Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Manuel Nössing, ein begeisterter Wiener aus Südtirol

Neue Power in der

alten Kellergasse

Das elegante Logo will nicht so recht auf die vom Lauf der Zeit etwas mitgenommene Kellerwand passen. Den meisten Besuchern der Stammersdorfer Kellergasse mag die Tafel mit der coolen Aufschrift Nössing noch gar nicht aufgefallen sein. Sie suchen und lieben dort die Heurigen, deren stimmungsvolles Ambiente, die gute Jause und dazu ein erfrischendes Glas G´spritzten. Besonders gut schmeckt´s, wenn man zuvor den Bisamberg bezwungen hat, frei nach dem Motto: Eine Wanderung ist für den Wiener nichts als ein Umweg zum Heurigen.

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Panorama und Leiste: Manuel Nössing beim Rebschnitt im Februar

l.g.o.: Manuel Nössing in den Wiesthalen

r.: Rosé von Manuel Nössing

r.u.: Erinnerung an die Südtiroler Herkunft: Damigiana (Korbflasche) in Nössings Keller

l.o.: Altes Kellerhaus in der Stammersdorfer Kellergasse

Titelseite: Manuel Nössing in den Wiesthalen


 

Auf die Frage, was einen erfolgreichen Angestellten dazu getrieben hat, sich riskanter Selbständigkeit auszusetzen, überdies auf einem Gebiet, in dessen Spitze ohnehin brutales Gedränge herrscht, dann kommen 'Leidenschaft' und 'Qualität' als Antwort. Beides zusammen ergibt einen kompromisslosen Zug in die Spitze. Dass er auf dem besten Weg dorthin ist, beweist eine Reihe von Anerkennungen seitens bedeutender Weinfachleute, vor allem aber die Listung und entsprechende Nachfrage seiner Weine in etlichen Gourmettempeln unserer so herrlich genusssüchtigen Wienerstadt (u.a. Sofitel, Restaurant Vestibül und NASCH).

 

Trotzdem braucht es noch viel Mühe und ein ausgezeichnetes Marketing, um den Namen Nössing so bekannt zu machen, dass auch der Rest der Welt dabei sofort an großen Wiener Wein denkt und vor allem den angemessenen Preis dafür zu bezahlen bereit ist. Im Moment mag der Newcomer noch mit einem Markt hadern, der sich schwerfällig an eingeführten Namen orientiert. Der Grüne Veltliner "in den Breiten" mit einer Goldmedaille bei der AWC 2010 und eine regelmäßig hohe Ausbeute an Falstaff-Punkten sogar im Klassiksegment (z.B. sein Gemischter Satz) sind jedoch unübersehbare Anzeichen dafür, dass auch diese Hürde in absehbarer Zeit genommen sein wird.

Nichts dergleichen bietet das alte Kellerhaus mit der Nummer 93, in dem sich Manuel Nössing eingemietet hat. Hinter dessen Eisentür befindet sich eine Art Notquartier zur Herstellung von hochklassigen Weinen. Ein weiterer Teil der Produktion findet sich jenseits des transdanubischen „Gebirges“, im Weingut Schilling in Strebersdorf. Die Trauben wachsen in gepachteten Weingärten in den besten Lagen des Bisamberges, wie beispielsweise Chardonnay "in den Wiesthalen", einer Riede, die sich durch optimale Sonneneinstrahlung und idealen Boden auszeichnet und seit jeher ein Begriff für legendäre Wiener Lagenweine ist.

 

Als Winzer zählt Manuel Nössing zu den jüngsten der Branche. 2003 präsentierte der Quereinsteiger seinen ersten Jahrgang. Aufgewachsen ist er in der Umgebung von Meran (Südtirol), war von frühester Jugend an der Gastronomie verbunden und hat in Wien gutes Geld als Geschäftsführer namhafter Restaurants gemacht – bis er im Jahr 2011 alles aufgegeben hat und seither ausschließlich vom, oder besser, derzeit noch für den Weinbau lebt und trotz vieler Widrigkeiten nicht im Traum daran denkt, jemals wieder von Wien wegzugehen.