Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Hundswetter Ensemble © Rolf Bock

HUNDSWETTER für drei Frauen und einen Mann

Hundswetter Ensemble © Rolf Bock

Scheißkerl schreibt man mit scharfem S, ganz sicher!

Ein nasskalter Herbsttag, der Gabriele, Lulu und Helene ganz gegen ihren ursprünglichen Willen im Extrazimmer eines Pariser Bistros zusammenführt. Keine von den dreien hat wirklich Freude mit den anderen beiden. Aber man kommt ins Reden und allmählich schleudern die anfänglich spitzigen Bemerkungen in eine Gruppen-Psychoanalyse. Dazu genügen eine Hand voll Neurosen, Cognac mit Würfelzucker, ein schönes Essen, das ihnen der Kellner mehr oder weniger aus Mitleid angedeihen lässt, und genügend Alkohol, um die tiefsten Frustbeulen aufbrechen zu lassen. Die nach außen hin so coole und attraktive Gabriele wurde nach einem handfesten Krach von ihrem Freund sitzen gelassen, die übertüchtige Helene erleidet einen sehenswerten Nervenzusammenbruch und Lulu, die sanfte Dessousverkäuferin, heizt mit ihrer Naivität den Ofen seelischer Peinigung erst so richtig an. In einem solch gewaltigen Aufeinanderprallen weiblicher Gemüts-Exhibition scheint auch der Kellner trotz gründlicher Menschenkenntnis und gesunden männlichen Instinkten absolut hilflos.

Beate Gramer (Gabriele) © Rolf Bock

Hundswetter herrscht draußen ebenso wie drinnen, ganz drinnen in den verkrachten Beziehungen, gegen die aber der beste Regenschirm keinen Schutz bietet – eher schon einige Gläser Rotwein und, wenn´s sein muss, ein Joint.

Leila Müller (Helene) © Rolf Bock

Offenbar schaffen es nur Franzosen, aus solchen Miseren auch Lacher zu schlagen. Brigitte Buc hat die in allen ihren Turbulenzen doch ungemein witzige Komödie „HUNDSWETTER Drei Frauen. Eine regnerische Nacht.“ geschrieben und Silvia Berutti-Ronelt den Pariserischen Charme ins Deutsche übertragen. Erich Martin Wolf hat mit der Österreichischen Theatergemeinde das Stück in der Neuen Tribüne Wien im Keller des Café Landtmann mit drei großartigen Frauen und dem dazu passenden Herrn erfolgreich auf die Bühne (Siegbert Zivny) gestellt. Beate Gramer öffnet in nachvollziehbarer Skepsis nach und nach den Panzer, der ihre Gabriele umgibt, nicht ohne dabei die Süffisanz zu verlieren, mit der Frauen ihres Kalibers von Natur aus Geschlechtsgenossinnen gegenüberstehen.

Ein Dummerl wie Lulu muss sie einfach nerven. Stefanie Elias versteht es ausgezeichnet, hinter der weichen Oberfläche einer klammernden Mama die Härte eines auf seine sexuelle Befriedigung bedachten Weibes zu verstecken. Die Ärmste von allen ist Helene, der Leila Müller mutig Gestalt verleiht. Lulu erzählt offenherzig, dass Helene in ihrem Laden bei der Anprobe von Reizwäsche stets zu weinen beginnt und kann damit natürlich das Selbstbewusstsein ihrer Kundin kaum heben. Helene lässt sich lustvoll von der ganzen Welt piesacken. Ihre Mutter hat ständig was an ihr zu nörgeln, ihr Mann übergeht sie einfach und im Beruf, in den sie sich geflüchtet hat, glaubt sie nur mit übertriebener Tüchtigkeit bestehen zu können. Als Kellner ist Konrad Lusenberger mehr als eine zeitweise sperrige Servierkraft. Er wird zum Psychologen, der in das weibliche Tohuwabohu Ordnung zu bringen versteht, und sich schließlich selbst auch als durchaus empfindsamer Mann outet, dem es im Grund überhaupt nicht besser geht als seinen drei Patientinnen, pardon, Gästen.

Stefanie Elias (Lulu) © Rolf Bock
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