Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Kunst der Präparatoren bei Katzenkorb und Löwengrube

KATZENKORB & LÖWENGRUBE Sehr viel Science & Arts

Katze versus Mensch in Katzenkorb & Löwengrube

Trauerträger & Tugendwächter, Gesellschaftslöwe & Partytiger

Was macht die Katze so besonders, dass sie seit ihrer Domestizierung den Menschen schnurrend um ihre Pfoten wickelt. Ist es das weiche Fell, die geschmeidige Bewegung oder sind es die Schlitze ihrer Pupillen, hinter denen sich die großen Geheimnisse der Welt zu verbergen scheinen? Das Feline hat seit jeher eine riesige Faszination ausgeübt, weil es Selbstständigkeit und Stolz, gleichzeitig aber auch Anschmiegsamkeit und Zärtlichkeit vermittelt. Was für die schnurrende Minka auf dem Lieblingssofa des von ihr erkorenen Frauerls gilt, trifft nicht weniger auf ihre großen Verwandten zu. Der Löwe hat es sogar zum König der Tiere gebracht und wurde zum Sinnbild für alle die Tugenden, mit denen unsereins möglicherweise nicht so reichlich gesegnet ist. Um sich dennoch damit schmücken zu können, mussten von den Kämpfern Künstler engagiert werden, die ihnen den Leu ins Wappen malten oder so erschröcklich wie möglich für den Pfeiler am Burgtor modellierten. Gleichzeitig wurde der erotische Effekt entdeckt, der sich beim Anblick einer nackten Schönheit auf einem Panther einstellte, nicht viel anders als das laszive Model auf der Kühlerhaube eines Jaguars. Kunst und Katze waren bald innige Partner, ihre Verbindung pure Ästhetik und damit eine unerschöpfliche Quelle künstlerischer Inspiration.

Ariadne auf dem Panther  1803 (Modell) 1828-1829 (Ausführung) Johann Heinrich von Dannecker

„Natur & Kunst von Cranach bis Klimt“ verspricht auch der Untertitel der Sonderausstellung „KATZENKORB UND LÖWENGRUBE“ im Naturhistorischen Museum Wien (bis 8. Oktober 2017). Abgesehen davon, dass der Zeitrahmen mit den künstlerischen Exponaten weit überschritten wurde (die Darstellungen beginnen bei sogenannten Katzenscheinmumien im Alten Ägypten), wurde bei der Gestaltung ein seltsam ernüchternder Kontrapunkt zur Schönheit des Gezeigten gesetzt.

Barbierstube mit Affen und Katzen 2. Drittel 17. Jhdt. Abraham Teniers Leihgeber: KHM Wien

Die Architektur besteht aus Spanplatten, an denen entlang der Besucher durch eine Art Rumpelkammer aus Artefakten und ausgestopften Feloidea wandelt. Kurator Dr. Bernd Ernsting war möglicherweise von der Fülle an natürlichen Beispielen in den Depots des Naturhistorischen Museums überwältigt und fand gleichzeitig genügend Leihgeber aus dem Bereich Kunst, die ihm für diese an sich großartige Idee wertvolle Stücke aus ihren Antikensammlungen und Werke von Lucas Cranach dem Ä., Peter Paul Rubens, oder Franz Barwig d. Ä. zu Verfügung stellten.

Man muss sich also viel Zeit nehmen, mit geneügend Entdeckungsgeist im Gepäck, wenn man sich durch die schwer erkennbare Ordnung, bestehend aus ca. 16 Themengebieten, ein Bild dieses an sich spannenden Gegenstandes machen will. Es beginnt einführend mit „Natur und Kunst“, lässt bei „Gut gebrüllt, Löwe!“ diesen die Zähne fletschen, um mit „Mutanten zum Fürchten“ Mischwesen aus Löwe, Adler und Mensch vorzustellen.

Im Sektor „Jäger & Gejagte: Mensch versus Tier“ kommt die Rede auf die Könige, denen die Löwenjagd vorbehalten war, aber leider nicht auf einen von einem Leoparden erlegten Großwildjäger. Der Löwe als „Trauerträger und Tugendwächter“ hätte damit eine völlig neue Bedeutung gewonnen. So aber hat er aus Stein gehauen beispielsweise am Grab von Erzherzogin Maria Christine von Österreich deren natürliches Ableben und auf einem Sockel in Aspern die militärische Niederlage Napoleons zu beweinen. In „Noahs Arche“ mussten aus Gründen der Arterhaltung alle Tiere konfliktfrei miteinander auskommen. Seit der Landung der Arche auf dem Berge Ararat sollte man jedoch entweder ein begnadeter Sänger wie Orpheus sein oder sich bereits im Paradies befinden, um mit Großkatzen friedlich zusammenleben zu können. Bis dahin müssen wir uns allerdings an die Weisheit von Victor Hugo halten, der mit einem Lächeln auf unsere katzenverliebte Natur feststellte: „Gott schuf die Katze, damit der Mensch einen Tiger zum Streicheln hat.“

