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Victor Hugo, Hahnenkopf, 1850 © Bibliothèque naionale de France, Paris

VICTOR HUGO Zeichnungen und Aquarelle des schwarzen Romantikers

Victor Hugo, Burg und Schloss von Vianden im Mondschein © Foto: Maisons de Victor Hugo/Roger-Viollet

Das ungekannte Genie eines Dichters und Homo Politicus

Die Muse der Modernen spürt, dass nicht alles im menschlichen Sinn schön sei“, ist ein Ausspruch von Victor Hugo, der diese Überzeugung nicht nur in seinem dichterischen Werk und in seiner politischen Tätigkeit vertreten hat. Er hat sich auch der bildnerischen Kunst gewidmet, aber zeit seines Lebens eher im privaten Kreis. So fragte er in einem Brief an den Maler und Schriftsteller Jules Laurens erstaunt: „Ach, sie kennen meine Sudeleien? Die sich übrigens nicht gerade anmaßlich aus meinem Hauptberuf ergeben, denn ich erzeuge sie mit dem beiden Enden ein und desselben Werkzeugs, das heißt, zeichnenderweise mit der Spitze einer Gänsefeder und malenderweise mit deren Barthaaren.“ Es war Victor Hugo offenbar nicht bewusst, dass er mit dieser „Beiläufigkeit“ Meisterwerke auf Papier schuf, die zu den fortschrittlichsten ihres Genres zu zählen sind.

Victor Hugo, "Spitzen und Gespenster", 1855/56 © Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey

Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museums, nennt sie „Miniaturen mit explosiver Kraft“, die von Erhabenheit über Romantik bis zum Grotesken eine größere inhaltliche Bandbreite aufweisen als das Œuvre so mancher erklärter Maler. 3500 Blätter zählt der Nachlass, aus dem nun für die Ausstellung im Grafischen Kabinett des Leopold Museums 60 herausragende Zeichnungen und Aquarelle bis 15. Jänner 2017 gezeigt werden. Betitelt sind sie mit „VICTOR HUGO Der schwarze Romantiker“ als Hinweis auf die vorherrschende Grundstimmung seiner Bilder.

 

Bis heute werden die literarischen Werke von Victor Hugo (1802-1885) begeistert gelesen. „Der Glöckner von Notre Dame“ wurde mehrfach verfilmt und „Les Misérables“ ist ein Erfolgsgarant für Musicalbühnen. Victor Hugo gilt als Romantiker, der im Laufe seines Schaffens zu einem schonungslosen Realismus vorgedrungen ist.

Er war, wie es im Text zur Ausstellung heißt, ein „herausragender Homo Politicus“, der es wagte, sich gegen ihm unbefriedigend erscheinende Machtstrukturen aufzulehnen und dafür eine fast 20 Jahre dauernde Verbannung in Kauf nehmen musste. Am Ende war jedoch er der Triumphierende. Sein Gegner Kaiser Napoleon III. wurde gestürzt, Victor Hugo hingegen von der Pariser Bevölkerung feierlich empfangen. Ab 1881 wird der Geburtstag dieses hochpolitischen Schriftstellers und Künstlers(!) Victor Hugo als republikanisches Fest staatlich begangen.

Victor Hugo, Pilz, 1850 © Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey
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