Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Anatol Rieger, Robert Mohor, Sonja Zobel © Komödie am Kai

DIE PFARRHAUSKOMÖDIE Damit auch der Teufel was zu lachen hat

Die Pfarrhauskomödie Ensemble © Komödie am Kai

Der liebe Gott weiß alles, nur sagt er´s nicht weiter

Der Zölibat lastet wie ein schweres Kreuz auf der katholischen Kirche. 2022 sind es 1000 Jahre, dass Papst Benedikt VIII. die verbindliche Ehelosigkeit für Geistliche auf der Synode von Padua verkündete. Dabei verbot er auch, nicht wie man heute hinter vorgehaltener Hand über die Freundin des Pfarrers witzelt, das Zusammenleben mit Konkubinen: also no Sex for them! Eine Übertretung wurde mit dem Kirchenbann geahndet. Dennoch wagen es junge Männer immer wieder, sich dem Priesteramt zu verschreiben und hoffen auf die Stärke, die ihnen Gebet und fromme Meditation verschaffen sollen. Diejenigen, die diesen Kreuzweg aus ihrer persönlichen Berufung durchleiden müssen, haben nicht immer die Kraft, diesen bis Golgota zu gehen und „springen aus der Kutte“, wie der Volksmund rüde den Austritt aus dem geistlichen Stand bezeichnet. Deshalb ist es durchaus problematisch, über Liebesgeschichten zwischen Priestern und deren Pfarrersköchinnen eine Komödie zu schreiben. Der 1881 im bayerischen Vilshofen geborene Schriftsteller Heinrich Lautensack hat es dennoch getan.

Robert Mohor © Komödie am Kai

Mit Lächeln und Augenzwinkern macht er aus einem keuschen Pfarrhof ein Liebesnest. Es gibt die nicht mehr ganz junge Haushälterin, die in andere Umstände gerät, dazu den Pfarrer als Vater ihres Kindes, und die knackige blutjunge Ersatzköchin, die sich den feschen Kooperator (Kaplan) krallt. Damit nichts herauskommt, werden alle Beteiligten zum heiligen Schweigen aufgefordert. Die Beichte nehmen sich die Herren gegenseitig ab. Braucht ja sonst niemand was zu wissen. Der Allwissende erzählt ohnehin nichts weiter.

 

Dass zwischen der Zeit der Handlung und heute gnädige 100 Jahre verstrichen sind, nimmt dem Ganzen den Bierernst, der nicht nur im bayerischen Katholizismus eines Herrn Lautensack dieses Thema an sich beherrschen sollte. Peter Josch hat in diesem Sinn für die Komödie am Kai Regie geführt und gleich selbst die Rolle des Achatius Achaz, seines Zeichens potenter Pfarrer, übernommen. Welch nachsichtiger Geistlicher ist der Welt mit diesem Mann verloren gegangen, aber schließlich ist Josch ja Schauspieler. Sein Kooperator Vincenz Maurermeier ist Anatol Rieder, der sehr authentisch den anfangs von seinem Amt überzeugten Jungpriester eifrig im Brevier lesen lässt.

Bis ihn die lebenskluge Irma Prechtl (Sonja Zobel) auf Abwege und in ihr Bett bringt. Eigentlicher Anlass für den jungen Ersatz ist die lang gediente Ambrosia Lindpaintner, der Angela Schneider alle Eigenschaften einer braven, Guglhupf backenden Pfarrersköchin mitgibt. Dass dazu auch ein Kind und eine deswegen gut begründete Abwesenheit von ihrer Pfarrersküche gehört, ist Sache des Diabolo. Robert Mohor ist der kleine arme Teufel, der für den großen Höllenfürsten die Menschen zum Bösen verführen soll. Er erledigt seine Aufgabe in diesem Pfarrhaus sehr fein und peppt mit seinem höllischen Grinsen diese ein wenig biedere Pfarrhauskomödie ganz infernalisch auf.

