gibt dieses Stück zwei nicht mehr ganz so jungen Schauspielern Gelegenheit, ihr facettenreiches Können auszuspielen.

 

Was sich wie der Titel eines Hirtenspiels ausnimmt, ist eine Erinnerung an das Jahr 1991, als es noch Kassettenrekorder und ob des Zusammenbruchs des Sozialismus verbitterte Kommunisten gab. Josef ist einer von denen, die ihr Lebtag lang vehemt, aber vergebens gegen den Kapitalismus gekämpft haben.

Dany Sigel © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Die Nazizeit hat er nur überlebt, weil er für verrückt erklärt worden war. Er ist Freidenker und hält überhaupt nichts von einem göttlichen Jesukindlein, das just am 24. Dezember auf die Welt gekommen sein soll. Trotz seines Alters, er ist knapp über siebzig, streift er als Nachtwächter mit Stablampe nach Ladenschluss durch ein Großkaufhaus, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. In einer Art Aufenthaltsraum für das Personal trifft er auf die Putzfrau Maria. Auch diese Dame scheint schon bessere Tage gesehen zu haben. Sie erscheint im Pelzmantel, beladen mit Taschen voller Geschenke für ihre Lieben. Die Wahrheit kommt aber umgehend zutage, als sie das alles ablegt und die Kleiderschürze anzieht, Kübel mit Wasser richtet und den Boden aufzuwischen beginnt. Noch klarer wird ihr Zustand, wenn sie mit einem toten Telefon, dessen Kabel lose über dem Boden pendelt, ihre Familie anruft und sich zumindest die Illusion eines gemeinsamen Festes verschafft.

 

Zwischen den beiden grundverschiedenen Personen beginnt sich nach langem aneinander Vorbeireden dennoch eine Art Harmonie als Ausweg aus ihrer jeweiligen Einsamkeit zu entwickeln. Maria war 1938 Tänzerin in einem Nachtklub in Tirana. Sie hat sich über die Jahrzehnte eine Menge der ehemaligen Reize bewahrt, wenn Josef auch erst energisch mit der Nase darauf gestoßen werden muss. In der Ausstattung von Doris U. Reichelt, die mit alten Spinden, einem Kleiderständer mit abgelegten Klamotten und einem voll geräumten Einkaufswagerl einen alles andere als weihnachtlichen Hintergrund geschaffen hat, arrangieren sich Dany Sigel als Maria Patzak und Peter Josch als Josef Pribil ihr ganz persönliches Fest. Regisseur Richard Maynau weiß offenbar ganz genau, was er an diesen beiden großartigen Schauspielern hat.

Es blitzt ohne jede Peinlichkeit Erotik auf, wenn Maria im Unterrock ihre neue Liebe Josef umgarnt, bis er in seinen langen Unterhosen zu ihr auf dem Kanapee unter die Decke kriecht. Die beiden verstehen es, jedwede Sentimentalität zu vertreiben und den Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, wenn er hartnäckig Artikel aus der Pravda vorliest, während sie aus einer Flasche Johnny Walker Black Label zwischenmenschliche Wärme in diesen Heiligabend zu gießen versucht.

Dany Sigel, Peter Josch © Komödie am Kai/andrea Eckstein

Theater-Wahnsinn Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

THEATER-WAHNSINN?! Revue für vier leidenschaftliche Komödianten

Theater-Wahnsinn Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

Hinter allem Lachen das emotionale Bekenntnis zu einem Leben für die Bühne

Wer einmal davon infiziert ist, bleibt von dieser „Krankheit“ lebenslang befallen. Gemeint ist das Theater, das bekanntlich keinen mehr loslässt, der sich unvorsichtig zu intensiv damit eingelassen hat. Das Gefühl, die Menschen da draußen im dunklen Zuschauerraum zu spüren, diese direkte Verbindung zum Publikum aufzubauen, ist rational schwer erklärbar. Und doch weiß der Schauspieler auf geheimnisvolle Weise, wie er unten ankommt. Der Applaus ist zwar die Bestätigung dafür, aber noch mehr ist er ein Suchtmittel, ohne das sich ein Leben nicht mehr lohnt. Einem Schauspieler kann man schonungslos alles sagen, aber nur das Beste, ist ein geflügeltes Wort in diesen Kreisen. Schließlich trägt er jeden Abend sein Haut zu Markte und ist dementsprechend empfindlich, zum Beispiel auf Kritik, und sei sie noch so gut gemeint. Daher ist auch in der schreibenden Zunft Vorsicht geboten, was man zu einem neuen Stück sagt. Aber noch schlimmer ist es, wenn der vom Theatervirus Befallene vielleicht gerade kein Engagement hat und zusehen muss, wie andere auf der Bühne stehen und spielen dürfen.

Peter Kuderna, Sissy Boran © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

„Theater-Wahnsinn?!“ schlägt genau in diese Kerbe. Sissy Boran, unerschütterliche Prinzipalin der Komödie am Kai, hat gemeinsam mit ihrer rechten Hand Andrea Eckstein eine Revue aus Chansons und bewährten Sketches zusammen gestellt, die hinter allem Lachen, das sie einen Abend lang bietet, ein emotionales Bekenntnis zu einem Leben auf der Bühne ist. Im Grunde ist es eine berührende Story, die das dennoch erfüllte Dasein einer Provinztruppe abseits der großen Bühnen erzählt.

Theater-Wahnsinn Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

Boran selbst als Luise Sommer schildert authentisch und sehr persönlich, was ihre Heldin bewegt, ein Theater zu führen. In feinen Zwischentönen lässt durchschimmern, dass ein solches Unterfangen alles andere als ein Honiglecken ist. Aber, so sagt sie an einer Stelle, „es ist wie ein Wunder“, das täglich passiert. Sie lernt ihren Waldemar kennen, alles andere als ein Traummann, doch, wie schon der alte Schlager sagt, liebt sie ihn. Hochachtung für Peter Kuderna, der als Waldemar Sommer tapfer die Mühen des Tingelns mit seiner Luise teilt.

Otto Hupfauf, ein Trafikant, lässt sich trotz garantierter Talentlosigkeit nicht davon abhalten, als Mitglied dieses Ensembles in Wirtshaussälen und Volksheimen aufzutreten. Victor Kautsch ist ein Komödiant ohne Rücksicht auf sich selbst. Mit zusammen gezwickten Beinen und einer Rolle Klopapier steht er vor dem besetzten Häusel und rezitiert in seiner Not wie einer vom Burgtheater den Monolog „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ aus Shakespeares Hamlet.

Ganz im Gegensatz zu Otto lässt Luna Soleil (Bernadette Mezgolits) keinen Zweifel offen, dass sie alles kann, was eine Schauspielerin braucht. Sie kann großartig tanzen, singen und spielen, dazu schaut sie noch ungemein verführerisch aus. Kein Wunder, dass es eine Weile dauert, bis die Chefin der Truppe einwilligt, dass man die junge Dame ins Ensemble holt. Wenn es dann aber so weit ist, dann steht einem vergnüglichen Abend voll „Theater-Wahnsinn“ nichts mehr im Wege.

Victor Kautsch © Komödie am Kai / Andrea Boran

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