Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


HERAUSFORDERUNG DER MODERNE Ausstellungsansicht © Belvedere Wien

HERAUSFORDERUNG DER MODERNE Wien und Zagreb um 1900

Robert Auer Lust (Detail) © Sammlung Vugrinec, Varaždin

Kunst schafft Erinnerungen an die gute alte Habsburger-Monarchie

Damals regierte noch der Kaiser. Ein bunter Strauß an Nationen war in einem riesigen Reich vereinigt, oder besser gesagt, noch zusammengebunden. Agram, später als Zagreb Hauptstadt von Kroatien, lag weit ab von der Kaiserstadt Wien, die jedoch für die Untertanen, egal wo und wie weit entfernt, zwangsläufig ein vielschichtiges Zentrum war. Das galt natürlich auch für die Kunst, die in Wien gemacht wurde und von da aus wieder zurück in die fernsten Zipfel des Reiches getragen wurde. Gerade in diesem Bereich spielten nationalistische Befindlichkeiten eher nur eine Nebenrolle. Künstler aus Kroatien zog es nach Wien, wo zu dieser Zeit bereits Secession und Jugendstil bestimmend waren. Wenn einer nicht hinter dem Berg leben wollte, musste er die Reise in die Hauptstadt antreten, um sich dort mit den neuesten Trends auf dem Kunstmarkt und in der Architektur vertraut zu machen. Als Teil des Königreiches Ungarn wäre es etwa naheliegend gewesen, aus den oben erwähnten Gründen Budapest aufzusuchen. Der Dialog setzte aber zwischen Wien und Agram ein und zeitigte beachtliche Früchte.

Antonija Krasnik Vase 1901 © Museum für Kunst und Kunstgewerbe Zagreb

In Wien waren schließlich Gustav Klimt oder Josef Hoffmann am Werk, die durch die Nähe zur Machtzentrale große Aufträge erhalten hatten und dadurch international bereits einen Namen hatten. Das war für kroatische Künstler Anziehungskraft genug, um den Kontakt zu den Wiener Größen zu suchen, hier zu studieren und ihr erworbenes Wissen und Können wieder in die Heimat auf dem Balkan zurückzutragen. Zumindest auf diesem Gebiet fand die damals bereits in akutem Zerfall begriffene Monarchie eine innere Verbundenheit, die erst mit ihrem Ende im Jahr 1918 brutal zerrissen wurde und über das 20. Jahrhundert hinweg keine weitere Fortsetzung fand.

Oton Iveković Landschaft 1905 © Privatsammlung

Eine Ausstellung in der Orangerie des Belvedere versucht dieses Phänomen künstlerischen Austauschs zwischen „Wien und Zagreb um 1900“ unter dem Begriff „Herausforderung der Moderne“ zu subsumieren. Der Besucher wird von der Fülle, die sich in den 100 Jahren offenbar angestaut hat, jedoch beinahe erdrückt. Gleich links vom Eingang prunkt das Kolossalgemälde „Lang lebe der König!“ von Vlaho Bukowac, ihm gegenüber schmachtet romantisch die „Allegorie der Musik“ von Ivan Tišov und dazwischen liegt der mit Dekor überladene „Hammer“ von Robert Frangeš-Mihanović.

Der Blick auf das Ganze und tatsächlich Moderne wird durch Wände mit kleinen Architekturfotos verstellt, für die man sich jedoch Zeit nehmen sollte, um sie aus der Nähe zu betrachten. Die Gebäude, die man darauf sieht, ähneln frappierend den in dieser Zeit errichteten Wiener Bauwerken. Das Geschäfts- und Wohnhaus Kallina, erbaut von Vjekoslav Basti, hätte genauso gut in der Mariahilfer Straße stehen können. Sie prägen nach wie vor das Stadtbild von Zagreb, in dem eine an die Wand der Orangerie gemalte Karte des „Goldenen Hufeisens“ Orientierung verschafft. Die in der Folge gezeigten Fabrikate wie das „Schwarze Kaffeeset“ von Tomislav Krizman und Teile eines Service von Josef Hoffmann stammen offensichtlich aus einer gemeinsamen Idee wie die Werke von Ivan Meštrović und Gustav Klimt, die durchaus Parallelen erkennen lassen. In den Fokus gerückt werden auch die Kunst schaffenden Frauen, Pionierinnen in einer Zeit des Aufbruchs in die Moderne.

Vertreten ist beispielsweise Slava Raška mit impressionistisch wirkenden „Wasserlilien“ oder Nasta Rojc mit einem Alfred Kubin vorgreifenden Werk (Mein Engel, der Totengräber), die wiederum Arbeiten von Tina Blau und Leopoldine Auer Schmidt, der Gattin des in Zagreb geborenen Robert Auer, gegenüber gestellt werden.

 

Entstanden ist die Ausstellung in einer Kooperation zwischen der Galerija Klovićevi dvor in Zagreb und dem Belvedere Wien. Die Kuratorinnen Petra Vugrinec und Irena Kraševac haben darin die Wechselwirkungen zwischen Wien und Zagreb deutlich gemacht. Hat man den Überblick in der voll geräumten Orangerie erlangt, entdeckt man eine ganze Reihe von Künstlern, die hierzulande kaum ein Begriff sind, die man aber kennenlernen sollte, um sein Wissen um diese vielleicht wichtigste Periode österreichischer Kunst zu ergänzen. Gelegenheit dazu gibt es noch bis 18. Februar 2018.

Ivan Meštrović Leopoldine Wittgenstein © Belvedere Wien
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