Kultur und Wein

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Ein Käfig voller Narren Ensemble © Rolf Bock

EIN KÄFIG VOLLER NARREN als Sprechstück erfolgreich zurückgekehrt

Johannes Terne, René Rumpold © Rolf Bock

Wenn das Anderssein zur komischen Normalität wird

20 Jahre war „La Cage aux Folles“ von Jean Poiret, also „Ein Käfig voller Narren“ oder dem eigentlichen Sinn des französischen Slangwortes „folle“ nach „Ein Käfig voller Tunten“ als Sprechstück nicht zu sehen. Das Musical hatte Vorrang. Jetzt ist es wieder da und wurde gleich von der Neuen Bühne Wien mutig aufgenommen und wird mit anhaltendem Erfolg im Theater Center Forum gespielt. Es folgen Aufführungen im Theater Akzent und anschließend eine Tournee durch Niederösterreich, Steiermark, Oberösterreich und dem Burgenland, bei der das Publikum sicherlich ebenso begeistert sein wird wie derzeit in Wien. Regie führt Marcus Strahl. Der Prinzipal der Neuen Bühne Wien hat dafür ein großartiges Ensemble engagiert, das mit Schwung und Humor ein den meisten doch fremdes Milieu von Drag-Queens und Schwulen nahebringt. Die Aufgabe ist keinesfalls leicht, denn es gilt, nicht in ein Verblödeln und Schwuchteln abzurutschen, sondern rüber zu bringen, dass es auf jeder Seite der sexuellen Orientierung tiefe ernsthafte Gefühle gibt, und dass trotzdem Spaß und Komik einer Komödie nicht zu kurz kommen.

Martin Gesslbauer © Rolf Bock

Zwei Männer, von denen sich der eine als Frau fühlt, können durchaus 20 Jahre eine gute Ehe führen, mit all den kleinen Reibereien und Empfindlichkeiten, die auch jedes Paar aus Mann und Frau bestens kennt. In diesem Fall sind es der Nachtclubbesitzer Georges (Johannes Terne) und Albin, alias Zaza (René Rumpold). Ein Ausrutscher von George mit der attraktiven Simone (Leila Strahl) hat ihm einen Sohn beschert. Laurent (Georg Hasenzagl) wird von den beiden mit aller elterlichen Liebe aufgezogen. Dass sich der junge Mann ausgerechnet in die reizende Muriel (Bettina Schawarz) verliebt, wäre noch keine Problem. Aber deren Vater ist der stockkonservative Politiker Dieulafoi (Toni Bieber) und dessen Gattin (Doris Richter-Bieber) nicht weniger unaufgeschlossen. Die Katastrophe bahnt sich an, als diese beiden Herrschaften ausgerechnet bei George einige Tage verbringen wollen. Kammerzofe Jacob (Richi Kuong), der seine Arbeitgeber abgöttisch verehrt, weil sie Männer sind und er vielleicht die Chance auf einen Auftritt als herrliche Dame im Fummel hat, kocht für die höchst unterschiedliche Gesellschaft eine sinnliche Suppe, die Vor-, Haupt- und Nachspeise in einem mit drei stattlichen Penissen verzierten Topf vereint. Als Simone auftaucht, wird das Chaos perfekt. Welche der Damen ist nun die wirkliche Mutter, sie oder doch Zaza?

Zu allem Überfluss erscheinen die Unruhestifterin Mercedes (Martin Gesslbauer) und der lästige Journalist Languedoc (Gregor Viilukas). Mit seinen Fotos könnte er den Politiker ganz schön in die Bredouille bringen. Erstaunlich wie sich dennoch alle diese Verwicklungen in allgemeiner Harmonie auflösen und die Besucher, die doch meistens ganz herkömmlich als Mann und Frau die Vorstellungen besuchen, am Schluss überzeugt sind, dass nicht alles Gute nur schnurgerade laufen muss, sondern sich auch hintenrum und sonst noch wie erfreulich entwickeln kann.

Ein Käfig voller Narren Ensemble © Rolf Bock
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