Katzenkorb und Löwengrube Ausstellungsansicht

Die schwarze Erde © KHM

Ein spannendes Phänomen als neue Dauerausstellung DIE EVOLUTION DER MINERALE

Diamant © NHM Wien, Alice Schumacher

Die Reise durch das Farbenspiel der Erde von schwarz über rot und weiß bis zum heutigen Grün

Bei der Entstehung des Sonnensystems gab es, so weiß die Wissenschaft, nur eine Handvoll Minerale. Heute sind auf der Erde über 5000 bekannt und noch immer werden neue entdeckt, weil man bisher nichts von ihnen gewusst hat oder weil sie sich ganz einfach neu gebildet haben. Robert M. Hazen von der Carnegie Institution for Science in Washington D.C. gilt als „Entdecker“ der Evolution der Minerale. Er stellte Zusammenhänge zwischen der Neubildung von Mineralien und der Entwicklungsgeschichte der Erde fest und kam zur Erkenntnis, dass die Mineralvielfalt auf der Erde weit größer ist als auf allen bisher untersuchten Planeten und Monden unseres Sonnensystems. Einer der Hauptgründe für diese Vielfalt ist, so Hazen, der bei der Eröffnung der Schausammlung die Festrede hielt, das Leben auf der Erde, dem 50% der Minerale ihre Existenz verdanken. Ihren Ursprung nahm die mineralische Evolution nach dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren, bei dem sich als erste Elemente Wasserstoff und Helium bildeten. Bei Sternexplosionen blieben von Sternen nur Gaswolken übrig, die sich rasch ausbreiteten und die Elemente im Weltall verteilten. Beim Abkühlen bildeten sich daraus die allerersten Minerale, bezeichnet als die 12 Urminerale.

Ausstellungsansicht "Evolution der Minerale" © Nhm Wien, Alice Schumacher

Damit hatte eine Entwicklung eingesetzt, die der Erde ein erstaunliches Farbenspiel verpasste. Vom zu Basalt erkalteten Magma wurde sie schwarz, wurde dann rot vom Rost, das Eis, erstaunlicherweise ebenfalls ein Mineral, eben nur mit sehr niedrigem Schmelzpunkt, färbte unseren Planeten weiß, bis herauf zu den Pflanzen, die nach wie vor die Erde grün überziehen.

Smithsonit © NHM Wien, Alice Schumacher

Dr. Uwe Kolitsch von der Mineralogisch-Petrographischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien hat die wechselnden Farben als Leitfaden für die neue Dauerausstellung „Evolution der Minerale“ verwendet. Sie beginnt mit einem respektablen Rohdiamanten als Eye-Catcher, gefolgt von einem Zirkon, dem ältesten erhaltenen Mineral, das auf der Erde entstanden ist. Es ist 4,4 Milliarden Jahre alt, damit älter als das älteste bekannte Gestein, das es immerhin auch auf beachtliche vier Milliarden Jahre bringt.

Im reinen Zustand als Minerale bezeichnet ergeben sie in einem Gemenge das uns vertraute Gestein. Wir befinden uns nun auf der schwarzen Erde vor 4,55 bis 3,8 Milliarden Jahren. Vor 2,5 Milliarden Jahren war die Atmosphäre weitgehend sauerstofffrei.

Aus dieser Periode findet sich das Eisensulfid Pyrit, das in feuchter Umgebung mit dem Sauerstoff der Luft reagieren und verwittern würde. Der von Lebewesen im Meer durch Photosynthese produzierte Sauerstoff verbreitete sich allmählich auch in der Atmosphäre und brachte die Erde zum „Rosten“. Die schwarzen Vulkangesteine wurden rot, da aus der Oxidation von Eisen neue, oft rötliche Minerale entstanden. Ihre Zahl war mittlerweile von 1500 auf über 4000 angewachsen.

Rutil © NHM Wien, Alice Schumacher

Zwischen 1,0 und 0.54 Milliarden Jahren war die Erde weiß, ein „Schneeball“, den das Mineral Wasser fast zur Gänze bedeckte. Durch einen Treibhauseffekt, verursacht durch Vulkanausbrüche, schmolzen die Gletscher, was wiederum mächtige Karbonatschichten in den dadurch entstandenen Flachmeeren zur Folge hatte. Mit dem Ende der Kaltzeit entfaltete sich auch das Leben explosionsartig. Lebewesen entwickelten erstmals Hartteile. Man darf nicht vergessen: Panzer, Schalen, Knochen und Zähne bestehen aus Mineralien.

Die nunmehr grüne Erde verdankte ihre Farbe dem warmen, feuchten Klima und einem hohen Sauerstoffgehalt. Dadurch verwitterte jedoch das Gestein und durch Oxidation bildeten sich viele neue, oft kompliziert aufgebaute und farbenprächtige Minerale. Eines der erstaunlichsten unter ihnen ist mit Sicherheit das Hazenit, benannt nach Dr. Robert M. Hazen, das je nach Wasserstand im Mono Lake, seinem Fundort in Kalifornien, einfach verschwindet oder wieder auftaucht.

Die weiße Erde Die weiße Erde: 1,0 bis 0,54 Milliarden Jahre
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