Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


30 Jahre Maria Enzersdorfer Festspiele und Elfriede Ott:

Alles andere als UMSONST

1982 galten sommerliche Festspiele in Niederösterreich noch als Seltenheit. Umso bemerkenswerter ist die Entscheidung von Hans Weigel und Elfriede Ott, im Hof der Burg Liechtenstein in Maria Enzersdorf mit Freilufttheater zu beginnen. Ott erinnert sich, dass es nicht um das ob, sondern lediglich um die Frage Molière oder Nestroy gegangen ist. Geworden ist es Nestroy und eine Erfolgsgeschichte, die heuer mit der 30. Premiere und dem Stück „Umsonst“ ihr Jubiläum feierte.

 

David Goran ist bereits fixer Teil dieser Festspiele. Allerdings hatte er in seiner kurzen Rede vor der Aufführung eine Botschaft zu verkünden, die zumindest für einen Moment die Premierenstimmung gehörig dämpfte.

Foto © Maria Enzersdorfer Festspiele


 

Nach den nunmehr gefeierten 30 Jahren läuft der Vertrag mit den Besitzern der Burg aus und soll nicht mehr verlängert werden. Optimismus regte sich erst wieder mit der Zusicherung von Landeshauptmann Erwin Pröll, sich persönlich für die Festspiele stark zu machen.

 

David spielt in „Umsonst“ den Arthur, einen Schauspieler und damit eine Figur, die Nestroy einst einem Freund auf den Leib geschrieben und diesem damit den Vortritt mit der Hauptrolle gelassen hatte. Er selber hatte sich den Pitzl gegeben und sich damit die meisten Lacher gesichert. Diese waren auch Robert Kolar gegönnt, vor allem in der Szene, in der er als minder begabter Schauspieler im einsamen Kämmerchen Franz Moor memoriert. Nebenan nimmt die Wiener Posse weiter ihren Lauf; Schiller gegen Nestroy, zwei Sprachgiganten im mitreißenden Duell und ein klarer Sieger. Schiller? Sicher nicht! „So redet doch kein Mensch!“ darf Pitzl/Nestroy/Kolar räsonieren.

 

Danke liebe Elfriede Ott für den Herbert Prikopa. Sein Sauerfax, pardon, Sauerfaß, …faß! …ss! kann alles: ungemein komisch sein, falsch und hinterhältig freundlich, Wein wassernd, schmierig anbiedernd, grausam und dumm, und dazu noch richtig singen, vor allem einen Text, der überhaupt nicht zur musikalischen Begleitung passt. Mit Prikopa überhört man dieses Manko einer an sich schwungvollen Inszenierung, der die große Ott nicht nur ihre immense Theaterroutine, sondern auch die vielen jungen Talente ihrer eigenen Schauspielklasse angedeihen lässt – als Einsatz für die Zukunft, mit Sicherheit nicht UMSONST.


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