Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht "Kometen. Die Mission Rosetta" © NHM Wien, Kurt Kracher

KOMETEN. DIE MISSION ROSETTA Eine Sonde zum Himmelswanderer

Rosetta und Philae am Kometen 67P © ESA-C. Carreau/ ATG Medialab

Abschied vom dreckigen Schneeball

Himmelskörper gehören zum Spezialgebiet von Direktor Univ.-Prof. Dr. Christian Köberl und wenn er in Fahrt kommt, dann ist dieses Thema für ihn schier unerschöpflich. Kometen, so erzählt er, sind eisige Boten aus den Außenbezirken unseres Sonnensystems. Wenn sie in die Nähe der Sonne vordringen, werden sie durch die Hitze zum Ausgasen gebracht und entwickeln den magischen Schweif, der schon seit jeher die Menschen fasziniert. Kometen verbreiteten Angst und wurden mythologisch gedeutet. Erst heute verstehen wir, dass sie Zeitzeugen aus der Entstehungszeit des Sonnensystems sind. Köberl: „Sie helfen uns nachzuvollziehen, welche Prozesse zur Entstehung unseres Sonnensystems und der Erde geführt haben und sind daher nicht nur spektakulär zum Ansehen, sondern bringen auch wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse.“ Mit dem Fernrohr konnte man ihnen zumindest optisch näher kommen, aber erst mit dem Beginn der Raumfahrt vor 60 Jahren haben die Wissenschaftler eine Handhabe, die es ihnen ermöglicht, mit Raumsonden diese rätselhaften Körper zu entschlüsseln.

Ausstellungsansicht "Kometen. Die Mission Rosetta" © NHM Wien, Kurt Kracher

So beginnt auch die Ausstellung „Kometen. Die Mission Rosetta“ (bis 12. September 2018) mit einer gründlichen Einführung in die Geschichte irdischer Wahrnehmung dieses himmlischen Phänomens. Aristoteles wird zitiert und seine bis ins Mittealter gültige Meinung gleich an Ort und Stelle von neuesten Erkenntnissen widerlegt, was er übrigens im Bewusstsein des beschränkten Wissens auch selbst eingeräumt hat. Viele Jahrhunderte später, im Jahr 1986 schaffte die ESA-Pioniersonde Giotto, benannt nach dem italienischen Maler, der den Kometen als den Stern von Bethlehem in das berühmte Bild Anbetung der Heiligen Drei Könige gemalt hat, eine Annäherung an den Halleyschen Kometen, was wiederum zur gesichert scheinenden Annahme führte, dass Kometen nichts anders als dreckige Schneebälle seien. Auch davon wurde in der Zwischenzeit Abstand genommen.

Philae Landung © ESA/ ATG medialab

Mit der Rosetta-Mission schaffte man erstmals in der Menschheitsgeschichte die Landung auf einem Kometen. Geboren wurde die Idee, eine Raumsonde mit Lander zu einem Kometen zu schicken, bereits vor 32 Jahren. Der Name Rosetta führt sich zurück auf den Stein von Rosette, mit dem seinerzeit die bis dahin unleserlichen Hieroglyphen entziffert werden konnten und ist eine Verbeugung vor den Franzosen Jean-François Champollion, dem dieser Meilenstein der Forschung gelungen ist.

Ziel war der Komet 67 P/Churyumov-Gerasimenko, kurz Tschuri. Anhand eines Modells 1 : 4 der Raumsonde, einer Kopie des Philae-Landers in Originalgröße und sensationellen Fotos wird das Unternehmen vorgestellt. Um eine Idee von der Größe des Kometen zu erhalten, wurde eine verkleinerte Nachbildung auf den Stadtplan von Wien gestellt. Man erfährt auch, dass es bei der Verankerung des Landers Probleme gegeben hat und liest genaue Aufzeichnungen über die Energieversorgung der einzelnen Geräte. Auf Fotos zu sehen sind vielfältige Landschaften aus Ebenen, Gebirgen und schroffen Schluchten. Fantastisch ist eine Aufnahme, die das Ausgasen zeigt. Es ist durchaus ein ästhetischer Genuss, die Oberfläche eines Kometen dank dieser Mission aus nächster Nähe zu erleben. Für die dabei involvierten Wissenschaftler steht jedoch die gewonnene Fülle an Erkenntnissen über Kometen im Vordergrund. Prof. Dr. Tilman Spohn vom DLR-Institut für Planetenforschung fasst es zusammen: „Wir verstehen jetzt besser, wie Kometen ,funktionieren´, wie sie ihre Atmosphäre, die Koma und den typischen Schweif bilden.