Anatol Rieger, Sonja Zobel © Komödie am Kai

Theater-Wahnsinn Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

THEATER-WAHNSINN?! Revue für vier leidenschaftliche Komödianten

Theater-Wahnsinn Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

Hinter allem Lachen das emotionale Bekenntnis zu einem Leben für die Bühne

Wer einmal davon infiziert ist, bleibt von dieser „Krankheit“ lebenslang befallen. Gemeint ist das Theater, das bekanntlich keinen mehr loslässt, der sich unvorsichtig zu intensiv damit eingelassen hat. Das Gefühl, die Menschen da draußen im dunklen Zuschauerraum zu spüren, diese direkte Verbindung zum Publikum aufzubauen, ist rational schwer erklärbar. Und doch weiß der Schauspieler auf geheimnisvolle Weise, wie er unten ankommt. Der Applaus ist zwar die Bestätigung dafür, aber noch mehr ist er ein Suchtmittel, ohne das sich ein Leben nicht mehr lohnt. Einem Schauspieler kann man schonungslos alles sagen, aber nur das Beste, ist ein geflügeltes Wort in diesen Kreisen. Schließlich trägt er jeden Abend sein Haut zu Markte und ist dementsprechend empfindlich, zum Beispiel auf Kritik, und sei sie noch so gut gemeint. Daher ist auch in der schreibenden Zunft Vorsicht geboten, was man zu einem neuen Stück sagt. Aber noch schlimmer ist es, wenn der vom Theatervirus Befallene vielleicht gerade kein Engagement hat und zusehen muss, wie andere auf der Bühne stehen und spielen dürfen.

Peter Kuderna, Sissy Boran © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

„Theater-Wahnsinn?!“ schlägt genau in diese Kerbe. Sissy Boran, unerschütterliche Prinzipalin der Komödie am Kai, hat gemeinsam mit ihrer rechten Hand Andrea Eckstein eine Revue aus Chansons und bewährten Sketches zusammen gestellt, die hinter allem Lachen, das sie einen Abend lang bietet, ein emotionales Bekenntnis zu einem Leben auf der Bühne ist. Im Grunde ist es eine berührende Story, die das dennoch erfüllte Dasein einer Provinztruppe abseits der großen Bühnen erzählt.

Theater-Wahnsinn Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

Boran selbst als Luise Sommer schildert authentisch und sehr persönlich, was ihre Heldin bewegt, ein Theater zu führen. In feinen Zwischentönen lässt durchschimmern, dass ein solches Unterfangen alles andere als ein Honiglecken ist. Aber, so sagt sie an einer Stelle, „es ist wie ein Wunder“, das täglich passiert. Sie lernt ihren Waldemar kennen, alles andere als ein Traummann, doch, wie schon der alte Schlager sagt, liebt sie ihn. Hochachtung für Peter Kuderna, der als Waldemar Sommer tapfer die Mühen des Tingelns mit seiner Luise teilt.

Otto Hupfauf, ein Trafikant, lässt sich trotz garantierter Talentlosigkeit nicht davon abhalten, als Mitglied dieses Ensembles in Wirtshaussälen und Volksheimen aufzutreten. Victor Kautsch ist ein Komödiant ohne Rücksicht auf sich selbst. Mit zusammen gezwickten Beinen und einer Rolle Klopapier steht er vor dem besetzten Häusel und rezitiert in seiner Not wie einer vom Burgtheater den Monolog „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ aus Shakespeares Hamlet.

Ganz im Gegensatz zu Otto lässt Luna Soleil (Bernadette Mezgolits) keinen Zweifel offen, dass sie alles kann, was eine Schauspielerin braucht. Sie kann großartig tanzen, singen und spielen, dazu schaut sie noch ungemein verführerisch aus. Kein Wunder, dass es eine Weile dauert, bis die Chefin der Truppe einwilligt, dass man die junge Dame ins Ensemble holt. Wenn es dann aber so weit ist, dann steht einem vergnüglichen Abend voll „Theater-Wahnsinn“ nichts mehr im Wege.

Victor Kautsch © Komödie am Kai / Andrea Boran

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