Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Herrnbaumgarten, die Metropole des sinnvollsten Unsinns

Das verruckte Dorf und sein Nonseum

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g.o.m.: Sinnvoller Eingang in das neue Ausstellungsgbäude

r.o.: Bonsai Billard - Alle Großmeister spielen immer auf kleinstem Raum in der Ecke. Wozu also die Platzverschwendung?

r.u.: Transparente Schnapskarten eröffnen Chancengleichheit für alle Spieler

l.o.: Ferngesteuerter Nachttopf - der leere Nachttopf gehört unters Bett. Aber der Volle? Weg aus dem Zimmer mit ihm!

Leiste: Multiple Turmmütze


 

Freilich liegt der Sinn dieser technischen und geistigen Entwicklungen viel tiefer unter der Heiterkeitsgrenze als man im Moment des unsinnigen Staunens vermutet. Wie jedes Kunstwerk brauchen auch genial unbrauchbare Erfindungen neben der Idee die handwerklich perfekte Umsetzung. Gegenstände von Altwarenhändlern gewinnen, so sie entsprechend zusammengefügt werden, in Verbindung mit genügend Wortwitz eine neue, noch nie dagewesene Identität. Ein Kinderwagen kombiniert mit einem Schlitten wird zur Hochsommerrodel des kleinen Erzherzog Franz, die vielschichtige Einblicke in die sozialen Gegebenheiten der Monarchie gewährt und ein hölzernes Federpennal ist das Altenheim für „pietätvoll abgeschriebene“ Buntstifte.

 

Dazu kommen eine mehr als professionelle Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen, die jeweils unter einem „unsinnigen“ Motto stehen. 2004, man erinnere sich noch, gab es nicht nur in Kärnten das lustige Ortstafel verrucken, 2005 wurde irgendwie Olympia gefeiert. Weitere bisherige Höhepunkte waren „Dodamauner Unlimited“, eine die Fluren übergreifende Ausstellung, die der guten alten Vogelscheuche neues Leben eingehaucht hat (1991) und die Verleihung eines Gemeinderades anno 2003. Man gibt sich optimistisch, die bisherigen Erfolge im kommenden Jahr mit der Eröffnung eines Wanderweges für Pessimisten fortsetzen zu können.

o.: Friedl Umschaid und Fritz Gall

l.u.: Zigaretten - Voodoo

r.u.: Altenheim für Buntstifte

r.g.u.: Heftpflaster, ideal um schlechte Schularbeitsnoten zu verbergen

Ein Gehstock für Knierutscher, ein Bonsai Billard, transparente Spielkarten, und, und, und..., hat die Menschheit auf diese Erfindungen wirklich gewartet? Die Antwort von Fritz Gall auf diese Frage ist ein überzeugtes „Ja!“. Man braucht sich nur kurz umzuschauen und pflichtet ihm gerne bei. Wir brauchen sie! Und zwar viel dringender als das berühmte Gaberl im Bauch. Wenngleich sie alle absolut unbrauchbar sind, Dinge wie der Notenständer für Singvögel, der Zebra-Safetyschuh oder der ferngesteuerte Nachttopf. Trotzdem verschaffen sie uns das Wichtigste im Leben, den Spaß und das Lächeln, wenn man glaubt ihren Witz durchschaut zu haben.

Aber wer zerbricht sich den Kopf darüber, zum Beispiel über die Rennfähigkeit von Weinbergschnecken, und wer ist imstande, eine vollkommen legale Schmiergeldaktion durchzuführen oder hat die sensationelle Entdeckung der Gebeine des letzten Doppeladlers glaubwürdig weltweit in die Nachrichten gebracht? Einzig und allein der „Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen“, kurz VWG, weit oben im vormals totenstillen Nordosten des Weinviertels, in Herrnbaumarten, dem einzig wirklich „verruckten“ Dorf der Welt.

 

Friedl Umschaid, Winzer seines Zeichens und damit Lieferant des geistigen Treibstoffes für noch unzählige unsinnige Erfindungen, ist Obmann. Im Untergrund seiner „Weingalerie s´Presshaus“ findet seit 2001 der „Erdball im Labyrinthkeller“ statt und über der Erde, in seinem Heurigen, werden in nächtelangen Sitzungen neue Ideen ertrunken. Der Künstler Fritz Gall, überzeugter Kettenraucher, ist Erfinder und Ausführender. Ihr Vereinsgebäude ist das Nonseum, mit Garantie das lustigste Museum, das je ein kulturbeflissener Besucher betreten hat, und das übrigens seit dem 30. Juni 2012 über ein neues Ausstellungsgebäude verfügt – Nonsens braucht bekanntlich großen Platz – und Gelegenheit bietet, das Leben in allen seinen unsinnigen Stationen zu durchwandern.