Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Sei lieb zu meiner Frau Ensemble © Komödie am Kai

SEI LIEB ZU MEINER FRAU während ich mit deiner schlafe

Sei lieb zu meiner Frau Ensemble © Komödie am Kai

Zufälle können grausam sein, vor allem gegen Seitenspringer

Oscar, ein junger Mann, erscheint beim soignierten Herrn Karl in dessen Chefbüro, um ihm zweierlei mitzuteilen. Erstens eröffnet er ihm, dass er von dessen Verhältnis zu seiner Frau Sabrina in Kenntnis ist, zweitens, und das ist mehr als erstaunlich, ersucht er seinen Nebenbuhler, sich in dieser Angelegenheit etwas mehr Mühe zu geben. Schließlich ist seine Frau nur genießbar, wenn auch der außereheliche Verkehr klappt. Er selbst hat, wie sich im Verlauf des Stückes herausstellt, ebenfalls eine Freundin, Mona mit Namen. Die Dame ist nicht mehr so jung wie seine Angetraute, aber sie hat ungemein viel Sex und Raffinesse. Da Herr Karl ein Zeitungsherausgeber ist, hat er Möglichkeiten, günstige Reisen zu organisieren. Die Planerei mit dem AEG, der außerehelichen Geilheit, führt jedoch dazu, um sowohl Karl mit Sabrina als auch Oscar mit Mona in einem Hotel in Istanbul auf derselben Terrasse einander gegenüberstehen zu lassen. Nachdem nur der Zuschauer weiß, dass Mona die Frau von Karl ist, lässt sich durch gezieltes Verwirrspiel sogar dieser saloppe Partnertausch vertuschen.

Michael Duregger, Irene Budischowsky © Komödie am Kai

Damit stellt sich auch nicht die Frage, ob irgend eine oder einer der Beteiligten was dagegen haben könnte. Andere Paare, die ähnliche Experimente zwecks Auffrischung ehelicher Erotik bereits versucht haben, sind längst nicht in einer so glücklichen Lage, dass sich am Ende alles zum Besten, in diesem Fall zum gemeinsamen Weiterflug nach Marrakesch wendet.

Julia Resinger, Christian Spatzek © Komödie am Kai

Sissy Boran hat dieses Erfolgsstück von René Heinersdorff auf die Bühne ihrer Komödie am Kai gestellt. Zum Glück hält sie vom Moralisieren genauso wenig wie der Autor und lässt der Handlung ihren freizügigen Lauf. In einem geschickt arrangierten Bühnenbild (Siegbert Zivny), das im Handumdrehen aus dem Chefbüro ein Stundenhotel und die Terrasse des Hotel Bosporus macht, lassen sich die beziehungsmäßigen Verwirrungen mit flottem Tempo und witzig umsetzen.

Als Karl gibt Christian Spatzek einen mehr als selbstbewussten Chef, der längst begriffen hat, dass nur der Beischlaf mit anderen Frauen wirklich Vergnügen macht. Dass ihm, dem Fan von klassischer Musik, bei einem Konzert Sabrina über den Weg gelaufen ist, wird von ihm dankend als freundliche Schicksalsfügung angenommen. Die Dame, so ist er der Auffassung, sollte aber gelegentlich wieder an deren Gatten zurückgestellt werden.

Die junge Frau, gespielt wird sie von Julia Resinger, erwartet sich zwar etwas mehr als nur der libidinöse Abtrittsstein zu sein, lässt sich dennoch trotz seiner Nachlässigkeit zum Weitermachen überreden, freilich ohne zu wissen, dass ihr Oscar hinter dem neuen Engagement steckt. Michael Duregger bringt mit diesem gehörnten Ehemann geschickt Komik ins Geschehen. Er hat, so will es die Handlung, tatsächlich eine Affäre mit Mona, und man fragt sich, wie dieser lustige Bursch zu einer solch interessanten Frau gekommen ist. Irene Budischofsky gibt diese verführerische Geheimnisvolle, die nichts von irgendwelchen Vergangenheiten ihres Toy Boys wissen will. Ihre Erschienung ist sowohl im Alltagsoutfit als auch in Reizwäsche ungemein attraktiv und man versteht Oscar, dass er für solch verlockende Betterlebnisse Sabrina betrügt. Nietzsche hätte gesagt: Menschliches, Allzumenschliches, denn ganz ehrlich, wen juckt es nicht immer wieder einmal, Abenteuer zu erleben, die alles andere als stubenrein sind.

