Kultur und Wein

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La Damnation de Faust Chöre © Reinhard Winkler

LA DAMNATION DE FAUST Klangvoll verdammt von Hector Berlioz

Cahrles Workman, Jessica Eccleston, Michael Wagner © Reinhard Winkler

Vorsicht! Der böse Geist Méphistophélès treibt sich in Linz herum!

Goethes Faust! Eine ewig gültige Parabel für die Menschheit und das wohl bedeutendste Stück Theatergeschichte. Es ist nur natürlich, dass dieses Drama immer wieder vertont wurde und mit der Musik sein tiefgründiger Inhalt stets in einer neuen Dimension ausgelotet wurde. Hector Berlioz hat mit Almire Gandonnière nach einer Übersetzung von Gérard de Nerval mit „La Damnation de Faust“ eine Kompaktfassung geschaffen. Sie beginnt eigenartigerweise in Ungarn in der Puszta, bevor es in die Studierstube von Faust nach Deutschland geht. Es ist das Ostergeläute, das den Grübler und Zweifler vom Selbstmord abhält. Bei Berlioz werden die Glocken durch einen berückenden Frühlingsgesang des Volkes ersetzt. Umgehend erscheint Mephisto, in der Linzer Inszenierung von David Marton als Männerchor, aus dem sich der verhängnisvolle Begleiter erst nach und nach löst. Er bringt zu Unterhaltungszwecken Faust in Auerbachs Keller zu einem grölenden Haufen Besoffener, was den allseits ernsthaft Studierten aber wenig beeindruckt. Also muss mit gröberen Geschützen aufgefahren werden.

Charles Workman, Michael Wagner © Reinhard Winkler

Erlösen kann ihn nur eine Frau, die sich mit Marguerite findet. Sie wird Faust in einem Traumbild vorgeführt. Sie sehen und sich Verlieben ist eins. Mit teuflischen Tricks lässt Mephisto das Mädchen dem ihr zugeführten Mann verfallen. Sie verbringen eine Liebesnacht. Faust bleibt aber der nach seiner Erfüllung Suchende und lässt sich nicht mehr blicken. Marguerite leidet wie ein Hund und vergiftet, um bei eventuellem Erscheinen ihres Geliebten ungestört zu sein, ihre Mutter mit einem Schlafmittel, das ihr Faust für diese Zwecke gegeben hat. Während Faust, statt bei seinem Mädchen zu sein, nicht ganz nachvollziehbar durch das Gebirge irrt, erfährt er, dass sie zum Tod verurteilt wurde. Um sie zu retten, verschreibt er Mephisto seine Seele. Dieser erweist sich jedoch als wenig zuverlässig und reitet mit Faust geradewegs in die Verdammnis. Dass er während des tröstlichen Schlusschores, der Marguerite die himmlische Seligkeit verspricht, auf einer Projektion mit der Straßenbahn durch Linz fährt, darf als nicht böse gemeinte Idee des Regisseurs angesehen werden.

Kinder- und Jugendchor des Landestheaters Linz © Reinhard Winkler

Das Bruckner Orchester Linz unter der Leitung von Markus Poschner lässt in einer dem Komponisten Hector Berlioz entsprechend opulenten Besetzung (u. a. vier Harfen, vier Fagotte, Basstuba und Kontrabasstuba) dessen Musik klangprächtig ertönen. Chor, Extrachor, Kinder- und Jugendchor des Landestheaters Linz sorgen für aufgeregte Volksmassen, irrlichternde Geisterscharen und eine angeheiterte Gästeschar im Weinkeller. Sie haben nicht nur zu singen, sondern auch Goethes Text zu sprechen.

Die Musik wird dadurch zwar unterbrochen, die Aufführung selbst aber wie mit einer Prise Chili pikant gewürzt. Das Bühnenbild (Christian Friedländer) besteht aus dem abrupten Ende einer Straße in einer öden Gegend irgendwo im Wilden Westen, in dem ein angejahrter Pick-up liegen geblieben ist. Die Rostlaube dürfte jedoch noch betriebbereit sein, da damit einige Fahrten unternommen werden, die in Hollywood-Manier die Insassen auf eingespielten Filmen von vorne zeigen, während im Heckfenster die Straße zur Hölle abläuft.

 

Ulf Bunde hat mit Brander als lustiger Gesell´ in Auerbachs Keller einen sehr dankbaren Kurzauftritt als Solist. Méphistophélès ist der kalte, berechnende Geist in Person von Michael Wagner. Es ist nicht nur eine Wonne, ihm beim Singen zuzuhören, sondern auch beim Sprechen. In Burgtheatermanier rezitiert er als Beifahrer von Faust Goethes Originalext. Jessica Eccleston ist eine Marguerite zum Liebhaben. Wenn sie in leiser Liebesahnung die Ballade vom König in Thule singt oder an der Abwesenheit ihres Geliebten beinahe zerbricht, und das alles mit einer wunderschönen Stimme, möchte man sie einfach in die Arme schließen und sagen, dass ja eh alles gut wird. Aber dem ist nicht so. Faust ist bei Berlioz ein Schwächling und seinen Skrupeln ausgeliefert. So lässt Charles Workman seinen Helden auch labil und willenlos durch das Geschehen treiben.

Wenn es aber darum geht, die vom Komponisten vorgegebenen Melodien umzusetzen, dann zeigt dieser Faust beachtliche Festigkeit und eine Virtuosität im Umgang mit seiner Stimme. „Hab Dank, schöne Dämmerung, du bist willkommen“ ist eine außergewöhnlich lyrische Arie, die auf Französisch natürlich noch viel schöner klingt, aber im Musiktheater mit den Monitoren auf der Rückseite des jeweiligen Vordersitzes auf Deutsch mitgelesen werden kann, ohne die Augen vom dramatischen Geschehen auf der Bühne abwenden zu müssen.

Michael Wagner (Projektion) und Chöre © Reinhard Winkler
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