Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ana Mendieta Untitled  (Glass on Body Imprints) 1972/1997

WOMAN Das Bild der Frau geschaffen von Frauen

VALIE EXPORT Tapp und Tastkino, 1968 © © VALIE EXPORT / Bildrecht Wien 2016

Kunst wider das Diktat der Schönheit

Die Frau hat in der Kunst seit jeher eine unschätzbar große Rolle gespielt. Von der Venus von Willendorf über Myriaden von Marienbildern und nackten Göttingen des Barock bis zu den ans Abstrakte grenzenden Akten der Moderne. Aber sie waren in den meisten Fällen Modell oder Muse. Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen waren es stets Männer, die es verstanden, die vom Weiblichen ausgehende Inspiration künstlerisch umzusetzen. Über den Grund dieser maskulinen Dominanz in der Kunst wurde in jüngerer Zeit viel geschrieben, nicht ohne lustvolle Schuldzuweisungen, die jedoch genau betrachtet allesamt sehr diskussionswürdig sind. Es ist einfach eine Tatsache und Punkt! So waren in den 1970er-Jahren auch die großen Strömungen des 20. Jahrhunderts bereits entwickelt. Wieder finden sich hauptsächlich Männer, die den Expressionismus, den Dadaismus, den Surrealismus, die Pop- oder die Minimal-Art geprägt haben. In diesem Jahrzehnt, das wie kein anderes von gesellschaftlichen Umwälzungen geprägt war, erfolgte jedoch ein gewaltiger weiblicher Ausbruch aus bestehenden Konventionen und vor allem ein Seitenwechsel.

Lynda Benglis SELF (slebst) 1970-1976/2012

Künstlerinnen traten auf den Plan, die das Bild ihrer Geschlechtsgenossinnen revolutionierten und damit den männlichen Kanon an Avantgarden erweiterten. Waren bisher Schönheit oder bestenfalls noch Mütterlichkeit die wichtigen Themen, rückten nun offene Sexualität, der Einsatz des eigenen Körpers und ein Bewusstsein für die allzu gern ignorierte Gewalt gegen Frauen in den Vordergrund. Als Techniken standen ihnen junge Medien wie Fotografie, Video oder Film zur Verfügung und mit Performances und Aktionen schafften sie es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in jedem Sinn dieses Wortes zu erregen.

Birgit Jürgenssen Nest, 1979 © Estate Birgit Jürgenssen/SAMMLUNG VERBUND

Die SAMMLUNG VERBUND verfügt über einen beachtlichen Bestand von Werken dieser Künstlerinnen. Direktorin Gabriele Schor fand dafür die griffige Bezeichnung „Feministische Avantgarde“ und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Mit dieser Emanzipation von bestehenden Richtungen hätte der Kunstmarkt etwas absolut Neues anzubieten gehabt, ausnahmsweise einmal keinen Ismus, sondern einen Aufbruch in ein neues Universum. Kurioserweise wurden nur einige wenige der damals tätigen Künstlerinnen und deren Arbeiten wirklich bekannt.

Ein guter Teil landete, wie es die Künstlerin Renate Eisenegger erzählt, statt in Galerien „auf dem Dachboden.“ Es bedurfte des Riechers von Gabriele Schor, diese Werke in 13-jähriger Forschungsarbeit zu entdecken und sie der 2004 gegründeten SAMMLUNG VERBUND zuzuführen. Das Ergebnis ist beeindruckend und bis 3. September 2017 im mumok als WOMAN FEMINISTISCHE AVANTGARDE der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND zu erleben.

 

In zwei weiteren Stockwerken des mumok ist Martin Beck vertreten. Eine Etage ist ihm als erste museale Einzelausstellung in Österreich unter dem Titel „rumors and murmurs“ gewidmet.

Neben ausgewählten Werken der letzten zehn Jahre befinden sich Arbeiten, die eigens für diesen feierlichen Anlass geschaffen wurden. Präsentiert werden Skulpturen, Fotografien, Videoarbeiten, Zeichnungen, Bücher und räumliche Interventionen, die sich mit Fragen des Displays, der Erinnerung, der Kollektivität und den Themen Bildgebung und Bildfindung in konzeptioneller Strenge und Sparsamkeit der Mittel befassen. Was sich wenig prickelnd liest, kann durchaus mit viel Zeit und Einfühlungsvermögen zu einem Kunsterlebnis verarbeitet werden. Ein Stockwerk tiefer, gleich beim Eingang rechts, wurde Martin Beck Gelegenheit gegeben, in der Sammlung des mumok zu wühlen und nach seinem Gusto Arbeiten für die Ausstellung „watching sugar dissolve in a glass of water Szenen aus der mumok Sammlung“ (bis 14. Jänner 2018) auszuwählen. Es sind großteils gute Bekannte, denen man hier begegnet, und damit doch weit spannender als das Zuschauen beim Auflösen eines Stückes Würfelzucker in einem Glas Wasser.

Martin Beck Detail von / detail of Flowers (set 1), 2015 © Martin Beck, 2017
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