Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die jungen verwirrten Verliebten © Lalo Jodlbauer

„Ein Sommernachtstraum“ voll Lachen, Liebe und noch mehr Unfug

Andreas Patton (Oberon) © Lalo Jodlbauer

Zauberhaftes Feengewebe um eine hinreißend spielende Handwerkertruppe

Im ersten Moment mag man irritiert sein. Burg Perchtoldsdorf ist ausnahmsweise nicht Kulisse. Die Zuschauer nehmen auf Tribünen rund um eine nicht allzu große Bühne Platz. Aber bereits mit der ersten Szene wird klargestellt, warum heuer auf den imposanten Hintergrund verzichtet wurde. Markus Kofler als Peter Squenz tritt auf und rekrutiert aus dem Publikum die Schauspieler nicht nur für die Rüpelkomödie, sondern für das ganze Stück, das vom Platz in der Mitte aus immer wieder zwischen die Sitzreihen hineinflattert. Jeder, Schauspieler wie Besucher, wird dadurch zum Akteur einer Geschichte, mit der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit in höchst amüsanter Weise verwischt werden. Regisseur Michael Sturminger hat William Shakespeares Märchen dabei kein Härchen gekrümmt und hat ihm trotzdem eine neue Handschrift verpasst, eine, die leicht über die genialen Textzeilen des großen Dramatikers dahinfliegt und in allen ihren wunderschönen Sätzen einfach und gut lesbar ist. Dazu kommen elfische Gesänge zu den Klängen eines geisterhaften Instrumentariums.

Sommernachtstraum Ensemble mit Veronika Glatzner (Titania) © Lalo Jodlbauer

Ein Darsteller nach dem anderen taucht auf der Bühne auf. Nikolaus Barton wieselt als Wichtigtuer Zettel um Squenz herum und möchte alle Rollen gleich selbst übernehmen, muss sich aber mit der Hauptrolle als Pyramus begnügen. Ein erster Lacherfolg ist die Vergabe der Thisbe an Flaut, einem vierschrötigen Kerl in Gestalt von Michael Pogo Kreiner. Schnauz und Schlucker sind die beiden Damen Karola Niederhuber und Petra Staduan, die sich im Laufe der Probenarbeit zu den wahren guten Seelen dieser Truppe entwickeln. Schnock (Raphael Nicholas) ist der Löwe, der mit feinem Lächeln an der hintergründig angelegten Wildheit der von ihm dargestellten Bestie arbeitet. 

Julia Richter (Hermia), Benjamin Vanyek (Lysander) als Liebende in Aktion © Lalo Jodlbauer

Ganz zu Recht erntet er Applaus und den anerkennenden Zwischenruf: „Gut gebrüllt, Löwe!“ Für den eleganten Herzog Theseus wird Andreas Patton gerufen, der, wenn er schon einmal engagiert ist, auch den Oberon übernehmen soll. Als dessen jeweilige Frau Hippolyta und Titania meldet sich freiwillig Veronika Glatzner. Sie stürmt auf die Bühne, öffnet im Stile eines Exhibitionisten ihren schwarzen Mantel, der gewagte Reizwäsche verbirgt, und macht sich stürmisch ans Werk, Theseus bzw. Oberon zu vernaschen.

Nach erfolgtem Casting taucht auch die Jugend auf. Hermia (Julia Richter), Helena (Sophie Aujesky), Lysander (Benjamin Vanyek) und Demetrius (Jan Hutter) sind bekanntlich die Opfer des Koboldes Puck, der vorerst aber als heiser herumschreiender Vater Egeus seiner Tochter Hermia einen ungeliebten Bräutigam zukommen lassen will.

Karl Walter Sprungala ist damit nicht nur ein schlampiger Geist, der für die diese Handlung tragende Verwirrung unter den Liebenden sorgt, sondern auch ein Meister der Verwandlung. Sein Meisterwerk ist mit Garantie Zettel, dem er einen anstößig nach vorne ragenden Eselschwanz angedeihen lässt. Kein Wunder, dass Titania auf ein derart animalisches bestes Stück gehörig abfährt. Dass sie sich dabei blamiert, ist wiederum das Werk ihres Göttergatten Oberon, der ein Kenner der geheimnisvollen Kräuterwelt dieses vor Liebe triefenden Waldes ist.

Michael Pogo-Kreiner (Flaut), Markus Kofler (Squenz) © Lao Jodlbauer

Während also Liebende und Geister durcheinander weben, rückt der Perchtoldsdorfer Wald romantisch näher und schafft mit seinen nächtlich schwarzen Baumkronen die authentische Stimmung für dieses Geschehen, das am Ende alle Beteiligten allzu gern als Traum erlebt haben wollen. Was auch von Puck, der ja wieder alles gut gemacht hat, bestätigt wird:

Wenn wir Schatten euch getroffen, kränkt euch nicht, denn ihr könnt hoffen, dass ein Schlummer euch umfing, als dies Schauspiel vor sich ging. S´war, ihr Leute glaubt es kaum, ein Hirngespinst im Zwischenraum, wiegt nicht schwerer als ein Traum...“ Die Zuschauer nicken zustimmend, denn sie haben verstanden, was er gemeint hat. War auch nicht allzu schwer, denn für die Sommerspiele Perchtoldsdorf haben Angelika Messner und Martina Theissl Shakespeares Text neu übersetzt und angenehm verständlich gemacht.

Karola Niederhuber (Erbenblüte), Karl Walter Sprungala (Puck) übermütig im Feenwald © Lalo Jodlbauer
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