Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Detail eines Gemäldes von Jorg Hartig

JORG HARTIG REALPOP mit Titel und strahlenden Farben

Blattschuss, Acryl, 1977

Retrospektive für den Pionier der Acrylmalerei in Österreich

Jorg Hartig (geb. 14.02.1932) spricht leise, aber man hört ihm vielleicht gerade deswegen aufmerksam zu. Er hat zu jedem seiner Bilder eine Botschaft, die er über deren malerische Gestaltung hinaus mitteilen möchte. So zeigt er auf eine Figur, die er als Soldat bezeichnet. Es sind Fetzen einer Bewegung, die als nach rückwärts gerissene Person mit einem Gewehr im Anschlag gedeutet werden können. „Der Mensch hat eine grundsätzliche Lust zum Zerstören“, stellt Hartig dazu fest. Er will mit diesem Gemälde alles andere als ein Heldendenkmal geschaffen haben, sondern vielmehr die Frage aufwerfen, warum Menschen, die einander überhaupt nicht kennen, im Krieg aufeinander schießen. Heroen sind für ihn eher schon die Football Spieler, Mitglieder kleiner Vereine in den USA, die sich keinen teuren Rasen leisten können, aber keine Scheu davor haben, sich im Dreck zu wälzen, wenn es gilt, um das Eierlaberl zu kämpfen. Die Darstellung, die auf den ersten Blick abstrakt anmutet, ist ein Spieler, der in genialen Verkürzungen aus der Perspektive eines vor ihm auf dem Boden liegenden Mitspielers gesehen wird.

Marine in action, Acryl, 2011

Gemalt sind seine großformatigen Bilder mit Acrylfarben. Wolfgang Drechsler, Kurator der Ausstellung JORG HARTIG. REALPOP. EINE RETROSPEKTIVE im MUSA stellt Hartig als österreichischen Pionier dieser Farbentechnik vor. Der Maler selbst hat in den USA die Vorteile von Acryl – ungemein hohe Leuchtkraft der Farben und die Möglichkeit zum schnellen Arbeiten – für sich entdeckt und in seiner Kunst umgesetzt. Nach seiner eigenen Definition handelt es sich dabei um REALPOP. Hartig geht stets von der Realität aus, um diese mit Farbflächen Richtung Pop Art zu verfremden bzw. zu bereichern.

Es handelt sich zumeist um Motive aus dem Alltag, aus der Welt des Konsums, der Massenmedien und der Werbung. Hartig setzt darunter immer einen Titel, der wiederum den Zugang ermöglicht. Im Betrachter soll durch meditatives Hinschauen das „Erkennen“ geweckt werden. Ohne Titel, so Hartig, ist zum Beispiel „Die Pfütze“ ein dunkles gegenstandsloses Bild. Mit dem Titel erwacht es zum Leben. Spiegelungen werden erkennbar und Glanzlichter erhellen die Szenerie.

 

An den weiten, weißen Wänden des MUSA entfalten Jorg Hartigs Werke ihre volle Wirkung.

American Football, Acryl, 1978

2012 hat er sie in einer Schenkung der Stadt Wien übergeben. Der Maler hat sich bei der Präsentation gewundert, wie klein die Bilder hier sind. Er hatte sie zuvor in seiner, wie Kurator Drechsler erzählt, zwar perfekt durchgestylten, jedoch dunklen Atelierwohnung hängen gehabt. Zu erleben sind Arbeiten aus sechs Jahrzehnten, von seinen frühesten Anfängen bis herauf zu den jüngsten Schöpfungen. In Kürze wird dazu auch der Katalog erscheinen, der ebenso wie eine umfangreiche Retrospektive diesem in vieler Beziehung Ausnahmekünstler schon längst zugestanden wäre.

MUSA: JORG HARTIG. REALPOP. Eine Retrospektive bis 19. August 2017, Katalogpräsetnation am 22. Juni 2017 um 19 Uhr.

Eisbecher mit Löffel, Acryl, 1975
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