Zudem haben wir beobachtet, dass sie aus viel mehr Staub als Eis aufgebaut sind, hochporös sind und auch komplexe Kohlenwasserstoff-Verbindungen mit sich führen.“ Also nix mehr mit dem dreckigen Schneeball. Ebenfalls beteiligt an der Ausstellung ist Dr. Ekkehard Kührt, seines Zeichens Planetenforscher am DLR und zuständig für den wissenschaftlichen Anteil des DLR an der Mission mit Rosetta und Philae. Er äußert die Hoffnung aller Forscher auf Interesse der Öffentlichkeit an seinem Gebiet, wenn er sagt: „Vielleicht ist dieser ,Funke der Inspiration´, der uns bei Rosetta drei Jahrzehnte lang in Atem gehalten hat, auch auf den einen oder anderen Besucher der Ausstellung übergesprungen.

Der Komet Churyumov-Gerasimenko / Rosetta/ MPS for OSIRIS Team

Morganit aus Brasilien © NHM Wien, Alice Schumacher

EDELSTEINE IN NEUEM GLANZ schmücken das NHM

Schmucksteine aus Ambras © NHM Wien, Alice Schumacher

Spannende Geschichten zu glitzernden Steinen

Gefährlich schön sind Rubine, Smaragde und Diamanten. Um sie ranken sich nicht nur freundliche Geschichten spendabler Galane, sondern auch wilde Krimis und Abenteuerromane. Um an die schönsten Stücke zu gelangen, wurde seit jeher, und man darf dabei weit zurück blicken, kein Verbrechen gescheut. Dennoch erscheint jeder der dieser glitzernden Steine, sobald er sich im Schmuck an einer schönen Frau befindet, unschuldig wie ein Neugeborenes. Mit dem Feuer seiner Facetten blendet er die Augen und versteht es, hinter dem Glanz seine Aura, seine ganz besondere Vergangenheit nur vage durchschimmern zu lassen und neugierig zu machen. Experten, die ihr Studium den Edelsteinen gewidmet haben, wissen jedoch darum und können, wenn sie nur wollen, auch darüber erzählen. Eine davon ist Dr. Vera M. F. Hammer, Leiterin der Mineraliensammlung des Naturhistorischen Museums Wien. Es macht ihr gewaltigen Spaß, über „ihre“ Edelsteine zu sprechen, dem erstaunten Zuhörer das Faszinosum dieser Materie nahezubringen.

Edelsteinstrauß, Geschenk  von Maria Theresia an Franz I. © NHM

Sie klärt ihn darüber auf, wie man die Echtheit eines Steins feststellen kann, ohne ihn zu verletzen, und was letztlich seinen Wert ausmacht. Über ein Jahr war sie damit beschäftigt, die weltweit bekannte Edel- und Schmuckstein-Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Es handelt sich dabei um eine Vitrine und besonders gesicherte Schaukästen, in denen sich der Besucher auf Texttafeln zumindest das Grundwissen über Edelsteine erwerben kann, während sich seine Augen an der dargebotenen Pracht kaum satt sehen können.

Geheimnisvoller Schimmer Mondstein aus dem Zillertal © NHM Wien, Alice Schumacher

Die Edelsteinzeit, wie sie heute präsentiert wird, hat im 16. Jahrhundert mit Ferdinand II. von Tirol begonnen. Die Mirabilien wanderten aus Sicherheitsgründen im 19. Jahrhundert von der Ambraser Kunst- und Wunderkammer ins Naturhistorische Museum. Bei den Fundorten von Edelsteinen denkt man unwillkürlich an ferne Kontinente. Jeder Mineraliensammler weiß jedoch, dass Österreich diesbezüglich durchaus mithalten kann. Einer der Beweise ist der Mondstein aus dem Zillertal. Er besteht aus zwei unterschiedlichen Feldspäten, die geschliffen das Licht diffus streuen. Sogar Smaragde gibt es aus eigenen Landen. Im Habachtal in Salzburg wurden sie bereits im 17. Jh. erwähnt.

Um 1880 wurden die begehrten grünen Steine vom Wiener Juwelier Samuel Goldschmidt systematisch abgebaut. Der mächtige Citrin aus der Wiener Schatzkammer zählt zu den Gründersteinen der Sammlung, Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen kaufte die Naturaliensammlung des florentinischen Gelehrten Jean de Ballou, den der Kaiser auch gleich dazu engagierte, die Neuwerbung wissenschaftlich zu betreuen. Auf dem Bild am Aufgang des NHM ist der Kaiser in erlauchter Gesellschaft zu sehen. In der Hand hält er einen Smaragd aus Kolumbien.

Alchemistisch anmutende Versuche des Kaisers, aus mehreren kleinen Diamanten einen großen zu schmelzen, ging zwar schief, aber zumindest wurde die Brennbarkeit dieses aus reinstem Kohlenstoff bestehenden Minerals entdeckt. Mag sein, dass er für sein missglücktes Experiment als Trost von seiner Gattin Maria Theresia einen unvergleichlichen Edelsteinstrauß bekommen hat. Er ist eines der Highlights der neugestalteten Sammlung, die sich harmonisch in den mit allegorischen Figuren geschmückten Saal IV des Naturhistorischen Museums einfügt.

Ausschnitt aus der Systematischen Edelsteinsammlung im NHM Wien © NHM Wien, Alice Schumacher
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