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Flügel aus der Firma von Ignaz Pleyel (Paris)

IGNAZ JOSEPH PLEYEL Ein Genie ist zum Geburtsort zurückgekehrt

Das neue Pleyel Kulturzentrum in Ruppersthal

Ein Weltstar der Klassik wurde in Österreich gründlich vergessen

Das Klavier, auf dem Junko Tsuchiya an diesem Vormittag in Ruppersthal eine Matinee gibt, klingt anders als man heute Konzertflügel kennt. Die Töne haben trotz des markigen Anschlags ungewöhnliche Wärme, gerne lauscht man den allmählich ausschwingenden Basssaiten. Die Pianistin lässt sich viel Zeit, um im Adagio die Schönheit dieser Klänge zur Entfaltung zu bringen, um im nächsten Satz mit einem Allegro assai ihre exzellente Technik zu zeigen. Gespielt wird die Sonate in F-Dur, KV 332, von Wolfgang Amadé Mozart. Das Instrument ist ein Original Pleyel Hammerflügel, gebaut von Camille Pleyel, dem Sohn von Ignaz Joseph Pleyel, von dem die darauf folgenden beiden Stücke komponiert wurden. Pleyel? Der Name ist sogar unter Eingeweihten immer wieder ein Rätsel – allerdings nur in Österreich. In Paris ist man mit Pleyel bis heute bestens vertraut. Die Salle Pleyel war bis 2015 der größte symphonische Konzertsaal der Stadt, benannt eben nach Ignaz Joseph Pleyel, dem zu seiner Zeit meist gespielten Komponisten der Klassik.

Adiolf Ehrentraud mit dem Flügel von Ignace Pleyel aus 1831 in seinem Pleyelmuseum in Ruppersthal

Bekannt ist nach wie vor die Klavierfabrikation, in der über 200 Jahre lang bis 2013 der „Ferrari der Klaviere“ gebaut wurde. Frédéric Chopin bestand darauf, mit einem Pleyel-Flügel seine Konzerte zu geben, sogar Ludwig van Beethoven teilte „Camillo“ in einem Brief seine Begeisterung über dieses Instrument mit. Die große Klaviermusik wurde damals also auf einem „Pleyel“ komponiert und verschaffte den Zuhörern bei den Konzerten das besondere Klangerlebnis, das nun wieder in Ruppersthal im Weinviertel, dem Geburtsort von Joseph Ignaz Pleyel, zum Leben erweckt wird.

Drei Quartette von Ignaz Joseph Pleyel im Pleyelmuseum Ruppersthal

Initiator dieses Revivals eines vergessenen Genies ist Adolf Ehrentraud. Er hat sein Leben Pleyel verschrieben. Mit unglaublicher Energie und Hartnäckigkeit gegenüber so manchen Ignoranten hat der das Geburtshaus neben der Pfarrkirche von Ruppersthal zu einem Museum ausgebaut, nicht ohne zu erwähnen, dass dieses bereits eine Ruine war und weggerissen werden sollte. Ehrentraud wurde zum Entdecker von Kompositionen, die hierzulande über zwei Jahrhunderte nicht mehr gespielt worden waren.

Mit erstaunlicher Emsigkeit und überzeugenden Erfolg organisiert er Konzerte, die regelmäßig vom Publikum gestürmt werden. Man sollte sich rechtzeitig um die Eintrittskarten kümmern. Zu bestellen sind sie, und daran hält Adolf Ehrentraud unerschütterlich fest, ausschließlich bei der von ihm gegründeten IPG, der Internationalen Ignaz Joseph Pleyel Gesellschaft. Er versteht es überdies mit Schmäh und Charme, Geld aufzutreiben, so zum Beispiel für den Bau des Pleyel Kulturzentrums, einem Konzertgebäude, das sowohl drinnen mit großartiger Akustik wie auch als Freiluftbühne bespielt werden kann.

Tafelklavier von Ignaz Pleyel im Pleyelmuseum Ruppersthal

Eines kann sich Adolf Ehrentraud nicht erklären. Warum wurde Ignaz Joseph Pleyel bei uns so gründlich vergessen? Über die Gründe dazu kann man nur mutmaßen. Pleyel wurde am 18. Juni 1757 als Sohn des Schulmeisters in Ruppersthal geboren, avancierte zum Lieblingsschüler von Joseph Haydn, wurde nach Abschluss seiner Ausbildung Kapellmeister bei  seinem Förderer Graf Ladislaus Erdödy in Pressburg, bevor er nach Strassburg ging. Dort wurde er Domkapellmeister.

Er nahm die französiche Staatsbürgerschaft an und aus Pleyl wurde Pleyel, der in ganz Europa gefeiert, jedoch in die französischen Revolutionswirren verwickelt war. Wie zur Rettung wurde der Komponist 1792 nach London eingeladen. Dort traf er in einer glücklichen Fügung auf seinen geliebten Meister Joseph Haydn und riss mit ihm die Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hin. Adolf Ehrentraud erzählt dazu gern die Anekdote, dass die aufs Wetten veressenen Engländer die beiden Komponisten gegeneinander ausspielen wollten, aber mit diesem gar nicht fairen Vorhaben scheiterten, da Pleyel Musik von Haydn und Haydn dessen Symphonien spielte. Die Freundschaft spürt man im Rondeau Favorit in A-Dur, in dem deutlich das Ticken einer Uhr zu hören ist, das Joseph Haydn in seiner Symphonie Nr. 101 „Clock“ wieder ertönen lässt. Ab 1795 lebte Pleyel in Paris und begann dort als Musikverleger.

Ab 1807 wurde schließlich zu einem der bedeutendsten Klavierfabrikanten. Am 14. November 1831 verstarb Ignace Pleyel, wie er sich als Franzose nannte, und wurde in Paris am Friedhof Père Lachaise beigesetzt. Sowohl seine Musik als auch seine Instrumente sind bei uns wieder zu hören, ganz nach dem Motto , „Pleyel lebt!“, einem von Adolf Ehrentraud verfassten Stück, das er mit Pleyels Monumentalwerk LA REVOLUTION DU DIX AOUT 1792 beschließen lässt.

Junko Tsuchiya auf einem Hammerflügel, gebaut von Ignace Pleyel
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