Kultur und Wein

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Ausstellungsansicht Sammlung Klewan – Porträt(s) der Moderne Foto: © Belvedere, Wien 2017

SAMMLUNG KLEWAN Porträt(s) der Moderne „zurück“ in Wien

Pablo Picasso, Nu et homme assis, 1972 Sammlung Klewan

Werke, die sogar ein Kunsthändler nicht verkauft

Helmut Klewan (*1943) ist Galerist, Autor und vor allem ein bedeutender Kunstsammler. Er konnte sich offenbar von einer Reihe großer Werke einfach nicht trennen. Zuerst betrieb er in Wien eine Galerie, übersiedelte später nach München. In Wien blieb als „Lager“ das „Haus der Bilder“, in der Klewan in Form eines meist geschlossenen Ladens seine Sammlung aufbewahrte. Er gilt als Entdecker heute großer Namen wie Hermann Nitsch, Arnulf Rainer oder Maria Lassnig, der er 1981 in München als erster eine große Ausstellung widmete. Er kaufte Arbeiten von bereits arrivierten Größen wie den Schweizer Künstler Alberto Giacometti, Cy Twombly oder Pablo Picasso neben Werken von Anton Romako, Hans Staudacher oder die mit Sicherheit teuerste Konserve mit Scheiße von Piero Manzoni (Merda d'artista, 1961). Viele der Wegbereiter der Moderne sind vertreten, zum einen in der Sammlung in seiner Wohnung.

Armand Francois Joseph Henrion, Selbstporträt als Pierrot, undatiert Sammlung Klewan

Dort bedecken Bilder dicht an dicht in Form der Petersburger Hängung die Wände. Zum anderen in der Ausstellung in der Orangerie des Unteren Belvederes, die als Verbeugung vor dem Kunsthändler mit Kojen wie auf einer Kunstmesse gestaltet wurde.

Christian Ludwig Attersee, Schamhaarlockenwickler, 1968 Sammlung Klewan

193 Werke von mehr als 50 Künstlern und natürlich auch Künstlerinnen wurden von Kurator Harald Krejci in zweischichtiger Bedeutung zur Ausstellung SAMMLUNG KLEWAN Porträt(s) der Moderne (bis 11. Juni 2017) als beeindruckende Wanderung durch die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts inszeniert. Es geht tatsächlich um Porträts, aber ebenso darum, das Gesicht der Kunst dieser Zeit mit ihrem vielfältigen Mienenspiel sichtbar zu machen. Die Ausstellung gibt einen – man möchte fast sagen – amüsanten Einblick in die Bandbreite des Schaffens, angefangen vom Aufbruch zu den heutigen Vorstellungen von relevantem Kunstschaffen bis zum 5 Sekunden Manga von Johanna Freise aus dem Jahr 2000.

Dennoch scheut sie keineswegs davor zurück, die für einen Kunstsammler vom Rang eines Helmut Klewan seltsame Leidenschaft für Kitsch und Kurioses hervorzustreichen. Gegenüber den großformatigen, in knalligen Farben gestalteten Bildgeschichten eines Christian Ludwig Attersee irritiert die beinahe kindliche Romantik eins Hans Zatzka in dessen auf Paletten gemalten „Schlafzimmerbildern“. Das düstere Selbstporträt von Man Ray aus 1943 holt den Betrachter umgehend wieder zurück zum Ernst der Kunst, um ihn aber ebenso rasch wieder zu einem Lächeln vor der Zigaretten-Venus von Al Hansen zu entlassen.

Art brut Zeichnungen von Jean Dubuffet, eine Serie genialer Selbstporträts von Armand F. J. Henrion als Pierrot, Piazza d'Italia con cavallo von Giorgio de Chirico, eine dicke aufnahmebereite Dame von Otto Muehl, das sind nur einige wenige Beispiele aus dieser Ausstellung, die am besten mit dem dazu erschienen Katalog in der Hand betreten werden sollte. Für dieses Genre sensationell klare Texte und leicht verständliche Erklärungen zu den einzelnen Künstlern eröffnen einen wunderbaren Zugang zur Sammlungstätigkeit eines Galeristen und den einzelnen Werken, nebenbei machen sie aber auch nachvollziehbar, warum es ausgerechnet ein Kunsthändler wie Helmut Klewan nicht geschafft hat, sich von bestimmten Kunstwerken zu trennen.

Piero Manzoni, Merda d’artista, 1961 Sammlung Klewan, Piero Manzoni: © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
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