Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Eine Stille für Frau Schirakesch Ensemble © Bettina Frenzel

EINE STILLE FÜR FRAU SCHIRAKESCH Satire von Theresia Walser

Katharina Solzbacher, Hannes Gastinger © Bettina Frenzel

Einmal nicht unnötig quatschen, das wär schon was

Auf einer Sitzgarnitur hat eine bunte Gesellschaft vermutlich für eine Talksendung im TV Platz genommen. Gesprächsrunde wäre der falsche Ausdruck dafür. Es geht um gemeinsames Schweigen, das die Welt auf die Steinigung einer Frau im weit entfernten „Tschundakar“ aufmerksam machen will. Niemand von den Anwesenden kennt Frau Schirakesch, ebenso weiß man nicht, warum sie gesteinigt wird, aber jeder hat so seine Vermutungen. Da noch mehr als eine Stunde bis zur Sendung Zeit ist, redet man sich eben hemmungslos warm. Eine Moderatorin achtet darauf, dass erst zur Sache gesprochen wird, wenn man auf Sendung ist. Also werden lustvoll alle nur gängigen Klischees durchgearbeitet. Schließlich ist es eine Satire, die Theresia Walser über unsere Sucht nach dem Talken zu allem und jeden verfasst hat.

 

Da darf der General schon ein bornierter Militarist sein, der für seine vorbereitete Rede vom Klosett auf dem Marktplatz von Tschundakar ein Podest beansprucht, oder die Schönheitskönigin ausgerechnet in einem streng muslimischen Land Zweite werden.

Walter Ludwig unter der Burka © Bettina Frenzel

Sie darf sich auch darüber beschweren, dass die Bikiniparade verboten wurde. Dabei soll sie so ziemlich den blödesten Satz gesagt haben, der in einer solchen Umgebung möglich ist. Laut ihrer bereits früher ausgeschiedenen Kollegin soll sie auf die Frage, was Allah zu diesem Bewerb sagen würde, geantwortet haben, dass er sich die Schönste von ihnen zur Frau genommen hätte. Eine junge Soldatin muss beschränkt sein, und sie beweist es auch, da sie erstens seit Wochen die Stiefel nicht auszieht und zweitens als Mitbringsel ständig ein erbeutetes Ohr bei sich trägt.

Was ihr gesprächiger Vater dabei zu suchen hat, wird nicht klar, offenbar auch nicht dem Ensemble, das sein Dasein aufgrund mangelnder Bedeutung mit der Rolle als Burkaträger aufwertet.

 

Regisseurin Dora Schneider hat dieses Stück so flott umgesetzt, dass man erst nachher drauf kommt, was ein solches Thema wie die Steinigung von Frau Schirakesch alles beinhalten hätte können. Schneider hat sich davon jedoch nicht verleiten lassen. Sie hat sich an die Vorgabe des Textes gehalten und den Wildwuchs an „Talkshows auf allen Kanälen“ bloßgestellt. Als Talker agieren sehr überzeugend Hannes Gastinger (General), ganz auf zickige Miss: Marius Michael Huth, Karin Yoko Jochum als Ausgeschiedene bei der Misswahl, Walter Ludwig (Vater), Julia Schranz (Soldatin) und Katharina Solzbacher, die das Publikum verlässlich mit der Zahl der verbleibenden Minuten bis zur nichteingehaltenen Stille (Hat es schon angefangen?) und damit zum Ende des Stücks auf dem Laufenden hält.

Marius Michael Huth, Katharina Solzbacher, Karin Yoko Jochum © Bettina Frenzel
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