Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Klemens Brosch, Schlummernder über Schnee vor dunklem Himmel © Graf. Sammlung LG Linz

KLEMENS BROSCH Zeichner eines verunglückten Lebens

Klemens Brosch, Der letzte Augenblick, 1916 © Graf. Sammlung OÖ Landesmus.

Beindruckende Werke haben es aus Oberösterreich spät aber doch nach Wien geschafft

1894 wurde Klemens Brosch in Linz geboren. Schon als Schüler wurde er als Wunderkind gehandelt, das exzellent zeichnen konnte. Als Schüler war er in den erwachsenen Künstlerkreisen Oberösterreichs anerkannt und konnte trotz seiner Jugend in dieser Szene Bewegung schaffen. Mit seinem Bruder Franz gründete er noch vor der Matura 1913 die Künstlervereinigung MAERZ, zu deren Gründungsmitgliedern Franz Sedlacek, Anton Lutz und Heinz Bitzan zählten. Er selbst verließ vier Jahre später die Gruppe, die jedoch weiterbestand und mit Alfred Kubin in der Zwischenkriegszeit das vielleicht prominenteste Mitglied aufwies. Brosch selbst waren nur 16 Schaffensjahre (er verstarb durch Selbstmord am 17. Dezember 1926) gegönnt, die jedoch ein knapp 1000 Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken umfassendes Œuvre zeitigten.

Klemens Brosch, Die Kraniche des Ibikus © NORDICO Stadtmuseum Linz

Obwohl er heute neben Gustav Klimt, Egon Schiele oder Oskar Kokoschka zu den bedeutendsten Zeichnern Österreichs zählt, blieb seine Bekanntheit auf das Land ob der Enns beschränkt. Die Kulturmetropole Wien brauchte den Anstoß von Stella Rollig, die Brosch während ihrer Lehrtätigkeit an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz entdeckte. Als Direktorin des Belvedere hat sie nun Elisabeth Nowak-Thaller vom LENTOS eingeladen, in der Orangerie eine ausführliche Retrospektive zu gestalten. Geworden ist daraus die Ausstellung KLEMENS BROSCH WIEDERENTDECKUNG EINES GROSSEN ZEICHNERS (bis 3. Juni 2018), in der uns, wie die Kuratorin es ausdrückt, der Künstler selbst anhand seiner Werke durch sein kurzes, in vielen Punkten verunglücktes, aber dennoch schaffensreiches Leben führt.

Klemens Brosch, Das Krokodil auf der Mondscheibe, um 1912 © Landesgalerie Linz

Den tiefsten Schnitt in der Entwicklung seiner Persönlichkeit setzte der Aufenthalt beim Militärdienst. Dieser dauerte aufgrund einer Lungenkrankheit nur ein paar Monate, hatte Brosch aber durch das von der Feldapotheke bezogene Morphium, verschrieben vom Militärarzt, süchtig gemacht und sollte in den folgenden Jahren zu einer zunehmenden Zerrüttung seines körperlichen und seelischen Zustandes führen. Wie weit die Sucht sich auf seine künstlerische Tätigkeit ausgewirkt hat, bleibt angesichts seiner Zeichnungen offen. Er wendete sich Anfang der 1920er-Jahre vom Stift und der Tuschefeder dem Aquarell zu.

Dieses wurde jedoch wie die vorangegangen Zeichnungen meist monochrom in Schwarzweiß ausgeführt. Davor waren die Kriegsereignisse, die ihn zumindest am Rand begegnet waren, immer wieder Thema erschütternder Zeichnungen. Sie scheinen wie Akte der Verzweiflung eines jungen Künstlers, der mit der Grausamkeit des Krieges ebenso wenig fertig wurde wie mit der Tatsache, dass er und seine Mitstudenten in diesen Jahren kaum Aufträge an Land ziehen konnten.

 

Brosch hatte den unbestechlichen Blick für das kleinste Detail, das von ihm in lupenfeinen Strichen festgehalten wurde. Die Akkuratesse in seinen Arbeiten war es wohl auch, die ihm einen Studienplatz an der Akademie der bildenden Künste verschafft hatte. Sein genaues Beobachten ließ ihn offenbar seine Motive bis in ihren schwärzesten Hintergrund durchschauen.

Brosch scheute dabei nicht vor Pathos und düsterer Symbolik zurück. Damit führt er uns Angstträume, Tod und Vergänglichkeit drastisch vor Augen. Dazu kommt schwarzer, bis ins Grausame reichender Humor, der sich in zynischen Bildern wie „Siesta der Henker“ oder in „Verhungernde Flüchtlinge“ ausdrückt. Erschreckend bäumt sich in „Die Pest“ ein Pferd mit flammender Mähne und einem Gerippe als Reiter vor dem Betrachter auf, während sich diesem an einer ganzen Wand mit Studien von abgetragenen Schuhen die bittere Ironie erst im Titel entpuppt: „Der Invaliden Dank“

Klemens Brosch, Verhungerter Flüchtling, 1916 © Grafische Sammlung des Oö. Landesmuseums
Belvedere Logo 300

Statistik