Kultur und Wein

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Ineke Hans Was ist Loos? Ausstellungsansicht

INEKE HANS WAS IST LOOS? Sinniges Design

Kunsthalle Wien Sessel 2017 mit Gebrüder Thonet Wien

Praktisch, humorvoll und zeitgemäß

Ein Sessel für die Kunsthalle Wien! Was darf man sich darunter vorstellen? Eine total verrückte Sitzgelegenheit? Etwas, das nur entfernt daran erinnert? Nichts von alldem! Die niederländische Designerin Ineke Hans wurde ersucht, ein solches Möbelstück zu entwerfen. Geworden ist daraus ein roter Thonet, ganz bieder und praktisch. Das Bugholz schwingt sich klassisch im Alt-Wiener-Stil über Rücken- und Armlehne und ist so geformt, dass die Sessel säuberlich zu einer Reihe gestellt werden können oder sich zum Stapel auftürmen lassen, wenn man sie gerade nicht braucht. In der Zusammenschau mit den anderen Werken von Ineke Hans ist man von der offenbaren Biederkeit des Sessels nicht einmal irritiert. Die Holländerin hat den Sinn fürs Praktische, verbunden mit einem Schuss Humor und vor allem mit dem Blick auf die Gegenwart, die dem Design völlig andere Formen und Wirkungsweisen abverlangt als noch vor 10 Jahren. Die Fragestellung ist komplex geworden. Wir haben längst vollkommen andere Wege der Verständigung als unsere Vorfahren.

Installationsansicht: Ineke Hans. Was ist Loos?, Kunsthalle Wien 2017, Foto: Jorit Aust

In diesem Sinn ist auch die Thematik bei Ineke Hans zu verstehen; angefangen von „Instant Desk“ über das soziale Engagement in „Making & Making Sense“ bis zum „Dealing with Digital“ und „Less“ als Stellungnahme zur Verknappung jeglicher Ressourcen.

Ineke Hans Was ist Loos? Ausstellungsansicht

„Ineke Hans Was ist Loos?“ ist als Titel der Ausstellung, die bis 12. November 2017 in der Kunsthalle am Karlsplatz läuft, eine Anspielung auf den großen Adolf Loos, dessen architektonische Entwürfe vor mehr als 100 Jahren die Gemüter erregten bzw. auf den von ihm gestylten Thonet-Sesseln die Gäste des Café Museum sich das Maul über diverse Modernismen zerrissen. In diesem Fall wird es mit Sicherheit keinen Sturm der Entrüstung, eher Zustimmung geben.

Die Entwürfe von Ineke Hans sind Antworten auf konkrete Bedürfnisse. Sie sind auch keine Kritik, wie sie Adolf Loos an den ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnissen geübt hat. Sie sind vielmehr sinnvolle Hilfestellungen, mit dem Problem der Platznot, mit dem Verlust handwerklichen Könnens oder der wachsenden Globalisierung fast spielerisch fertig zu werden.

 

Ein ganz kleines Beispiel ist die Knoblauchpresse. Ineke Hans outet sich damit als schlechte Köchin, der zuhause der Abwasch obliegt. Das Reinigen herkömmlicher Pressen war ihr zu mühsam, also hat sie ein Design dafür entworfen, um mit einem Wisch das in jeder guten Küche unerlässliche Gerät säubern zu können.

Das Gleiche gilt für das Besteck im Scheckkartenformat für den spontanen Verzehr von Obst. Im Großen ist es die globale Vernetzung der Möbelproduktion, die durch ihre Idee möglich wird. Als digitale Datei kann das Design über die Online-Plattform Opendesk weltweit bezogen und vom Tischler ums Eck ausgeführt werden. Die Designs sind unaufgeregt, relativ leicht ausführbar, aber in ihrer Art trotzdem visionär, da sie über das Jahr 2017 hinaus bereits für die nähere Zukunft gerüstet sind.

Ineke Hans Was ist Loos? Ausstellungsansicht
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