Irene Budischowsky, Julia Resinger © Komödie am Kai

Theater-Wahnsinn Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

THEATER-WAHNSINN?! Revue für vier leidenschaftliche Komödianten

Theater-Wahnsinn Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

Hinter allem Lachen das emotionale Bekenntnis zu einem Leben für die Bühne

Wer einmal davon infiziert ist, bleibt von dieser „Krankheit“ lebenslang befallen. Gemeint ist das Theater, das bekanntlich keinen mehr loslässt, der sich unvorsichtig zu intensiv damit eingelassen hat. Das Gefühl, die Menschen da draußen im dunklen Zuschauerraum zu spüren, diese direkte Verbindung zum Publikum aufzubauen, ist rational schwer erklärbar. Und doch weiß der Schauspieler auf geheimnisvolle Weise, wie er unten ankommt. Der Applaus ist zwar die Bestätigung dafür, aber noch mehr ist er ein Suchtmittel, ohne das sich ein Leben nicht mehr lohnt. Einem Schauspieler kann man schonungslos alles sagen, aber nur das Beste, ist ein geflügeltes Wort in diesen Kreisen. Schließlich trägt er jeden Abend sein Haut zu Markte und ist dementsprechend empfindlich, zum Beispiel auf Kritik, und sei sie noch so gut gemeint. Daher ist auch in der schreibenden Zunft Vorsicht geboten, was man zu einem neuen Stück sagt. Aber noch schlimmer ist es, wenn der vom Theatervirus Befallene vielleicht gerade kein Engagement hat und zusehen muss, wie andere auf der Bühne stehen und spielen dürfen.

Peter Kuderna, Sissy Boran © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

„Theater-Wahnsinn?!“ schlägt genau in diese Kerbe. Sissy Boran, unerschütterliche Prinzipalin der Komödie am Kai, hat gemeinsam mit ihrer rechten Hand Andrea Eckstein eine Revue aus Chansons und bewährten Sketches zusammen gestellt, die hinter allem Lachen, das sie einen Abend lang bietet, ein emotionales Bekenntnis zu einem Leben auf der Bühne ist. Im Grunde ist es eine berührende Story, die das dennoch erfüllte Dasein einer Provinztruppe abseits der großen Bühnen erzählt.

Theater-Wahnsinn Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

Boran selbst als Luise Sommer schildert authentisch und sehr persönlich, was ihre Heldin bewegt, ein Theater zu führen. In feinen Zwischentönen lässt durchschimmern, dass ein solches Unterfangen alles andere als ein Honiglecken ist. Aber, so sagt sie an einer Stelle, „es ist wie ein Wunder“, das täglich passiert. Sie lernt ihren Waldemar kennen, alles andere als ein Traummann, doch, wie schon der alte Schlager sagt, liebt sie ihn. Hochachtung für Peter Kuderna, der als Waldemar Sommer tapfer die Mühen des Tingelns mit seiner Luise teilt.

Otto Hupfauf, ein Trafikant, lässt sich trotz garantierter Talentlosigkeit nicht davon abhalten, als Mitglied dieses Ensembles in Wirtshaussälen und Volksheimen aufzutreten. Victor Kautsch ist ein Komödiant ohne Rücksicht auf sich selbst. Mit zusammen gezwickten Beinen und einer Rolle Klopapier steht er vor dem besetzten Häusel und rezitiert in seiner Not wie einer vom Burgtheater den Monolog „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ aus Shakespeares Hamlet.

Ganz im Gegensatz zu Otto lässt Luna Soleil (Bernadette Mezgolits) keinen Zweifel offen, dass sie alles kann, was eine Schauspielerin braucht. Sie kann großartig tanzen, singen und spielen, dazu schaut sie noch ungemein verführerisch aus. Kein Wunder, dass es eine Weile dauert, bis die Chefin der Truppe einwilligt, dass man die junge Dame ins Ensemble holt. Wenn es dann aber so weit ist, dann steht einem vergnüglichen Abend voll „Theater-Wahnsinn“ nichts mehr im Wege.

Victor Kautsch © Komödie am Kai / Andrea Boran

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