Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Zorro, Szenenfoto © Rolf Bock

ZORRO reitet rettend und singend durch den Steinbruch

Zorro Sujetfoto © Philipp Bernhard

Wilde Fechtszenen, rasante Tanzeinlagen und mitreißende Songs in stimmiger Kulisse

In der Zeit, in der diese Geschichte spielt, hätte sich in Kalifornien niemand träumen lassen, dass in dieser Wüstenei einmal herrlicher Wein wachsen würde, dass mit Hollywood eine gewaltige Traumfabrik entstehen würde und dass ein Steirer Gouverneur wird. Das Heft in der Hand hatten damals, also zu Beginn des 19. Jahrhunderts, noch die Spanier, die in dieser Überseekolonie ihre Leute als Chefs einsetzten. Bei dieser großen Entfernung vom Mutterland konnte es schon passieren, dass sich ein Tyrann zur Herrschaft aufschwang und seine Untergebenen drangsalierte. Der Widerstand bekam einen Namen: Zorro, spanisch der Fuchs, und eine romantische Erscheinung, nämlich Cape und schwarze Maske, hinter der sich der rechtmäßige Erbe des Bürgermeisteramtes, des Alcalden eines Pueblos, verbarg. Als Mischung aus Robin Hood, Rinaldo Rinaldini und Superman war dieser Anfang des 20. Jahrhunderts erfundenen Romanfigur sofort Erfolg beschieden, zumal er als Rächer der Armen auftrat und dabei den Helden nicht zu kurz kommen ließ.

Ana Milva Gomes (Inez) © Rolf Bock

Er focht ganze Scharen von Soldaten nieder, konnte reiten wie der Teufel und pflegte überdies ein Alter Ego, mit dem er das völlige Gegenteil heraushängen ließ: einen reichen Müßiggänger, der seine Gegner in falscher Sicherheit wiegen wollte. Dazu kamen Liebesgeschichten, denn ein Zorro hat natürlich jede Menge Verehrerinnen, unter denen stets eine durch ganz besondere Schönheit und ihm adäquaten Mut heraus sticht. Er wurde bald von der Comicgestalt zum Filmhelden, der den Kinos volle Kassen garantierte, und schließlich auch zur Titelfigur eines Musicals, das am 22. Juni 2017 in Winzendorf seine gefeierte Uraufführung erlebte.

Armin Kahl (Zorro), Christoph Apfelbeck (Ramon) © Rolf Bock

Die Ortschaft Winzendorf liegt in der Nähe der Hohen Wand, nicht weit weg von Wr. Neustadt, und verfügt mit einem schon seit Jahren mit Karl May bespielten Steinbruch über die ideale Kulisse für einen kalifornischen Volkshelden. Die Produzenten Jérôme Berg und Benedikt Karasek haben unter der Intendanz von Marika Lichter die Originalgeschichte von Stephen Clark und Helen Edmundson zu einem fetzigen Musical verarbeitet, das unter der Regie von Andreas Gergen den wildromantischen Schauplatz gekonnt einbindet.

Sogar Pferde kommen zum Einsatz, die von den Pferdeflüsterern Joseph Schützenhofer und Toni Belkovich auf ihre Auftritte vorbereitet wurden. Künstliche und echte Felsen, Kakteen aus Plastik und naturgewachsene Schwarzföhren versetzen das Publikum umgehend in die richtige Stimmung, um mit dem Kämpfer für Gerechtigkeit mitzufiebern.

Begleitet werden die Sänger mit ihren durchwegs beachtlichen Stimmen vom Jam Music Lab Orchester, einer jungen Band mit ihrem Leader Lior Kretzer, die tapfer in einer Felsennische die von den Gipsy Kings komponierte Musik verwirklicht. Selbstredend, dass der Rhythmus dabei die Hauptrolle spielt, der unter der Choreographie von Sabine Arthold in teils akrobatischen Tanzszenen in Bewegung umgesetzt wird.

Tanzszene in Zorro © Philipp Bernhard

Armin Kahl ist Diego de la Vega und damit auch Zorro. Er huscht tatsächlich wie ein Fuchs durchs Gelände, versteht sich aufs Reiten und zeigt eine solide Ausbildung im Fechten, die er in etlichen Szenen zum Einsatz bringen kann. Christoph Apfelbeck lässt als dessen Widerpart Ramon den zynischen Usurpator des Alcaldenamtes heraushängen und ist dabei derart unsympathisch, dass man ihm sein finales Schicksal vergönnt. Wenn einer einen so aufrechten Mann wie seinen Vater Don Alejandro (Christian-Peter Hauser) einfach wegsperrt, dann gebührt ihm nichts anderes. Franziska Kemna bemüht sich als Luisa, die resolute Aufwieglerin zu geben.

Sie hält sich aber meist an das nette Mädchen, mit dem sich Diego schon als Kind im Fechten geübt hat (Nina Hübner und Elias Trausmuth als Kinder). Der Star des Abends ist Ana Milva Gomez. Ihre Inez ist die temperamentvolle Gipsybraut, die diese Musik einfach in den Genen zu haben scheint. Sie singt, tanzt und spielt, dass nicht nur dem ein bisserl patscherten Sergeanten Garcia (Martin Berger) die Ohren schnackeln, der durch seine Läuterung jedoch letztlich alles zum Guten wendet.

Armin Kahl als Diego de la Vega © Rolf Bock
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